Football-Spieler Max Zimmermann : Ein Berliner Lehrer bei den Melonenköpfen

Der Berliner Footballspieler Max Zimmermann darf sich in der kanadischen Profiliga beweisen. Dafür kündigte er seinen Lehrerjob.

Tobias Gutsche
Max Zimmermann lebt seinen Traum in Kanada.
Max Zimmermann lebt seinen Traum in Kanada.Foto: Potsdam Royals

Max Zimmermann kannte Wassermelonen bislang nur als erfrischenden Snack. Doch in seinem neuen Zuhause – Regina, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Saskatchewan – sieht er sie nun auch als modisches Accessoire. Denn der Footballspieler läuft nun für die Saskatchewan Roughriders in der Canadian Football League (CFL) auf. Das Team ist bekannt für seine frenetischen Fans, die sich bei Spielen ausgehöhlte Melonenhälften in Form eines Helmes auf den Kopf setzen. „Melonheads“ werden sie daher genannt, Melonenköpfe. Eine lange Tradition. Wo deren Ursprung liegt, ist nicht sicher geklärt. Es werde einfach gemacht, heißt es schlicht in zahlreichen Artikeln über die Fans.

Diesen außergewöhnlichen Kult erlebt Zimmermann nun hautnah – am vergangenen Freitag begann für ihn und sein Team die neue Saison, allerdings mit einer 17:23-Niederlage bei den Hamilton Tiger Cats. Auf der Position des Wide Receivers ist es gemeinhin sein Job, den Ball nach einem Pass zu fangen, doch mit seiner Profi-Anstellung bei den Roughriders ist ihm selbst ein großer Wurf gelungen. Die CFL gilt als zweitbeste Football-Liga der Welt, als Schaufenster für die schillernde US-amerikanische NFL. „Es ist großartig, hier dabei sein zu dürfen“, sagt der 25-Jährige, der zuletzt in Berlin lebte und in der German Football League (GFL) für die Potsdam Royals auflief.

Grundstein für die große sportliche Football-Chance im Land des Eishockeys war eine Anfang dieses Jahres geschlossene Kooperation zwischen der CFL und GFL, die im internationalen Maßstab Europas beste Spielklasse ist und weltweit an dritter Stelle eingeordnet werden kann. Die Zusammenarbeit beinhaltete unter anderem, dass GFL-Spieler auf Vorschlag der Klubs und anschließender verbandsinterner Auswahl in Kanada vorspielen durften. Zimmermann überzeugte dabei mit seiner physischen und psychischen Stärke bei den Athletiktests und Gesprächen. Im Draft, der jährlichen Talentewahl, entschlossen sich die Roughriders, ihn bei sich aufzunehmen. Nach der Trainingscamp-Phase schaffte er es auch in den finalen Saisonkader.

Zimmermann lebt jetzt seinen Traum vom Dasein als Football-Profi. Zimmermann kündigte dafür seinen Vollzeitjob als Lehrer für Sport und Wirtschaft-Arbeit-Technik an der Hohen Neuendorfer Schule, an der er selbst das Abitur abgelegt hatte. Nach rund einem Monat bei den Roughriders in Regina ist der 1,80 Meter große und 87 Kilogramm schwere Modellathlet völlig überwältigt von den Eindrücken. „Es ist einfach Wahnsinn, wie viel Organisation und Engagement in so eine Mannschaft gesteckt wird – vom Equipmentmanager bis zum Headcoach“, erzählt er. „Man kann sich einfach voll und ganz auf Football konzentrieren.“

Das hat Max Zimmermann auch zwingend nötig, um richtig Fuß zu fassen. Hoch sei das Anforderungsniveau, zudem müsse er sich an andere Regeln gewöhnen. Denn in Kanada ist zum Beispiel das Spielfeld zehn Yards länger und zwölf Yards breiter als in Deutschland sowie den USA. Die Endzonen sind mit 20 Yards doppelt so lang. Auch stehen einer Mannschaft immer nur drei statt vier Versuche, sogenannte Downs, zur Verfügung, um mindestens zehn Yards für das Erkämpfen eines neuen ersten Downs voranzukommen. „Das verändert unglaublich viele grundlegende Prinzipien in der Spielweise“, erklärt er. Entsprechend komplex und vielfältig ist die Offensivtaktik auch. „Das kostet mich einige Stunden Lernzeit“, erzählt Zimmermann. „Aber ich träume von dieser Gelegenheit, schon seit ich damit angefangen habe, Football zu spielen.“

Vom Fußball zum Football

Das war 2012. Sein jüngerer Bruder Paul hatte sich bereits ein halbes Jahr zuvor entschlossen, vom Judo zum Football zu wechseln. Max Zimmermann wechselte vom Fußball zum Football. Über Internetvideos wurden die Brüder vom Football-Virus angesteckt. „Die viele Arbeit, die man reinstecken muss, um dann in vielleicht nur einem Moment das Richtige zu tun, reizt mich“, sagt Max Zimmermann. Es sei die Jagd nach dem „perfekten Play“.

Bei den Berlin Adlern lernten die beiden das Football-Abc und reiften zu deutschen Nationalspielern. 2018 wechselten sie zu den Potsdam Royals. In elf Spielen erzielte Max Zimmermann vorige Saison zehn Touchdowns. Während Paul Zimmermann derzeit noch Ersatz-Quarterback in Potsdam ist, hat Max Zimmermann mit den Roughriders hohe Ziele. Das Team wolle die Meistertrophäe nach Regina holen, sagt er entschlossen trotz der Auftaktniederlage und hofft auf eine gute eigene Entwicklung: „Ich möchte so viel wie möglich beitragen.“ Zimmermann wird versuchen, den Roughriders-Fans mit guten Aktionen die Melonenköpfe zu verdrehen.

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