• Ex-Herthaner Christian Fiedler im Interview: „Als Spieler war Ante Covic ein Filou, aber jetzt...“

Ex-Herthaner Christian Fiedler im Interview : „Als Spieler war Ante Covic ein Filou, aber jetzt...“

Christian Fiedler, der frühere Torwart von Hertha BSC, über Ante Covic, seinen ehemaligen Zimmerpartner und neuen Trainer des Berliner Bundesligisten.

Talentförderer. Seit 2013 ist Covic im Besitz einer Fußball-Lehrer-Lizenz.
Talentförderer. Seit 2013 ist Covic im Besitz einer Fußball-Lehrer-Lizenz.Foto: Manfred Thomas/Imago

Christian Fiedler hat schon in der Jugend bei Hertha BSC im Tor gestanden. Mit dem Amateurteam erreichte er 1993 das DFB-Pokalfinale, mit den Profis stieg er 1997 in die Bundesliga auf – an der Seite von Herthas künftigem Cheftrainer Ante Covic. Nach seiner aktiven Karriere war Fiedler vier Jahre lang Torwarttrainer bei den Berlinern, auch in der Zeit von Otto Rehhagel. In dieser Funktion ist er seit 2015 beim Zweitligisten Greuther Fürth tätig.

Herr Fiedler, waren Sie sehr überrascht, als Ante Covic zu Herthas Cheftrainer befördert wurde?
Im ersten Moment schon. Auch wenn ich glaube, dass er vorher schon mal auf diesen Posten spekuliert hat und wohl auch bei dem einen oder anderen Zweitligisten im Gespräch war.

Trauen Sie ihm die Aufgabe zu?
Auf jeden Fall. Ich habe ja erlebt, wie Ante als U-15-Trainer bei Hertha gearbeitet hat. Überragend. Spieler wie Sidney Friede oder Maximilian Mittelstädt, die inzwischen bei den Profis angekommen sind, sind ja – in Anführungsstrichen – seine Schützlinge. Die sind durch seine Hände gegangen. Ich kenne Ante noch als Spieler, wir haben sogar gelegentlich das Zimmer geteilt. Wissen Sie, was für mich so etwas wie ein Erweckungsmoment war? Als wir zusammen die A-Lizenz gemacht haben und drei Wochen beim Lehrgang waren. Wie er sich vorbereitet hat und als Trainer aufgetreten ist – ich muss schon sagen: Das hätte ich nie gedacht. Da war ich echt überrascht.

Wie meinen Sie das?
Als Spieler war Ante eher ein Filou und bei uns für die Späße zuständig. Manchmal hat er den Ernst der Lage nicht erkannt, manchmal fehlte ihm die richtige Berufsauffassung. Aber jetzt als Trainer ist er das komplette Gegenteil. Aber das hört man ja oft: dass Trainer, die die Dinge als Spieler eher mal haben schleifen lassen, in ihrem neuen Job einen ganz anderen Ehrgeiz entwickeln.

Sie sind im selben Jahr geboren wie Covic. Mussten Sie als sein Zimmerpartner trotzdem immer ein bisschen auf ihn aufpassen?
Aufpassen nicht. Ante war einfach ein lustiger Typ, der seine Späßchen gemacht hat. Als Fußballer hätte er mit Sicherheit viel mehr erreichen können. Ich kann mich noch erinnern, dass er einmal einen Anruf vom BVB bekam, der ihn verpflichten wollte. Das war in der Zeit, als Ottmar Hitzfeld dort Sportdirektor war. Ante ist völlig nervös geworden und wusste plötzlich nicht mehr, was er machen sollte. Am Ende hat er sich nicht so richtig getraut, diesen Schritt zu gehen. Sonst hätte er als Spieler vielleicht eine ganz andere Karriere hingelegt.

Finden Sie es schlüssig, dass Hertha als Aus- und Weiterbildungsverein auf einen Trainer setzt, der bewiesen hat, dass er mit Talenten arbeiten kann?
Was letztlich Herthas Beweggründe waren, ob man den Trainer, den man eigentlich haben wollte, nicht bezahlen konnte, das weiß ich nicht. Ich kann nicht beurteilen, ob Ante Plan A, B oder C war. Dazu bin ich zu weit weg. Ich freue mich einfach für ihn und für Mirko …

… Herthas künftigen Co-Trainer Mirko Dickhaut …
… dass Sie die Möglichkeit bekommen, ihr Können in der Ersten Liga zu beweisen.

Wie haben Sie Covic erlebt, als er 2012 mit René Tretschok Interimstrainer bei Herthas Profis war und anschließend Assistent von Otto Rehhagel?
René ist ja auch ein sehr angenehmer Mensch. Deshalb glaube ich, dass das in dieser Konstellation ganz gut funktioniert hätte. Leider ist es daran gescheitert, dass keiner von beiden die Trainerlizenz besaß. Auch die Rollenverteilung passte. René war derjenige, vor dem die Spieler aufgrund seiner sportlichen Vita einen größeren Respekt hatten, aber Ante hat auch deutliche Akzente gesetzt: Er hat das Training mitgestaltet und die Analyse des kommenden Gegners übernommen. Da war er so, wie ich ihn als Nachwuchstrainer kannte: sehr akribisch, aber auch mit viel Spaß bei der Sache. Das ist ja auch wichtig, gerade bei jungen Spielern.

Aber sein Einfluss unter Otto Rehhagel war nicht besonders groß, oder?
Das war ja für uns alle so. Eine Persönlichkeit wie Rehhagel lässt sich nicht einfach so degradieren. Trotzdem hat Ante seine Meinung gesagt, so wie René und so wie ich auch. Aber die Entscheidungen hat am Ende Otto Rehhagel getroffen.

Immer voller Einsatz. Ante Covic als Spieler von Hertha im Jahr 1998 (rechts).
Immer voller Einsatz. Ante Covic als Spieler von Hertha im Jahr 1998 (rechts).Foto: Daniel Karmann/dpa

Covics neuen Co-Trainer Mirko Dickhaut kennen Sie auch ganz gut. Er war bis vor einem Jahr Co-Trainer bei Greuter Fürth.
Wir kannten uns sogar vorher schon, über einen gemeinsamen Freund, bei dem wir uns gelegentlich getroffen haben. Mirko ist auch ein super Typ. Er war hier sehr beliebt in der Mannschaft, hatte einen guten Draht zu den Spielern. Und vor allem war er als Fußballer kein Blinder. Das darf man nicht vergessen. Bei Eintracht Frankfurt, in dieser Riesentruppe mit Uli Stein, Uwe Bein, Anthony Yeboah und all den anderen, war Mirko der Mittelfeldstratege. Und trotzdem ist er ein super netter Typ, total angenehm und sehr bescheiden.

Was zeichnet ihn als Trainer aus?
Er hat ein gutes Auge für eine Mannschaft, ein Gespür für die Atmosphäre innerhalb eines Teams. Mirko kümmert sich auch um Spieler, die gerade nicht zum Einsatz kommen. Er ist sehr ruhig, sehr sachlich, analysiert die Dinge sehr gut. Ich glaube, er wird eher der ruhende Pol neben Ante sein.

Die beiden ergänzen sich also ganz gut.
Sie kennen sich ja noch aus gemeinsamen Zeiten als Spieler beim VfL Bochum, haben dann zusammen den Fußballlehrerlehrgang absolviert und sich da sogar das Zimmer geteilt. Seitdem besteht die Verbindung, und ich glaube, schon damals gab es eine Absprache, dass der eine den anderen dazu holen wird, wenn er mal einen Job bei den Profis bekommt.

Identifiziert sich Dickhaut voll und ganz mit der Rolle als zweiter Mann? Oder hat er die Ambition, selbst mal Chef zu werden?
Hier in Fürth hat er ganz klar gesagt: Ich bin als Co-Trainer geholt worden, also fungiere ich auch als Co-Trainer. Ich nehme mal an, dass das in Berlin nicht anders sein wird, obwohl Mirko bei Hessen Kassel auch schon als Cheftrainer gearbeitet hat. Nach der Entlassung von Janos Radoki haben wir die Mannschaft für ein Spiel betreut, Mirko als Chef, ich als sein Co-Trainer. Wenn die Spielvereinigung ihn anschließend gefragt hätte, ob er sich vorstellen könne, den Job fest zu übernehmen, hätte er das wahrscheinlich nicht abgelehnt. Dafür ist er Fußballlehrer geworden. Aber an der Loyalität zu seinem Chef habe ich nicht den geringsten Zweifel.

Der Ex-Torwart von Hertha: Christian Fiedler.
Der Ex-Torwart von Hertha: Christian Fiedler.Foto: Uli Deck/dpa

Christian Fiedler, 44, spielte als Profi nur für einen einzigen Verein: für Hertha BSC. Mit dem neuen Cheftrainer der Profis, Ante Covic, teilte er sich auf Auswärtsfahrten das Zimmer.

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