Fed Cup gegen Weißrussland : Ohne Kerber und Görges - aber mit Heimvorteil

Die deutschen Tennisfrauen gehen als Außenseiterinnen in ihr Fed-Cup-Duell mit Weißrussland. Die Hoffnungen ruhen auf Andrea Petkovic.

Andrea Petkovic spielt wieder für Deutschland - und soll mindestens mal zwei Einzel gegen Weißrussland bestreiten.
Andrea Petkovic spielt wieder für Deutschland - und soll mindestens mal zwei Einzel gegen Weißrussland bestreiten.Foto: dpa

Die ersten Tränen beim Gegner sind bereits geflossen. Aryna Sabalenka, weißrussische Topspielerin, wurde im Training am Mittwoch von einem Ball am Rücken getroffen, ging zu Boden und fing an zu weinen. Sollte sich der Gemütszustand der Weltranglistenneunten am Wochenende in ähnlichen Bahnen bewegen, hätten die deutschen Tennisspielerinnen alles richtig gemacht. In der ersten Runde des Fed Cups trifft Deutschland am Samstag (13 Uhr) und Sonntag (11 Uhr/jeweils live im Internetstream bei DAZN) in Braunschweig auf Weißrussland. Die Mannschaft von Teamkapitän Jens Gerlach geht als Außenseiter in die vier Einzel und ein mögliches entscheidendes Doppel. Gerlach muss auf seine beiden Topspielerinnen Angelique Kerber und Julia Görges verzichten, während die Weißrussinnen mit ihren besten Profis angereist sind.

„Weißrussland hat in fast derselben Besetzung vor zwei Jahren das Finale gespielt. Sie sind sicherlich eher in der Favoritenrolle. Auf der anderen Seite haben wir den Heimvorteil und wir werden die Herausforderung annehmen“, sagte Gerlach am Mittwoch in Braunschweig. Zudem hat der 45-Jährige noch beste Erinnerungen an sein Debüt als Kapitän. Schon 2018 trafen die Deutschen in der ersten Runde auf Weißrussland, seinerzeit auswärts in Minsk. Am Ende stand ein 3:2-Erfolg für das DTB-Team. „Man hat vor einem Jahr gesehen, was im Fed Cup möglich ist“, sagte Gerlach. Auch damals musste die deutsche Mannschaft ohne ihre besten Spielerinnen auskommen.
Der Fed Cup leidet unter ähnlichen Problemen wie der Davis Cup bei den Männern. Den Stars passt der Teamwettbewerb oft nicht in den Terminkalender. Kerber und Görges beispielsweise ziehen es vor, lieber beim gut dotierten WTA-Turnier in der kommenden Woche in Doha anzutreten. Ein körperlich und nervlich anstrengender Länderkampf unmittelbar zuvor stört da nur die Vorbereitung.

Maria eröffnet die Begegnung am Samstag gegen Sasnowitsch

Für Gerlach ist das alles nicht mehr von Belang. „Mit dem Zeitpunkt der Absage habe ich das Thema bereits ausgeblendet. Mein ganzer Fokus gilt den fünf Mädels, die hier sind“, erklärte er. Und so sollen es Tatjana Maria, Andrea Petkovic, Laura Siegemund, Mona Barthel und Doppelspezialistin Anna-Lena Grönefeld richten.

Das besondere Augenmerk liegt dabei auf Petkovic, die erstmals seit zwei Jahren wieder zum Team gehört. „Sie hat gegen Ende des vergangenen Jahres wieder richtig gutes Tennis gespielt und hat sehr viel Erfahrung“, sagte Gerlach über seine Anführerin. Die 31-Jährige selbst mochte in den Tagen von Braunschweig nicht viel sagen, über den Verband ließ sie allerdings mitteilen, dass sie sich „sehr, sehr, sehr“ freue, wieder zum Team zu gehören. Neben Petkovic ist Tatjana Maria für die Einzel vorgesehen. Maria spielte im Vorjahr in Minsk dreimal gegen die Weißrussinnen und holte zwei Punkte – mit Grönefeld auch den letztlich entscheidenden im Doppel.

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Nominell ist Maria auch diesmal die deutsche Nummer eins und eröffnet am Samstag das Duell mit dem Spiel gegen die Weltranglisten-33. Alexandra Sasnowitsch. Anschließend trifft Petkovic auf Sabalenka. Ebenfalls zum weißrussischen Team gehört die einstige Weltranglistenerste Victoria Asarenka, in Braunschweig ist sie aber zunächst nur für das abschließende Doppel eingeplant. Die Weißrussinnen trafen in dieser Woche tröpfchenweise ein und sind erst seit Donnerstag komplett. Das deutsche Team hingegen ist seit Montag zusammen, die Stimmung ist Gerlach zufolge gut. „Alle sind motiviert und haben super trainiert“, sagte er. Sollte sich der Teamgeist auch auf den Platz und das Publikum übertragen, glaubt Gerlach durchaus an eine Chance. Ziel sei es, sich „am Samstag in eine gute Ausgangsposition zu bringen und am Sonntag dann die Halle zum Kochen zu bringen.“ Oder wahlweise die Gegnerinnen zum Weinen.

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