Formel 1 : Ferraris Taktik schadet Sebastian Vettel

Den Europa-Auftakt in Barcelona dominieren die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas, während Vettels Team eine falsche Entscheidung trifft.

Silber schlägt Rot. Die Mercedes-Piloten Hamilton (M.) und Bottas stachen Vettel und Ferrari klar aus.
Silber schlägt Rot. Die Mercedes-Piloten Hamilton (M.) und Bottas stachen Vettel und Ferrari klar aus.Foto: Albert Gea/Reuters

Eine furiose Machtdemonstration von Lewis Hamilton und ein Taktik-Irrtum bei Ferrari haben Sebastian Vettels WM-Hoffnungen einen gehörigen Dämpfer versetzt. Beim Europa-Auftakt der Formel 1 verpasste der Deutsche am Sonntag in Barcelona als Vierter wegen einer falschen Reifenstrategie das Podium und liegt in der Gesamtwertung nun schon 17 Punkte hinter Spanien-Sieger Hamilton zurück. „Das ist nicht alarmierend. Das war nur ein Wochenende“, sagte Vettel trotz der erneuten Enttäuschung betont gelassen

Der Finne Valtteri Bottas machte als Zweiter den Mercedes-Doppelerfolg perfekt. Dritter wurde der niederländische Red-Bull-Fahrer Max Verstappen, der trotz eines kaputten Frontflügels Vettel bis zum Schluss hinter sich hielt.

Vettel hatte von Beginn an keine Chance gegen den wiedererstarkten Hamilton, auch wenn der 30 Jahre alte Hesse zwischenzeitlich auf Rang zwei gelegen hatte. Ein zusätzlicher Boxenstopp, der wohl überflüssig war und zu lange dauerte, nahm dem Scuderia-Piloten dann sogar das vermeintlich sichere Podium.

Titelverteidiger Hamilton feierte seinen zweiten Sieg nacheinander und den 64. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere insgesamt. „Das Auto und ich waren heute eine Einheit, das hatte ich in dieser Saison bisher noch nicht“, schwärmte der 33 Jahre alte Brite.

Rechtzeitig vor dem Klassiker in Monte Carlo in zwei Wochen scheinen die Silberpfeile zudem im Kräftemessen mit Ferrari wieder die Oberhand zu haben, auch das dürfte Vettel nach einem verkorksten Tag zu denken geben. Daimler-Chef Dieter Zetsche indes lächelte in der Mercedes-Garage überaus zufrieden. „Wir werden jetzt weiter Druck machen“, versprach Hamilton.

Dabei hatte Vettel nach der ernüchternden Qualifikation, als er sich beiden Mercedes-Piloten geschlagen geben musste, einen guten Start ins Rennen erwischt. Clever zog der Heppenheimer aus dem Windschatten an Bottas vorbei und setzte sich hinter Hamilton auf Platz zwei.

Auch Kimi Räikönnen hat Pech

Im Mittelfeld krachte es indes gewaltig. Romain Grosjean verlor die Kontrolle über seinen Haas und räumte Nico Hülkenberg im Renault von der Strecke. „Das ist extrem bitter und enttäuschend, ein Rennen unverschuldet in der ersten Runde so zu beenden“, klagte Hülkenberg und empfahl dem Franzosen Grosjean Fahr-Nachhilfe. „Ich weiß nicht, wie oft er sich jedes Wochenende dreht. Er muss an sich arbeiten“, sagte der 30 Jahre alte Emmericher.

Auch Toro-Rosso-Fahrer Pierre Gasly wurde in den Unfall verwickelt und musste aufgeben. Prompt musste das Safatey-Car ausrücken, damit die Streckenposten die Trümmerteile einsammeln konnten.

Nach sechs Runden gab die Rennleitung die Strecke wieder frei, Hamilton zog umgehend auf und davon. Vettel konnte dem Tempo des Spitzenreiters nicht folgen und sich auch von Bottas nicht entscheidend absetzen. Schon in der 18. Runde kam Vettel zum ersten Reifenwechsel. Bottas folgte eine Runde später und reihte sich direkt hinter dem Deutschen wieder ein, der zuvor nur mit einem starken Überholmanöver gegen Haas-Pilot Kevin Magnussen seinen knappen Vorsprung vor dem finnischen Silberpfeil-Fahrer gesichert hatte.

Beendet war das Rennen kurz darauf für Vettels Teamkollegen Kimi Räikkönen. Gerade hatte der Kommandostand dem Finnen mitgeteilt, er solle noch ein paar Runden auf seinen alten Reifen durchhalten, als ihn ein technischer Defekt bremste. Als dann auch Esteban Ocon mit einem kaputten Force India ausrollte, verordnete die Rennleitung ein virtuelles Safety-Car.Alle Piloten wurden automatisch eingebremst.

Ferrari zockte, holte Vettel wieder für frische Reifen an die Garage, damit der viermalige Champion am Ende noch einmal attackieren konnte. Doch auch weil der Stopp zu lange dauerte, fiel Vettel hinter Bottas und Verstappen zurück. „Aus unserer Sicht war das zu diesem Zeitpunkt die bessere Strategie“, beteuerte Vettel. Aber wieder einmal hatte die Ferrari-Taktikabteilung die falsche Idee.

Auch wenn Verstappen sich bei einem Auffahrunfall den Frontflügel demolierte, hielt er seinen Vorsprung auf Vettel. Auf dem Kurs, auf dem das Überholen traditionell schwierig ist, kam Vettel bis zum Ende nicht mehr in Schlagdistanz. Für den Hessen war es zwei Wochen nach Platz vier in Aserbaidschan ein weiterer Rückschlag im Titelrennen. dpa

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