Fußball-Weltmeisterschaft : Schweden steht im Viertelfinale

Schweden besiegt die Schweiz dank eines Treffers des viel kritisierten Emil Forsberg mit 1:0 und zieht ins WM-Viertelfinale ein. Für die Eidgenossen geht damit eine historische Serie weiter.

Die schwedischen Spieler jubeln nach dem Siegtreffer von Emil Forsberg.
Die schwedischen Spieler jubeln nach dem Siegtreffer von Emil Forsberg.Foto: AFP

Emil Forsberg formte seine Hände zu einem Herz und präsentierte es der schwedischen Fankurve. So viel Kitsch muss schon erlaubt sein, selbst bei den sonst so introvertierten, zurückhaltenden und höflichen Skandinaviern. Im konkreten Fall muss es sich tatsächlich wie eine Liebeserklärung für Emil Forsberg, 26, angefühlt haben. Der nach allgemeinem Dafürhalten einzige Spieler mit Starpotenzial in Schwedens kickender Landesauswahl ist bei dieser WM oft, scharf und vermutlich nicht ganz unberechtigt kritisiert worden. Forsberg sei noch nicht richtig angekommen im Turnier, hieß es, seine Klasse schien irgendwo zwischen Leipziger Wahlheimat und den Weiten Russlands auf der Strecke geblieben zu sein.

Am späten Dienstagnachmittag hat Forsberg nun bis auf Weiteres sämtliche Kritiker ruhiggestellt. Im vorletzten Achtelfinale der WM zwischen Schweden und der Schweiz ging die schlussendlich entscheidende Szene auf Forsbergs (Tore-)Konto, wenn auch unter fleißiger Mithilfe. Einer von sehr wenigen ansehnlichen Angriffen in einem weitestgehend von der Taktik geprägten K.o.-Spiel brachte Forsberg nach 66 Minuten im Schweizer Tor unter. Dummerweise hielt der Schweizer Manuel Akanji noch seinen Fuß in Forsbergs, nun ja, Schüsschen – und fälschte unhaltbar zum 1:0 für die Skandinavier ab, deren Geschichte bei dieser WM nun weitergeht. Die Schweizer mussten sich nach der denkbar knappen Niederlage damit abfinden, eine historische Chance vergeben zu haben: seit 1954, dem in Deutschland längst mystifizierten „Wunder von Bern“, haben die Eidgenossen kein WM-Viertelfinale mehr erreicht.

Die Schweden kopierten zunächst ihren mehr oder minder erfolgreichen Masterplan aus dem Vorrundenspiel gegen den künftigen Ex-Weltmeister Deutschland; sie verteidigten von Beginn an extrem hoch, liefen den Gegner früh an, gelegentlich widmeten sie ihre Attacken sogar Yann Sommer, dem Schweizer Nationaltorhüter in Diensten des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach.

Schwedische Verteidigungslinie steht

Eben jener Sommer konnte nach knapp zehn Minuten von Glück reden, dass Marcus Berg die Torjägerqualitäten unter Beweis stellte, die man vom schwedischen Angreifer noch aus seinen Zeiten beim Hamburger SV kennt. Nach einer durchaus ansehnlichen ersten Kombination jagte Berg den Ball aus vielversprechender Position mindestens in den Oberrang. Auf der anderen Seite strich ein Kopfball des Schweizers Steven Zuber am Tor vorbei, ehe erneut Berg im Mittelpunkt stand: Der schwedische Stürmer zog aus halbrechter Position ab und visierte mit seinem Aufsetzer die lange Ecke an – und als Berg schon fast die Arme zum Jubel hochgerissen hatte, brachte Sommer noch seine Fingerspitzen an den Ball und lenkte diesen zur Ecke.

Mit zunehmender Spieldauer fanden dann auch die Schweizer immer mehr Mittel und Wege gegen die engmaschigen schwedischen Verteidigungslinien. Die beste Chance bot sich erneut Steven Zuber: Nach Vorlage von Blerim Dzemaili hämmerte er den Ball jedoch mit dem Vollspann über das Tor. Marcus Berg 2.0 sozusagen. Nach dem Seitenwechsel brachte Forsberg seine Farben in die Spur. Nach dem schwedischen Führungstor investierten die Schweizer endlich mehr im Spiel nach vorn. Allerdings erkämpften sie ihre Chancen auch weiterhin eher, als dass sie sie erspielten – eine leichte Beute für Schwedens Verteidigungsminister.

Als der Belagerungszustand seinen Höhepunkt erreichte, war auch der Arbeitstag für Emil Forsberg beendet. Leicht angeschlagen ging der Matchwinner vom Feld. Die letzten gut zehn Minuten verfolgte er von der Ersatzbank aus – und sah, abgesehen von einer Roten Karte gegen den Schweizer Michael Lang, keine nervenaufreibenden Szenen mehr. Der Verteidiger hatte einen Konter in der Nachspielzeit mit unlauteren Mitteln unterbunden. (Tsp)

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