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Fußball-Bundesliga : 1. FC Köln überrascht bei RB Leipzig

Der Tabellenletzte dreht das Spiel beim Vizemeister und schöpft neue Hoffnung im Abstiegskampf. Im Westduell siegt der FC Schalke 04 in Leverkusen.

Kopfarbeit. Simon Terrode (l.) und der 1. FC Köln tricksen die Spieler von RB Leipzig aus.
Kopfarbeit. Simon Terrode (l.) und der 1. FC Köln tricksen die Spieler von RB Leipzig aus.Foto: Soeren Stache/dpa

Der 1. FC Köln hat mit einem überraschenden Auswärtssieg bei RB Leipzig die kleine Hoffnung auf den Klassenverbleib genährt. Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga siegte 2:1 (0:1) beim Sechsten, zog nach Punkten mit dem Hamburger SV gleich und verkürzte den Rückstand auf den Relegationsplatz auf sieben Punkte. Vincent Koziello (70.) und Leonardo Bittencourt (77.) erzielten am Sonntag vor 31 793 Zuschauern im Leipziger Stadion die Tore für den FC. Jean-Kévin Augustin (5.) hatte die Sachsen in Führung gebracht. Die Champions-League-Hoffnungen von RB erlitten durch die Niederlage einen herben Dämpfer.

Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl hatte angekündigt, sein Team wolle „sofort aufs Tempo“ drücken. Und seine Spieler nahmen ihn beim Wort. Die Gastgeber ließen den Ball laufen, suchten die Lücke in der Kölner Defensive und fanden sie bereits in der fünften Minute. Bruma brachte den Ball von links in den Strafraum. Dort scheiterte Ademola Lookman mit seinem Versuch zunächst am Pfosten, doch Augustin hatte keine Mühe, den Abpraller ins leere Tor zu schieben.

Die Kölner brauchten einige Minuten, um den frühen Rückstand zu verarbeiten. Torjäger Simon Terodde, der seine Gehirnerschütterung vom 1:1 gegen Hannover 96 auskuriert hatte, scheiterte mit einem Kopfball an Péter Gulácsi im Leipziger Tor (9.). Dann war wieder RB dran: Augustin schoss aus leicht spitzem Winkel drüber (20.).

Leipzig dominiert erste Hälfte

Bei den Gastgebern saß Nationalspieler Timo Werner zunächst nur auf der Bank. Dafür feierte Emil Forsberg sein Startelf-Debüt in diesem Jahr. Er forderte die Bälle, hatte viele gute Ideen. Auch wenn nicht alles klappte: Der schwedische Spielmacher tat seiner Mannschaft sichtlich gut.

Genau wie Torschütze Augustin, der auch die nächste Leipziger Chance hatte, jedoch freistehend an Kölns Keeper Timo Horn scheiterte (29.). Spätestens nachdem Marcel Sabitzer (31.) und Forsberg (39.) weitere dicke Gelegenheiten der Gastgeber vergeben hatten, musste sich Leipzig mangelnde Chancenverwertung vorwerfen lassen. Fast hätte sich das noch vor der Pause gerächt, doch Jorge Meré stand bei seinem vermeintlichen Kopfballtor zum 1:1 im Abseits (45.).

Nach dem Seitenwechsel kam der FC besser ins Spiel. Die Gäste drängten Leipzig phasenweise weit zurück, konnten sich allerdings bis zur 67. Minute keine klaren Torchancen erspielen. Dann probierte es der eingewechselte Leonardo Bittencourt mit einem Schlenzer, verfehlte sein Ziel jedoch. Im Gegenzug scheiterte Augustin an Horn - die letzte Aktion des 20-Jährigen. Anschließend verließ er für Timo Werner den Platz (68.).

Der Stürmer war gerade auf dem Platz, da glich der FC aus. Winterneuzugang Koziello traf von der Strafraumgrenze in die Ecke. Und es kam noch besser für die Rheinländer: Der eingewechselte Bittencourt ließ die Gäste mit seinem Treffer zehn Minuten vor dem Ende erneut jubeln - und kurze Zeit später den Auswärtssieg feiern.

Schwache Leverkusener verlieren in Unterzahl

Königsblau träumt nach dem 2:0 (1:0)-Sieg bei Bayer Leverkusen wieder von der Königsklasse, während sich Bayers Kicker in einer Art Kältestarre befanden. Durch einen ganz schwachen, teils lethargischen Auftritt ermöglichten die Gastgeber den Schalkern im Kampf um den Einzug in die Champions League einen Big Point. Schalke 04 verdrängte durch den Erfolg im Westduell Leverkusen von einem der ersten vier Plätze. Durch den zweiten Sieg in Serie, den die Tore von Guido Burgstaller und Nabil Bentaleb sicherten, zog die Tedesco-Elf zumindest bis Montagabend mit Borussia Dortmund gleich.

Bayer entwickelt dagegen fast schon einen Heimkomplex. Nach einer Hinrunde ohne Heimniederlage verlor Leverkusen 2018 bereits dreimal im eigenen Stadion, zuletzt zweimal hintereinander. Wie schon in den Heimspielen gegen RB Leipzig (2:2) und Dortmund (1:1) schwächte sich Bayer durch einen Platzverweis gegen einen Spitzenklub früh selbst – diesmal sah Dominik Kohr wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot.
Überschattet wurde die Partie von einem Unglück auf den Zuschauerrängen: Zwei Schalke-Fans stürzten, einer verletzte sich dabei schwer und musste notärztlich versorgt werden.

Nationalspieler Jonathan Tah verlängert

Grund zur Freude hatten die Bayer-Anhänger am Sonntag nur vor dem Anpfiff. Über die Stadion-Leinwand gab der Verein die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Jonathan Tah bekannt. Der am Sonntag wegen einer Grippe fehlende Innenverteidiger stand ohnehin schon bis 2020 unter Vertrag, nun band er sich bis 2023. „Ich will natürlich Titel gewinnen, deshalb habe ich den Vertrag unterschrieben“, sagte der 22-jährige Tah in einer Videobotschaft.
Doch spätestens zehn Minuten nach dem Anpfiff hatten die Bayer-Fans keine gute Laune mehr. Nach einem weiten Diagonalball von Daniel Caligiuri stand Thanos Retsos als letzter Mann alleine gegen Burgstaller. Retsos ließ sich düpieren und Schalkes Stürmer, der schon beim 4:1 im Vorjahr zweimal in Leverkusen getroffen hatte, vollendete eiskalt.

Bayer spielte ungewohnt unstrukturiert und fand so gegen die geschickt gestaffelten Gäste wenig Lücken. Die erste Gelegenheit besaß Leon Bailey, der nach 20 Minuten aber verzog. Nach Kohrs Platzverweis scheute Schalkes Trainer Domenico Tedesco das Risiko und nahm die bereits verwarnten Offensivkräfte Max Meyer und Burgstaller kurz nach der Pause aus dem Spiel. Schalke hatte trotzdem weiterhin alles im Griff, spielte aber auch nicht mit Vehemenz auf das zweite Tor. Erst Bentalebs später Elfmeter brachte die Entscheidung. (dpa)

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