Europa League : Salzburg setzt auf viele Trainer und Laptops

Borussia Dortmunds Gegner Salzburg ist vor allem wegen seines jungen Trainerquartetts so erfolgreich. 19 Betreuer kümmern sich um das Team, das den BVB aus der Europa League werfen soll.

Leonard Brandbeck
Kein Grund zur Aufregung. Das Achtelfinal-Hinspiel bei Borussia Dortmund gewannen Marco Rose und sein RB Salzburg 2:1. Foto: Bernd Thissen/dpa
Kein Grund zur Aufregung. Das Achtelfinal-Hinspiel bei Borussia Dortmund gewannen Marco Rose und sein RB Salzburg 2:1. Foto: Bernd...Foto: dpa

Ein Blick auf das Mannschaftsfoto genügt, und schon wird klar, wie der RB Salzburg arbeitet. Es ist kein Geheimnis, dass der brausekonzernfinanzierte Klub Geld hat. Er setzt dieses aber nicht nur für neue Spieler ein, sondern investiert auch in Know-how und Strukturen. Und so sind auf dem Bild nicht weniger als 19 Betreuerinnen und Betreuer rings um die Profikicker platziert. Mit diesen Mitteln will der österreichische Serienmeister am Donnerstagabend Borussia Dortmund aus der Europa League werfen (21.05 Uhr/ live bei Sky und Sport1).

Cheftrainer Marco Rose hat in dieser Saison gleich drei Assistenten an seiner Seite – wohlgemerkt zusätzlich zu Torwart- und Athletiktrainern. „Wir sind ein großes Trainerteam, das die Arbeit gerne gemeinsam macht“, hat Rose dem „Kurier“ gesagt. Bemerkenswert ist aber die ungewöhnliche Zusammensetzung des vierköpfigen Trainerstabs: Da ist zunächst einmal Rose selbst. Der 41-Jährige, der als Spieler von Mainz und Hannover eher eine graue Maus im Bundesligageschäft war, hat nach seiner aktiven Karriere einen steilen Aufstieg als Trainer hingelegt.

In Mainz sog Rose als Spieler und Co- Trainer unter Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Martin Schmidt die Grundzüge des aggressiven, pressingfokussierten Spielstils auf. Dies dürfte mit dazu beigetragen haben, dass ihn Ralf Rangnick, damals noch Sportdirektor in Salzburg, 2013 zu RB lotste. Im Jugendbereich arbeitete sich Rose von der U 16 aus Schritt für Schritt nach oben und krönte schließlich in der vergangenen Saison die U 19 mit dem Gewinn der Uefa Youth League zum besten Nachwuchsteam Europas. Im Sommer folgte sodann der Lohn mit der Übernahme des Salzburger Profiteams.

Bei seiner ersten großen Trainerstation im Profibereich stehen Rose nun mit Alexander Zickler und René Aufhauser zwei Recken mit durchaus geläufigen Namen zur Seite. Während sich der aus seiner aktiven Zeit bei Bayern München und Salzburg mit zahlreichen Titeln dekorierte Ex-Nationalspieler Zickler um das Offensivspiel der Salzburger kümmert, ist Aufhauser, ein Urgestein des österreichischen Fußballs, für die Defensive zuständig.

Über den wissenschaftlichen Ansatz der Salzburger lacht keiner mehr

Und dann ist da auch noch René Maric. Seine Geschichte ist die wohl ungewöhnlichste der vier Coaches. Er ist erst 25 Jahre alt und hat nie selbst als Profi gespielt. Aufgrund einer schwierigen Verletzung als Jugendspieler verlegte er sich schon früh auf das Coaching. Auf der Suche nach Austausch über seine Arbeit beim Lokalverein seines oberösterreichischen Heimatdorfs stieß er im Netz bald auf Gleichgesinnte, mit denen er den Taktik-Blog „Spielverlagerung“ gründete, um Fußballspiele aus aller Welt zu analysieren. Trotz des hohen Detailgrades und der speziellen Fachsprache erfreute sich den Blog schon bald einer großen Beliebtheit. Es folgten Kooperationen mit dem ZDF, und auch aus dem Profibereich gab es Auftragsarbeiten.

Anfang 2016 verfasste Maric eine Analyse des Salzburger U-18-Teams und sandte die gleich auch noch an den Trainer der Mannschaft: Marco Rose. Der war tatsächlich interessiert. Nach anfangs noch losem Austausch setzte er sich beim Klub dafür ein, Maric dauerhaft in das Trainerteam zu integrieren. Mit Erfolg: Zur neuen Saison wurde Maric Roses Assistent bei der U 19 und ist es nun auch bei den Profis. „Er kann Spiele schneller sehen und analysieren, kann beide Teams gleichzeitig analysieren, während ich mich zumeist auf mein Team konzentriere“, sagt Rose bei „Laola1.tv“. Auch mit dem Entwurf von Spiel- und Trainingsmodellen hat er Maric betraut. Der betont, dass er sich selbst noch einiges von seinen Kollegen abschaut: „Es gibt Tage, da lerne ich mehr als die Spieler.“

Erkannt hat Maric, dass dazu vor allem die Übersetzung abstrakter taktischer Prinzipien in konkrete, verständliche Anweisungen an die Spieler gehört. Gerade aufgrund seiner akademischen Sprache wird der von Maric und Kollegen verfolgte wissenschaftliche Ansatz unter Fans, Medienschaffenden und auch Aktiven immer noch gerne verlacht. Die Vorurteile der „Laptoptrainer“-Kritiker über die Unvereinbarkeit von Theorie und Praxis lassen sich durch Marics Geschichte jedoch schon einmal wesentlich entkräften – und auch durch Salzburgs Erfolg in dieser Saison.

Erst eine Pflichtspielniederlage hat RB in der gesamten Saison einstecken müssen, seit 32 Spielen ist die Mannschaft ungeschlagen, in der heimischen Liga sind die Salzburger souveräner Tabellenführer, und mit dem 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel in Dortmund im Rücken sieht es auch in der Europa League gut aus für das Team, das von einer grauen Maus, den beiden Recken und einem Laptoptrainer gecoacht wird.

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