Football : Berlin Kobra Ladies: Mit Biss zum Rekord

Berlins Footballerinnen holen in Erding bei den München Cowboy Ladies die deutsche Meisterschaft – es ist bereits die elfte für die Kobras.

Spritzig. So präsentierten sich die Kobra Ladies gegen Gegner München und danach auch beim Feiern.
Spritzig. So präsentierten sich die Kobra Ladies gegen Gegner München und danach auch beim Feiern.Foto: Jan Baldszuhn

Die Berlin Kobra Ladies gaben wirklich alles, schon bei der Anreise zum Finale um die deutsche Meisterschaft in der nahe München gelegenen Herzogstadt Erding. „Wir sind am Sonntagmorgen um 2 Uhr mit dem Bus losgefahren. Um 15 Uhr fand das Spiel statt“, erklärt Co-Trainerin Sandra Barthel. Die Strapazen haben sich gelohnt. Das Team von Headcoach Lukasz Kroll feierte einen 26:6-Sieg gegen die München Cowboy Ladies – und damit den elften nationalen Titel.

Co-Trainerin Sandra Barthel sagte nach dem Triumph: „Im letzten Jahr war es ein Herzschlag-Finale, in dem die Führung häufig wechselte, dieses Mal hatten wir in der zweiten Halbzeit etwas mehr Ruhe drin.“ Rund 500 Zuschauer sahen einen verdienten Erfolg der Kobra Ladies, die damit alleiniger Rekordmeister sind. Zuvor mussten sie sich diese Ehre mit den inzwischen aufgelösten Berlin Adler Girls teilen. Das Maß aller Dinge sind die Kobra Ladies indes schon länger. 2005 unter dem Dach des Pro Sport Berlin 24 e. V. ins Leben gerufen, erreichten sie ab 2006 in jedem Jahr das Finale um die deutsche Meisterschaft, den Ladiesbowl – und verloren nur zwei von 13 Endspielen.

Eine Selbstverständlichkeit war der elfte Titel trotzdem nicht. Einerseits, „weil München ein Traditionsverein ist und viele erfahrene Spielerinnen hat“, wie Barthel sagt. Und andererseits natürlich wegen der Reisestrapazen. Die mussten die Kobra Ladies auch auf dem Rückweg noch einmal in Kauf nehmen. Denn nach Spielende ging’s ziemlich direkt wieder in den Bus, um 4 Uhr war man wieder in Berlin. „Ein paar Spielerinnen mussten ja um 6 aufstehen und zur Arbeit gehen“, erklärt Barthel.

Hoch mit dem Pokal. Die Blauen feiern, die Gelben applaudieren artig.
Hoch mit dem Pokal. Die Blauen feiern, die Gelben applaudieren artig.

Viel Zeit zum Feiern blieb da nicht, den Titel ordnet Barthel aber auch so sehr hoch ein. „Klar, eine Handvoll Spielerinnen hat alle Titel mitgemacht. Aber wir haben jedes Jahr auch viele Rookies drin.“ Rookies, so nennen sie im Football die Anfänger, von denen die Kobra Ladies gleich 17 in den knapp 40 Frau starken Kader integrierten. „Die Jüngeren waren die ganze Woche schon aufgeregt, ein Finale hat eben andere Gesetze“, sagt Barthel. In der Nordliga hatten sich die Berliner gegen die Hamburg Amazons und die Kiel Baltic Hurricane Ladies in Hin- und Rückspiel sehr souverän, weil immer siegreich, durchgesetzt, auch das Halbfinale gegen die Cologne Falconets endete mit einem 27:14-Sieg wie gewünscht. „Wir haben die Neuen gut eingearbeitet“, sagt Barthel zufrieden. Die 32-Jährige spielte bis vor zwei Jahren noch selbst mit. „Football ist eine Lebenseinstellung“, sagt sie. Jede – ob klein, schmal oder kräftig – könne mitmachen, „für jede Körperstatur findet sich eine Position“.

Barthel selbst fand mit 18 Jahren zur „Randsportart unter den Randsportarten“ und ist ihr treu geblieben – trotz teils hoher Kosten. Mit dem deutschen Team nahm sie 2010 bei der EM teil und opferte dafür 800 Euro und einige Urlaubstage. Inzwischen will sie jungen Frauen den Spaß am Sport vermitteln, das nächste Mal am 1. November. Dann findet in Wilmersdorf, wo das Team beheimatet ist, ein Schnuppertraining statt. Zur Begrüßung könnte es heißen: Willkommen beim alleinigen Rekordmeister.

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