"Es geht im Sport nicht nur um Erfolg"

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Felix Neureuther im Interview : "Streiten ist Zeitverschwendung"

Sie müssten sich im Training gar nicht mit Hirscher messen. Fritz Dopfer ist Ihr Herausforderer in der eigenen Mannschaft. Wie wichtig ist teaminterne Konkurrenz?
Ganz wichtig. Man schaut ja auch im Training als Erstes auf die Zeit. Verlieren will da keiner von uns.

Liefern Sie sich eigentlich daheim mit Ihrem Vater auch ein Duell?
Ja, da haben wir schon Spaß. Nachdem ich in Adelboden im Riesenslalom Dritter wurde, habe ich den Papa gefragt: „Wie schaut’s? Bist Du schon einmal Dritter geworden in Adelboden?“ In Wengen bekommt der Sieger immer eine Uhr. Der Papa hat dort zwar dreimal gewonnen, aber die Uhren alle verschenkt. Ich habe ihm nach meinem Sieg in Wengen meine Uhr geschenkt. Aber sonst würde ich mich von den Erfolgen her natürlich lieber mit der Mama vergleichen.

Da haben Sie einiges vor. Ihre Mutter Rosi Mittermaier ist Doppel-Olympiasiegerin. Unterscheiden sich Duelle bei Frauen?
Ich glaube, dass bei vielen Frauen noch ein paar andere Faktoren außerhalb des Sports dazukommen. Es fängt schon in der Schule an: Wer sieht besser aus? Wer zieht sich besser an? Solche Themen spielen da mit rein. Bei uns sind die eher Nebensache. Man fährt das Rennen, der andere ist schneller, dann sagt man: Hey, du warst heute besser, cool.

Sind Männer also die besseren Verlierer?
Generell kann man das nicht sagen. Für mich ist wichtig, dass ich das Umfeld genießen kann. Sich zu streiten ist Zeitverschwendung. Es geht im Sport natürlich um den Erfolg, aber auch um andere Dinge wie Freundschaften. Das Menschliche sollte nie vergessen werden. So lebe ich das, so kann ich das auch genießen.

Haben Sie tatsächlich gute Freunde unter Ihren Konkurrenten?
Es gibt Jungs, auf die kann ich immer zählen. Mit Ted Ligety oder Jens Byggmark bin ich richtig gut befreundet.

Sie sagen selbst, ein Grund für Ihre Konstanz in dieser Saison sei Ihre Reife. Können Sie das näher erklären?
Ich musste zum Beispiel lernen, dass du da sein musst, wenn du die Stöcke über die Startstange in den Schnee steckst – und nicht schon vorher. Ich habe früher immer davor schon viel zu viel Energie verbraucht. Bei der WM in Garmisch bin ich im Slalom am Start gestanden – und meine Oberschenkel haben sich angefühlt, als wenn sie aus Beton wären. Das kommt davon, wenn man vorher so viel Energie aufbraucht. Ich musste einsehen, dass es mit zu großem Perfektionismus in einer Verkrampfung endet.

Heißt das vielleicht auch, dass man gar nicht immer ans Limit gehen muss?
Bei gewissen Passagen mit Sicherheit. Da, wo man ein bisschen mitdenken muss. Das war früher ja nicht so meine Stärke.

Das Interview führte Elisabeth Schlammerl.

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