Fußball-Bundesliga : Kuriose Szenen in Mainz: "Trainer, es gibt Elfmeter!"

Regelkonform, aber merkwürdig: Beim Spiel des FSV Mainz gegen den SC Freiburg kommt es zu einem Novum in der Bundesliga-Geschichte.

Marc-Oliver Kempf (Nummer 20) springt der Ball im eigenen Strafraum an die Hand.
Marc-Oliver Kempf (Nummer 20) springt der Ball im eigenen Strafraum an die Hand.Foto: Reuters

Sandro Schwarz war bereits in der Kabine. Schließlich war zur Halbzeit gepfiffen worden. Der Trainer des FSV Mainz 05 sichtete Videomaterial, suchte nach Sequenzen aus der ersten Hälfte, die er seinen Spielern zeigen wollte. Bis der Mainzer Mannschaftsarzt hereinkam und unverhofft mitteilte: „Trainer, es gibt Elfmeter.“

Also ist Schwarz raus. Auch die Spieler des SC Freiburg mussten aus der Kabine zurückkommen. Dort erlebten alle, wie Pablo de Blasis mitten in der Halbzeitpause eine höchst kuriose Geschichte zu Ende brachte – mit einem Elfmetertor für Mainz zum 1:0. Am Ende gewann der FSV durch ein weiteres Tor von de Blasis 2:0.
Die Vorgeschichte zum Elfmeter geht so: Sekunden vor der Halbzeit hatte Freiburgs Marc-Oliver Kempf den Ball im Strafraum an die Hand bekommen. Schiedsrichter Guido Winkmann ließ weiterspielen und pfiff ein paar Sekunden später zur Pause. So endeten 45 ziemlich dröge Minuten zunächst sehr unspektakulär.

Dann bekam Winkmann ein Zeichen von Videoassistentin Bibiana Steinhaus. Er schaute am Bildschirm auf die Szene und entschied sich um. Elfmeter. Unterdessen waren viele Zuschauer schon auf dem Weg zu Bratwurst und Bier. Kein Spieler stand mehr auf dem Rasen. Einige Mainzer warteten jedoch zumindest noch an der Seitenlinie.
Der Videobeweis hat der Fußball-Bundesliga in der kurzen Zeit seines Bestehens schon manch aberwitzige Situation beschert. Minutenlange Spielunterbrechungen und zurückgenommene Tore mal gar nicht genannt. Frankfurts Marius Wolf sah im Dezember gegen den FC Bayern die Rote Karte, war schon in den Katakomben. Und bekam dort mitgeteilt, dass er doch noch mitmachen dürfe. Aber was sich am Montagabend in Mainz ereignete, toppte alles.

"Auch regeltechnisch in Ordnung"

Falsch war die Entscheidung nicht, wie die Schiedsrichterkommission des Deutschen Fußball-Bundes nach der Begegnung mitteilte: „Der Halbzeitpfiff unterbricht das Spiel wie jeder andere Pfiff des Schiedsrichters auch. Daher ist es auch regeltechnisch in Ordnung, hier dann den Strafstoß zu geben. Erst wenn ein Spiel wieder fortgesetzt wäre, könnte der Strafstoß nicht mehr gegeben werden.“

Also regelkonform – aber merkwürdig. Das merkte auch Winkmann an: „Natürlich ist das ungewöhnlich, das hat es wohl noch nie gegeben. Wenn ich der betroffene Verein bin, wäre ich natürlich auch nicht davon begeistert. Aber es gibt in der heutigen Zeit eben den Videoschiedsrichter, der auch diesmal wieder zu Gerechtigkeit geführt hat, weil ich im Spiel keine Chance hatte, dieses Handspiel zu erkennen.“

Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier sprach diplomatisch: „Es wird immer kurioser. Aber es ist schon regelkonform.“ Trainer Christian Streich, aus dem es öfter herausbrodelt, wählte die Variante Selbstschutz: „Ich sage nichts mehr dazu.“ Dafür polterte Abwehrspieler Manuel Gulde: „Das kann man am letzten Spieltag machen, wenn es nur noch um die Goldene Ananas geht. Da können sie den Videobeweis ausprobieren. Aber bei solch einem Spiel – unglaublich, dass man da so eine Entscheidung trifft.“

Dieser Fakt ging rund um das Elfmeter-Kuriosum ein bisschen unter: Es war für beide Mannschaften ein extrem wichtiges Spiel, Existenzkampf pur. Mainz zog durch den Sieg an Freiburg vorbei auf Rang 15. „Wir haben nicht das Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Man kann jetzt nicht sagen, dass wir nichts mehr mit dem direkten Abstieg zu tun haben“, wehrte sich FSV-Trainer Schwarz trotz acht Punkten Vorsprung auf Platz 17 gegen jegliche Euphorie. So endete dieser denkwürdige Abend doch noch ziemlich normal. (Tsp/dpa)

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