Füchse Berlin : Jung, dynamisch, ungeduldig

Gegen Melsungen zeigen die Füchse gute Ansätze, spielen aber nicht abgeklärt genug. Trainer Petkovic lobt sein Team dennoch in den höchsten Tönen.

Mit aller Gewalt. Jacob Tandrup Holm (M.) und die Füchse zeigen viel Einsatz - sind dabei aber nicht immer erfolgreich.
Mit aller Gewalt. Jacob Tandrup Holm (M.) und die Füchse zeigen viel Einsatz - sind dabei aber nicht immer erfolgreich.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Wenn Handballspiele sich ihrem Ende nähern, erreichen sie manchmal ungesunde emotionale Höhen. So war das auch am Donnerstagabend, als die Füchse Berlin den Gästen aus Melsungen 24:26 (11:15) unterlagen.

Zur Zielscheibe des Füchse-Anhangs mutierte Melsungens effektivster Mann, der achtfache Torschütze Tobias Reichmann, der nach dem Geschmack der Berliner Fans etwas zu aufreizend den Auswärtssieg feierte. Jedenfalls kam es kurz nach dem Spiel im Fuchsbau zu einem heißen Disput zwischen Reichmann und einigen Füchse-Anhängern. Eine Trommlerin schwang ihre Stöcke, schlug sie drohend aneinander und bedachte Reichmann mit etlichen nicht ganz jugendfreien Worten. Der Gescholtene keifte zurück, mit jeder Sekunde giftiger und grimmiger, die Lage drohte zu eskalieren – bis Fabian Wiede kam, einer der zehn verletzten Füchse-Spieler und Reichmanns Mitspieler im DHB-Team. Wiede umklammerte also seinen Nationalmannschaftskollegen und zerrte ihn fort, weg von den wütenden Füchse-Fans, hin zu den Umkleidekabinen.

Es war eine Szene, die ein bisschen symbolisch für das stand, was dem jungen Füchse-Team gegen Melsungen fehlte: ein kühler Kopf. Einer, der in hitzigen Momenten die Ruhe behält, der ordnet. So wie Wiede. Andererseits: Sie können eben nicht zaubern bei den Füchsen, sonst stünde ja ein anderes Team auf der Platte, ein erfahreneres. Als es eng wurde in der Schlussphase, hätte dieses Team die Aufholjagd gegen eine gute, aber eben nicht überragende Melsunger Mannschaft vielleicht mit dem Sieg gekrönt. Doch weil in den entscheidenden Momenten die Abgeklärtheit fehlte, die nötige Geduld für den richtigen Pass, blieben am Ende nur lobende Worte – sogar von Füchse-Trainer Velimir Petkovic, der nach eigener Aussage eigentlich nicht so gerne lobt. „Wir geben nicht auf und kämpfen um jeden Ball“, sagte Petkovic also. Phänomenal, sei dies, fantastisch gar, stolz sei er auf die Jungs.

An diesem Samstag (13.30 Uhr) werden die Füchse im Hinspiel der dritten Runde des EHF-Cups bei Aalborg AB antreten, sie wollen da wieder um jeden Ball kämpfen und nicht aufgeben. Und sollten sie es schaffen, ihrem Spiel etwas mehr Kühle zu verleihen, könnten die Füchse-Fans ihre Trommelstöcke wieder vor Freude statt Frust aneinanderschlagen.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!