Formel 1 : Fernando Alonso: Neben der Spur

Weil Fernando Alonso in der Formel 1 meist nur hinterherfährt, sucht er den Erfolg in anderen Rennserien.

Fernando Alonso hat seit 2013 kein Rennen in der Formel 1 mehr gewonnen.
Fernando Alonso hat seit 2013 kein Rennen in der Formel 1 mehr gewonnen.Foto: REUTERS

Genau fünf Jahre ist es her, seit Fernando Alonso zum letzten Mal einen Grand Prix gewonnen hat – noch mit Ferrari, es war sein Heimrennen in Barcelona. Der Grund für diese Durststrecke schien in den vergangenen drei Jahren klar zu sein: Honda, der Motorenpartner von McLaren. Doch jetzt hat sein Team, vor allem auf Betreiben Alonsos, den Antrieb gewechselt und ist auf Renault umgestiegen. Aber trotzdem läuft es noch nicht richtig. McLaren hinkt den anderen Renault-Teams, vor allem Red Bull, aber auch dem Werksteam, in Sachen Geschwindigkeit teils deutlich hinterher.

Auch wenn nun vor dem Großen Preis von Barcelona am Sonntag (15 Uhr/RTL) ein Aerodynamik-Update Besserung bringen soll: Die Hoffnung des Spaniers, in dieser Saison mit den Großen mitzuhalten, dürfte sich nicht so schnell erfüllen. Zwei Monate, meint er, müsse man dem Team schon noch geben. Außerdem macht Alonso etwas verschlüsselte Andeutungen, erst dann über seine weitere Zukunft in der Formel 1 nachzudenken. Was natürlich die Gerüchte über einen möglichen Rückzug anheizt – sollte keine Besserung eintreten.

Schließlich hat Alonso ein zweites Standbein: die Langstrecken-WM WEC, die er mit Toyota bestreitet. Deshalb werden die nächsten Wochen und Monate für ihn auch ziemlich stressig: „Der Grand Prix von Spanien markiert den Start eines harten Programms – für McLaren und auch für mich mit meinen anderen Einsätzen außerhalb der Formel 1.“ Mit dem Anschluss an die Spitze der Formel 1 rechnet der 36-Jährige aber eben nicht sofort - dafür ist er nun doch realistisch genug: „Ich weiß, dass wir einige neue Teile in Arbeit haben, aber wir wissen auch, dass es keine Wunderwaffe gibt, mit der wir über Nacht an die Spitze des Feldes rücken werden.“

Seine Zukunft in der Formel 1 lässt Alonso offen

Will er Siege, dann muss er sich die derzeit außerhalb der Formel 1 holen. Im Vorjahr versuchte er es bei den Indy 500, ohne Erfolg. Diesmal soll es unbedingt im Juni beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans klappen. Sein Testrennen dafür, den Auftakt der Langstrecken-WM im belgischen Spa, hat er am vergangenen Wochenende gewonnen. Es war sein erster Sieg überhaupt seit fünf Jahren. „Es war so schön, dieses Gefühl auf dem Podium wieder zu erleben. Ich werde hier wohl übernachten. Weckt mich morgen früh. Ich werde versuchen, hier zu schlafen“, sagte er in Belgien.

Da nimmt er es eben auch ganz gern mit, dass man ihm in der WEC und beim Toyota-Team mehr als nur den roten Teppich ausrollt. Weil man sich eben von einem Sieger Alonso mehr Schlagzeilen für die an mangelnder Aufmerksamkeit leidende Serie verspricht. Dazu passt auch, dass die WEC schon im Vorfeld durch eine kurzfristige Reglement-Änderung den Toyotas einen deutlichen Vorsprung gegen den nicht mit Hybrid-Technologie antretenden Privat-Konkurrenten verschafft hat. Schließlich soll der Toyota- und Alonso-Sieg vor allem in Le Mans auf keinen Fall in Gefahr geraten. Die Japaner, als einziger Hersteller in der Topklasse verblieben, müssen ja bei Laune gehalten werden.

Bei Toyota sind sie über Alonso auf jeden Fall sehr angetan. Alexander Wurz, WEC-Toyota-Werkspilot und dort meist als Berater tätig, lobt: „Mit seiner Rennerfahrung und seinem Alter würde man eher erwarten, dass er in mancher Vorbereitung einen einfacheren Weg versucht. Doch dem war überhaupt nicht so“, sagt Wurz. „Fernando war total wiss- und lernbegierig, ging jedes Detail durch, fragte nach. Er ist ein Tüftler. Das beeindruckte alle.“ Auch wenn er zumindest noch nicht der Schnellste der Toyota-Fahrer ist.

Aber das ist auch eine Frage der Erfahrung im Auto. Und da haben ihm die anderen dortigen Werkspiloten, Sébastien Buémi, Kazuki Nakajima oder Mike Conway noch einige Jahre voraus. Aber die kennt außerhalb der engeren Rennsportwelt kaum jemand. Weswegen sich eben alles auf Alonso fixiert. Was dem Spanier, dem eine gewisse Eitelkeit nicht fremd ist, sicher auch schmeichelt. Und gerade deshalb ist Alonso diese Alternative zur für ihn so erfolglosen Formel 1 sicher zusätzlich sympathisch.

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