Frauenkonkurrenz bei den Australian Open : Öfter mal was Neues

Die 21-jährige US-Amerikanerin Sofia Kenin gewinnt die Australian Open – und setzt damit einen Trend im Frauentennis fort.

Wer hätte das gedacht? Sofia Kenin selbst wohl am allerwenigsten, aber ist sie offiziell Grand-Slam-Champion.
Wer hätte das gedacht? Sofia Kenin selbst wohl am allerwenigsten, aber ist sie offiziell Grand-Slam-Champion.Foto: dpa

Dafür, dass es die erste große Rede in ihrem Leben war, schlug sich Sofia Kenin sehr wacker. Die 21-jährige US-Amerikanerin hatte gerade das Endspiel der Australian Open 4:6, 6:2, 6:2 gegen Garbine Muguruza aus Spanien gewonnen und der Frauenkonkurrenz in Melbourne damit den passenden Schlusspunkt versetzt. „Wenn du einen Traum hast, dann lebe ihn“, sagte Kenin bei der Siegerehrung und wirkte dabei erstaunlich abgeklärt.

Zuvor hatte sich die Weltranglisten-15. mit Muguruza ein interessantes Endspiel geliefert. Obwohl ungesetzt, galt die zweifache Siegerin bei Grand-Slam-Turnieren Muguruza als Favoritin, doch im Frauentennis ist das inzwischen fast schon ein sicheres Indiz dafür, dass es am Ende eben nicht so ausgeht, wie erwartet. Kenin war vor den Australian Open elfmal bei einem der vier großen Tennisevents angetreten und hatte dabei insgesamt gerade einmal zwölf Matches gewonnen. Nur einmal schaffte sie es in die zweite Woche, das Achtelfinale in Paris 2019 war bisher ihr größter Erfolg.

Muguruza war zwischenzeitlich fast komplett in der Versenkung verschwunden

Muguruza wiederum war nach ihrem Wimbledon-Sieg 2017 mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden, in den Medien hieß es deshalb vor dem Finale, sie sei in Melbourne aus einem zweijährigen Koma erwacht. Kenin meinte nach dem Match wohlwollend in Richtung Muguruza: „Wir werden noch einige Finals gegeneinander bestreiten.“

Ob das wirklich so kommt, darf aber zumindest angezweifelt werden. Bei den vergangenen 16 Grand Slams gab es genau ein Frauenfinale mehrfach: Angelique Kerber schlug Serena Williams sowohl in Melbourne 2016 wie auch in Wimbledon 2018 im Endspiel. Ein Finale zwischen der Nummer eins und Nummer zwei der Setzliste gab es auch nur einmal. Das Duell zwischen Kenin und Muguruza war laut Womens Tennis Association (WTA) das erste in der Profi-Ära, in dem keine der beiden Finalteilnehmerinnen zu den Top Ten der Weltrangliste zählten.

Immerhin Kenin wird als Nummer sieben ab der kommenden Woche auch auf dem Papier zu den zehn besten Spielerinnen auf der Tour zählen, Muguruza kehrt zurück in die Top 20. Vielleicht wird es bis zu den French Open dann wieder ähnlich laufen wie im Vorjahr, als es Woche für Woche eine andere Siegerin bei den diversen WTA-Turnieren gab.

Kenin hatte zuvor bei elf Grand-Slam-Turnieren zusammen gerade zwölf Matches gewonnen

Die jüngere Vergangenheit hat zudem gezeigt, dass es von ganz oben auch schnell wieder nach unten geht. Muguruza ist dafür ein Beispiel, Jelena Ostapenko ein anderes. Die Lettin gewann als ungesetzte Spielerin 2017 die French Open, im Vorjahr war sie vorübergehend auf Position 83 in der Weltrangliste geführt. Auch Sloane Stephens, die 2017 bei den US Open siegte, ist inzwischen weit weg von alter Stärke.

Das ständige Auf und Ab kennt auch Angelique Kerber, die nach guten Jahren 2016 und 2018 deutliche schwächere Saisons 2017 und 2019 spielte. Auch für die Deutsche ist der Weg zurück an die Spitze also durchaus vorstellbar.<TH>Und das sich Konstanz auch nicht immer auszahlt, zeigt das Beispiel Serena Williams. Acht Grand-Slam-Finals hat sie seit 2016 erreicht – mit Abstand die meisten aller Spielerinnen auf der Frauentour. Gewonnen hat die US-Amerikanerin davon aber nur zwei, und zuletzt verpasste sie sogar viermal in Serie den Sieg. Williams wird auf eine neue Chance hoffen und darauf, dass sie die dann auch nutzt. So wie Sofia Kenin in Melbourne.

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