• Fragen an den 10. Bundesliga-Spieltag: Selbst im Triumph erregt Lucien Favre Mitleid

Fragen an den 10. Bundesliga-Spieltag : Selbst im Triumph erregt Lucien Favre Mitleid

Noch ist kein Bundesliga-Trainer entlassen worden. Nach dem zehnten Spieltag könnte es soweit sein. Wir haben da ein paar Fragen.

Autsch. Lucien Favre tat sich beim Jubeln weh.
Autsch. Lucien Favre tat sich beim Jubeln weh.Foto: Guido Kirchner/dpa

Wann fliegt der erste Trainer?

Neun Spieltage vorbei und noch kein Trainerwechsel in der Ersten Liga? Löblich. Gab es lange nicht mehr. Aber auch: laaaaaangweilig! Früher sind vom dritten Spieltag an all die Slomkas, Labbadias oder Neururers gefeuert und durch all die Slomkas, Labbadias oder Neururers ersetzt worden. Irgendwann galt diese Praxis in der breiten Öffentlichkeit als moralisch verwerflich, weshalb die Frist für erfolglose Trainer von den Klubs verlängert worden ist auf, sagen wir mal, zehn Spieltage! Dann gehen wir die Wackelkandidaten doch mal durch. Schließlich gibt es davon einige.

Wann fliegt Niko Kovac?

Vielleicht nach dem Spiel am Samstag bei seinem ehemaligen Klub Eintracht Frankfurt. Gefühlt steht der Mann seit seinem Amtsantritt auf der Kippe. Kovac ist ein ehrlicher und unprätentiöser Arbeiter und der FC Bayern ein Weltklub mit divenhaften Zügen. Das passt nicht zusammen. Was also her muss, ist ein Welttrainer mit divenhaften Zügen. Da fielen uns ein paar Namen ein: Louis van Gaal, José Mourinho und ganz bestimmt auch: Lothar Matthäus.

Und wann Lucien Favre?

Wohl noch nicht nach dem Spiel am Samstag gegen Wolfsburg. Der Schweizer macht einen derart zerbrechlichen Eindruck, dass man ihn streicheln und nicht feuern möchte. Erst am Mittwoch wieder: Da schießt Julian Brandt das 2:1 für den BVB im Pokal gegen Mönchengladbach und Favre fasst sich nach seinem Jubel mit schmerzverzerrtem Gesicht an den verletzten Oberschenkel. Favre schafft es, selbst im Triumph Mitleid zu erregen. Man fragt sich, wie er es überhaupt in diesem Haifischbecken Profifußball aushält. Sein feinsinniger Geist scheint auch nicht konform mit den offensiv formulierten Ansprüchen der Dortmunder Klubführung zu sein. Eine Trennung scheint unausweichlich. Aber, mon Dieu, es fällt so schwer.

Wann Martin Schmidt?

Apropos moralisch verwerflich: Es gibt in vielen Wettbüros die Möglichkeit, darauf zu tippen, welcher Trainer als nächster entlassen wird. In der Bundesliga gilt derzeit (Stand: 31. Oktober) Martin Schmidt vom FC Augsburg als wahrscheinlichster Kandidat. So kann es also auch gehen; Schmidt trainiert keinen divenhaften Weltklub wie Kovac und Schmidt gilt im Gegensatz zu seinem Landsmann Favre als eher kerniger Typ. Hilft aber alles nichts, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Am Sonntag gegen Schalke muss Schmidt liefern, wie es im Fußballersprech heißt. Sonst – ebenfalls Fußballersprech – hat er wohl fertig.

Kehren neue Besen besser?

Die Frage ist so alt wie die Sportart. Es gibt zwei Ansätze: Ja, ein Trainerwechsel bringt etwas, weil (a) sich die Methoden und Ansprachen eines Trainers mit der Zeit abnutzen und (b) das Fußballspiel sich häufig schneller entwickelt als die Expertise des Trainers. Nein, ein Trainerwechsel bringt nichts, weil er (a) in der Regel das Bauernopfer für das Versagen der Klubführung ist und er (b) nun einmal die Truppe anleitet, an der schon sein Vorgänger gescheitert ist.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!