Floorball in Berlin : Schneller Sport wächst schnell

Floorball ist im Kommen. Erstmals findet am Wochenende das Final Four im deutschen Pokal statt. Die Veranstalter versprechen sich einen Zuschauerrekord.

Finn Wittenbecher
Viele Löcher. Floorball ist eben etwas anders.
Viele Löcher. Floorball ist eben etwas anders.Foto: Imago

Es sieht ein wenig so aus wie Eishockey ohne Eis. Und ist aber genau so dynamisch wie Hallenhockey, nur etwas simpler. Auf 40 mal 20 Metern Hallenboden wird gespielt, mit bunten Schlägern, die am Ende eine gekrümmte dünne Kelle aus Kunststoff haben. Der Kunststoffball hat Löcher. Es gibt sechs Anspielpunkte auf dem Feld, zwei Strafbänke und zwei Spielerbänke. Früher hieß das Spiel lange Unihockey, länger schon heißt es nun Floorball.

Floorball gilt nicht nur als eine der schnellsten, sondern auch als die am schnellsten wachsende Mannschaftssportart der Welt. Mittlerweile zählt der Weltfloorballverband schon über zwei Millionen Mitglieder, für Jan Kratochvil aus Berlin ist das keinesfalls überraschend, denn seiner Meinung nach ist Floorball die perfekte Mischung aus Sportarten wie Eis- und Hallenhockey. Der BA Tempelhof (kurz: BAT), bei dem er spielt, ist am Wochenende der Gastgeber des Final Four, des deutschen Pokal-Endturniers, in Berlin. Kratochvil kündigt eine tolle Stimmung an, verspricht Floorballspiele auf höchstem Niveau und ein Zuschauerrekord von über 2000 Fans. Neben den hochspannenden Spielen finden viele Events, wie am Freitagabend ein sogenanntes Nachtturnier, die Penalty-Challenge und das Final-Four-Heimspiel, bei dem Floorballspieler aus ganz Deutschland gegen professionelle Eishockeyspieler antreten.

Das Turnier beginnt am Samstag um 11 Uhr, das erste Spiel für die Männer des BAT ist am Samstag um 17 Uhr gegen die Red Devils Wernigerode, die sie in der Bundesliga schon überraschend schlagen konnten. Kratochvil sagt in Hinsicht auf das Spiel „Wenn wir alles abrufen, was wir können, dann könnte es erneut für einen Sieg reichen.“ Als Favorit des Turniers gilt aber der Rekordmeister UHC Weißenfels, die seit Jahren den deutschen Floorball dominieren. Mit einigen ausländischen Spielern aus Skandinavien, wie zum Beispiel dem Torschützenkönig Anssi Soini sind die Herren aus Weißenfels in den letzten Jahren zu stark für die Konkurrenz gewesen. Aber wer weiß, wenn am Wochenende die Sömmeringhalle zum Hexenkessel wird, ist alles möglich.

Der BA Tempelhof will beim Final Four überraschen

Es geht in Berlin in jedem Fall aufwärts mit der Sportart, auch die Eisbären haben seit dieser Saison eine Floorball-Abteilung. Noch allerdings wird dort von Robbi Haschker Aufbauarbeit betrieben. Der Abteilungsleiter Floorball sagt: „Wir haben aktuell 65 Mitglieder und die Abteilung wächst schnell.“ Der Klub musste in der drittklassigen Verbandsliga anfangen und strebt aber nach oben. Die Eisbären haben jetzt die Play-offs erreicht und spielen um den Aufstieg. In Berlin gibt es bereits elf Klubs für Floorball oder eben Klubs mit einer Floorballateilung, wie zum Beispiel Hockeyklub Z88.
Floorball, der Sport der bisher immer im Schatten der anderen Hockeysportarten stand, will am Wochenende die Chance nutzen, um zu zeigen, was in diesem großartigem Sport steckt. Denn er hat viele Vorteile gegenüber seinen „großen Brüdern“, den Hockeysportarten. So braucht man nicht so viel um Floorball zu spielen, die Ausrüstung ist eher gering. In Skandinavien ist die Sportart sehr beliebt. „Innebandy“, wie man es in Schweden nennt, wird oft auch als Ausgleich in dem sehr von Eishockey geprägten Land gespielt. Zu der Frage, ob es in Deutschland auch möglich wäre, Floorball so populär zu machen, antwortet Kratochvil, dass er in nächster Zeit eher nicht daran glaube, da es dafür zu viele beliebte Sportarten in Deutschland gibt. Doch wenn man weiter in die Zukunft guckt, dann ist er zuversichtlich, seinen Lieblingssport auch hier bei uns stärker vertreten zu sehen.

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