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Erfolgreicher Tag bei Leichtathletik-EM : Christin Hussong holt Gold im Speerwurf

Die Frauen gewinnen insgesamt vier Medaillen für das deutsche Team. Die Siebenkämpferinnen Louisa Grauvogel und Mareike Arndt müssen nach einem Autounfall vorzeitig aufgeben.

Christin Hussong hat Gold im Speerwurf.
Christin Hussong hat Gold im Speerwurf.Foto: Reuters

Sie hatten sich einen relativ anstrengenden Abend ausgesucht, die 48457 Zuschauer im Berliner Olympiastadion. Denn am Freitag bekamen sie keine Pause, immer wieder sprangen sie von ihren Sitzen auf, immer wieder klatschten sie, immer wieder setzten sie zu lauten Jubelrufen an. Der vierte Wettkampftag bei der Leichtathletik-EM brachte vier Medaillen für das deutsche Team – und eine ausgelassene Stimmung auf den Rängen.

Den größten Jubel löste Christin Hussong aus. Die 24-Jährige komplettierte die Goldserie der deutschen Speerwerfer. Nachdem Thomas Röhler am Vortag Europameister geworden war, setzte sie gleich im ersten Versuch zu einem famosen Wurf an. Hussong schleuderte den Speer auf überragende 67,90 Meter. Das war nicht nur persönliche Bestleistung, sondern auch EM-Rekord. Damit schockte sie ihre Konkurrenz und gewann am Ende mit einem großen Vorsprung vor der Tschechin Nikola Ogrodnikova (61,85 Meter) und der Litauerin Liveta Jasiunaite (61,59).

Absolut überwältigt war Hussong nach ihrem letzten Wurf. Sie sank in die Knie und konnte ihr Glück kaum fassen. „Ich wusste, wenn ich super drauf bin, kann ich um eine Medaille mitwerfen. Dass es nun Gold geworden ist, ist umso schöner“, sagte Hussong. Eine persönliche Bestleistung zeigte auch Dreispringerin Kristin Gierisch mit 14,45 Meter – das brachte ihr eine gefeierte Silbermedaille, mit einem Zentimeter Vorsprung auf die Spanierin Ana Peleteiro. Vollkommen ungewöhnlich war dabei für die Chemnitzerin der Wettkampfverlauf. Wenn es bei ihr nämlich um eine kritische Selbsteinschätzung geht, dann erwähnte die 27-Jährige zuvor immer einen Punkt: „Ich bin eine Kandidatin, die den ersten Sprung gerne mal ungültig macht.“ Weil ihr am Anfang oft die Motivation fehle.

Gierisch überrascht im ersten Versuch

Am Freitag zeigte sie das absolute Gegenteil. Im ersten Versuch schaffte sie nach Hop, Step und Jump eben jene 14,45 Meter. Weiter sprang danach nur Paraskevi Papahristou aus Griechenland (14,60 Meter). „Die Stimmung war heute mega heftig. Ich finde gar keine Worte für diesen Erfolg“, sagte Gierisch.

Neben Gold für Hussong und Silber für Gierisch gab es zwei Bronzemedaillen für die Deutschen. Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch wurde Dritte. Bis 1,96 Meter übersprang sie alle Höhen im ersten Versuch. Besser als die 27-Jährige waren nur Mariya Lasitskene aus Russland (2,00 Meter) und die Bulgarin Mirela Demireva (2,00 Meter). Lasitskene übersprang die zwei Meter im zweiten Versuch. Und damit früher als ihre Konkurrentin.

Die wohl ergreifendste Bronzemedaille holte Carolin Schäfer. Die 26 Jahre alte Siebenkämpferin hatte schon vormittags im Weitsprung mit 6,24 Meter eine neue Saisonbestleistung aufgestellt. Weil die Konkurrentinnen aber ebenfalls überzeugten, rutschte Schäfer auf Platz vier zurück. Den Bronzerang holte sich Schäfer beim Speerwerfen, der sechsten Disziplin, wieder. Mit 53,73 Meter gelang ihr eine neue persönliche Bestweite. Auch über 800 Meter überzeugte sie und landete mit 6602 Punkten hinter der Belgierin Nafissatou Thiam (6816) und Katarina Johnson-Thompson (6759).

Schäfer denkt auch an die Teamkolleginnen

„Diesen Abend werde ich in meinem Leben nicht vergessen. Es gibt emotional nichts höherwertiges“, sagte Schäfer. Aber nur nach Jubel war der Frankfurterin nicht zumute. Denn ihre beiden Teamkollegen konnten den Wettkampf nicht beenden. Louisa Grauvogel und Mareike Arndt waren am Nachmittag in einen Autounfall verwickelt gewesen. Beide wurden in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort ergaben die Untersuchungen, dass sich Grauvogel und Arndt keine schwerwiegenden Verletzungen zugezogen hatten, sagte Idriss Gonschinska, der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Grauvogel konnte abends vom Krankenhaus ins Mannschaftshotel zurückkehren. Arndt musste dort zunächst noch zur Beobachtung bleiben.

Der Unfall hatte sich nach der Vormittagssession auf der Rückfahrt vom Stadion ins Teamhotel ereignet. Genaue Informationen zum Hergang konnte Gonschinska zunächst nicht mitteilen. „Das ist alles so schlimm für sie“, sagte Schäfer. „Die Medaille teile ich mit ihnen.“

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