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Experte André Voigt zur Situation in der NBA : "Ich gehe davon aus, dass die Saison abgebrochen wird"

In der US-Basketball-Liga NBA ist der Spielbetrieb wegen des Coronavirus ausgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Saisonendes ist groß.

Louis Richter
Rudy Gobert von den Utah Jazz hat sich als erster NBA-Spieler mit dem Coronavirus infiziert.
Rudy Gobert von den Utah Jazz hat sich als erster NBA-Spieler mit dem Coronavirus infiziert.Foto: Reuters

Am Montag begegnete Rudy Gobert dem Coronavirus noch mit Humor. Der Allstar vom NBA-Klub der Utah Jazz verließ da das Podium der Pressekonferenz, machte ruckartig halt und berührte demonstrativ noch einmal alle vor ihm liegenden Mikrofone und Aufnahmegeräte. Die anwesenden Journalisten lachten verhalten, seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist in der nordamerikanischen Basketball-Liga niemandem mehr zum Spaßen zu Mute.

Denn Rudy Gobert wurde nun sehr wahrscheinlich als erster Spieler der Liga positiv auf das Coronavirus getestet. Das Spiel der Jazz bei den Oklahoma City Thunder, das in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hätte stattfinden sollen, wurde verschoben. Später gab die NBA bekannt, dass die gesamte Saison für mindestens zwei Wochen pausiert wird. Andere Spiele liefen zu dem Zeitpunkt noch. „Die NBA nutzt diese Pause, um weitere Schritte im Vorgehen gegen das Coronavirus zu besprechen“, heißt es in einem Statement der Liga.

 

 

Das Team der Jazz werde in Oklahoma City in Quarantäne gehen, berichtet ESPN. Auch die Spieler der Oklahoma City Thunder sollen nun auf das Virus getestet werden. Die Teams, die zuletzt gegen Utah gespielt haben, werden sich ebenfalls in Quarantäne begeben. Die Maßnahme betrifft die Toronto Raptors, Detroit Pistons, Boston Celtics, New York Knicks und Cleveland Cavaliers.

Laut ESPN pochen einige Spieler und Trainer dieser Teams darauf, ebenfalls so schnell wie möglich getestet zu werden. Auch die Schiedsrichter der jeweiligen Spiele sollen in Quarantäne gehen. Da die jüngsten Gegner der Utah Jazz in der Zwischenzeit aber schon gegen andere Teams gespielt haben, ist davon auszugehen, dass die Maßnahmen bald die gesamte Liga betreffen werden. Generell ist davon auszugehen, dass die Pause länger andauern wird als die vorerst anberaumten zwei Wochen. Die chinesische Basketballliga wird den Spielbetrieb beispielweise für wohl insgesamt zehn Wochen aussetzen.

Auch André Voigt, Chefredakteur des Basketballfachmagazins „Five“, seit 20 Jahren im Basketballjournalismus tätig und immer wieder vor Ort in den USA, hält eine Pause von nur zwei Wochen für „unwahrscheinlich“: „Die Fortsetzung des Spielbetriebs wird ganz davon abhängen, inwiefern sich noch weitere Spieler von anderen Teams infiziert haben“, sagte er dem Tagesspiegel. „Da die Jazz bereits gegen andere Teams gespielt haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass niemand anderes angesteckt worden ist. Wenn mehrere Teams involviert sind, gehe ich davon aus, dass die Saison abgebrochen wird.“

 

Voigt sieht die NBA mit einer „einzigartigen Situation“ konfrontiert. Zwar hat die Liga Erfahrung damit, eine halbe Saison auszusetzen, wie während der Saison 1998/99, als sich die Spielergewerkschaft mit der Liga nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen konnte, aber für dieses Szenario könne die NBA „nicht planen“. Die Teams würden vorerst weiter trainieren dürfen, um sich für eine mögliche Fortsetzung der Spielzeit fit zu halten. „Dennoch ist es wahrscheinlicher, dass die Saison entweder abgebrochen oder sehr lange unterbrochen wird“, sagt Voigt.

Auch die College-Basketballturniere sind von dem Virus betroffen. In wenigen Tagen sollte in den USA die traditionelle „March Madness“ starten, die Finalturniere der Studenten. In Amerika besitzt das Turnier mehr als nur Kultstatus, die „March Madness“ ist dort regelrechtes Kulturgut. Beide Turniere, die der Männer und Frauen, werden definitiv ohne Zuschauer ausgetragen. In Einzelfällen dürfen die Familien der Spieler eventuell noch die Spiele besuchen.

„Wir treffen diese Entscheidung im Interesse des öffentlichen Gesundheitswesens und der Gesundheit unserer Trainer, Mitarbeiter, Fans und natürlich der Spieler“, wird der Präsident des Collegesport-Verbands, Mark Emmert, in einem Statement zitiert. „Wir wissen, dass die Teilnahme bei den Finalturnieren für viele Spieler eine wichtige Lebenserfahrung darstellt. Wir werden die Situation weiter beobachten und falls nötig Veränderungen vornehmen.“

Auch die Euroleague, in der Alba Berlin antritt, ist nun vorerst unterbrochen. Am Donnerstag schickte der Spielerzusammenschluss der Liga einen offiziellen Brief an die Organisatoren, mit der dringenden Bitte, die Saison solange zu unterbrechen, bis kein gesundheitliches Risiko mehr besteht.

„Die Euroleague und die darin antretenden Teams können nicht von den Spielern erwarten, ihre Gesundheit und die ihrer Familien zu riskieren, indem sie an Spielen teilnehmen und zu Spielen reisen“, heißt es in dem Statement. Die Euroleague gab wenig später bekannt, dass auch sie pausieren wird. „Wir werden die weiteren Entwicklungen eng verfolgen und entscheiden, ob die Spielpause aufgehoben werden kann.“ Eine komplette Absage des Wettbewerbs ist auch hier absolut möglich.

Die Basketball-Bundesliga tagt ebenfalls am Donnerstag, um das weitere Vorgehen der Saison zu besprechen. Auf Grund möglicher fehlender Ticketingeinnahmen, die anders als im Fußball immer noch eine Haupteinnahmequelle für die Teams darstellen, ist ein Abbruch der Saison auch hier wahrscheinlich. Die Deutsche Eishockey Liga hat ihren Spielbetrieb jüngst bereits komplett eingestellt.

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