Fußball in Griechenland : Spieler ohne Regeln

Paok Salonikis Vereinspräsident droht, den griechischen Fußball zu Fall zu bringen. In Thessaloniki bleibt er trotzdem ein Held. Ein Kommentar.

Paul Schwenn
Wie du mir, so ich dir: Paok-Präsident Ivan Savvidis und Premierminister Alexis Tsipras.
Wie du mir, so ich dir: Paok-Präsident Ivan Savvidis und Premierminister Alexis Tsipras.Foto: -/AFP

Der griechische Fußball steckt in einer schweren Krise. Als hätte die dortige Superliga mit Wettskandalen und leeren Stadien nicht schon genug Probleme, beförderte der Besitzer von Paok Saloniki Ivan Savvidis den griechischen Fußball ein Stück näher Richtung Abgrund. Nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung im Spitzenspiel gegen AEK Athen, stürmte Savvidis wutentbrannt das Spielfeld, seinen Revolver griffbereit im Gürtel steckend.

Der Spielabbruch hat nun schmerzhafte Folgen, für alle griechischen Klubs: Ministerpräsident Alexis Tsipras hat den Ligabetrieb bis auf Weiteres unterbrochen. Fifa und Uefa erwägen einen Fußball-Grexit, griechische Mannschaften könnten von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden. Paok droht der Zwangsabstieg.

Kurz vor der Krönung des Lebenswerks

Savvidis ist der perfekte Protagonist des zwielichtigen griechischen Fußballbetriebs. In Thessaloniki lieben sie ihn trotzdem. 2012 übernahm der schwerreiche Tabak-Unternehmer den Klub und hievte den klammen Traditionsverein mit massiven Investitionen an die Spitze der griechischen Liga. Ein Sieg gegen Spitzenreiter AEK Athen hätte Paok dem Titel sehr nah gebracht. Für Savvidis wäre es die Krönung seines Lebenswerks gewesen.

Als Sohn griechischer Eltern wuchs der 58-Jährige in der ehemaligen Sowjetunion auf, seine Muttersprache beherrscht Savvidis bis heute nicht. Vom Fabrikarbeiter rackerte er sich hoch bis zum Abgeordneten in der russischen Duma. Die Kontakte von Putins Parteifreund reichen aber über den Kreml hinaus. Beim Kauf des hochverschuldeten Vereins erließ ihm Tsipras Strafzinsen, nicht ganz ohne Hintergedanken. Die Medienhäuser, die zu Savvidis Imperium gehören, danken es dem Premier mit freundlicher Berichterstattung.

Der ausländische Investor gegen das Athener Establishment

Für viele Paok-Anhänger ist ihr Präsident ein Held, auch abseits des Platzes. Schließlich ist Savvidis ein wichtiger Arbeitgeber in Thessaloniki. Viele Fans vermuten, dass das Establishment in Athen die sportliche Konkurrenz durch einen ausländischen Investor loswerden will. Sie stehen hinter dem Besitzer ihres Vereins.

Was auf dem Rasen begann, könnte das Land in sozialer und geografischer Hinsicht spalten. Gegen Savvidis wurde inzwischen Haftbefehl erlassen, woraufhin er untergetaucht ist. Auf der Homepage des Vereins erklärte er, dass alles ein großes Missverständnis sei. Er wäre doch nur eingeschritten, um einen Gewaltausbruch zu verhindern.

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