Fußball : Gewalt im spanischen Pokal

Das Pokalspiel zwischen Betis Sevilla und dem FC Sevilla ist am Mittwoch nach etwa einer Stunde abgebrochen worden. FC-Trainer Ramos war von einer Plastikflasche am Kopf getroffen worden und verlor das Bewusstsein.

Madrid - Juande Ramos war gerade aufgesprungen, um den Führungstreffer seiner Mannschaft durch Frederik Kanouté zu feiern. Plötzlich fasste sich der Trainer des spanischen Erstligisten FC Sevilla mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Kopf, geriet ins Taumeln und ging dann bewusstlos auf dem Spielfeld zu Boden: In der 57. Minute des Viertelfinal-Rückspiels im brisanten Pokalderby beim Lokalrivalen Betis Sevilla war der 52-Jährige von einer mit Wasser und Eis gefüllten Plastikflasche im Nacken getroffen worden, die jemand aus dem Publikum auf den Rasen geschleudert hatte. Das Spiel wurde daraufhin beim Stand von 1:0 für die Gäste abgebrochen.

Ramos erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde mit einer Trage aus dem Stadion gebracht. Doch damit nicht genug: Radikale Betis-Anhänger bewarfen den Krankenwagen, mit dem er in eine Klinik gefahren wurde, mit Steinen. Am Donnerstag wurde der Coach entlassen und leitete sogar schon wieder das Training. "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", sagte er und zeigte sich zugleich versöhnlich: "Mit diesem Gewalttäter haben die echten Betis-Fans nichts zu tun."

Der mutmaßliche Flaschenwerfer konnte Stunden nach der Partie ermittelt werden. Er sei mit Hilfe der Überwachungskameras im Stadion identifiziert worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Noch habe die Polizei den Mann aber nicht festnehmen können. Augenzeugen erzählten, er sei augenscheinlich betrunken gewesen.

"Das ist kein Fußball mehr"

Die Presse schlug derweil Alarm. "Sie hätten Juande töten können!", stellte die Sportzeitung "Marca" erschüttert fest. In Spanien würden bereits Verhältnisse wie in Italien herrschen. "Das ist kein Fußball mehr", meinte auch das Konkurrenz-Blatt "As". Denn auch der Präsident des FC Sevilla, José María del Nido, war auf der Tribüne beschimpft und von einem Feuerzeug am Nasenbein verletzt worden. Die Spieler des Uefa-Cup-Siegers hatten ihre Umkleideräume wegen eines beißenden Gestanks zunächst gar nicht betreten können: Denn jemand hatte den Boden mit Natronlauge und Ammoniak "geputzt".

Allerdings sind beide Clubs an der "Schande von Sevilla" ("El País") nicht schuldlos. Die Führungen der zwei für ihre erbitterte Feindschaft bekannten Vereine hatten sich in den vergangenen Wochen heftigst attackiert und damit zur Eskalation in der südspanischen Metropole maßgeblich beigetragen. "Die Clubchefs Del Nido und Manuel Ruiz de Lopera müssten aus dem spanischen Fußball verbannt werden", forderte die Zeitung "El País", die beide als kindische Brandstifter bezeichnete. Die Disziplinarkommission des spanischen Verbandes muss nun entscheiden, ob die Partie zu Ende gespielt oder der FC Sevilla zum Sieger erklärt wird. Auch über eine Strafe muss beraten werden.

Schuster schreibt mit Getafe Geschichte

Grund zum Jubeln hatte dagegen Bernd Schuster, der mit dem FC Getafe erstmals in der Vereins-Geschichte in das Halbfinale des spanischen Pokals einzog. Der bescheidene Madrider Vorstadt-Club, der am Wochenende in der Liga auf Real Madrid trifft, verlor zwar bei CA Osasuna 0:1 (0:1), hatte das Hinspiel aber 3:0 für sich entschieden. "Schuster hat Geschichte geschrieben", lobte die Presse. "Wir müssen auf dem Boden bleiben", warnte der deutsche Trainer jedoch vor allzu hohen Erwartungen. Auch Deportivo La Coruña und der FC Barcelona erreichten die Runde der letzten Vier. (Von Jörg Vogelsänger, dpa)

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