Fußball-Weltmeisterschaft : Wenn Frauen für die Männer mitgewinnen

Die Frauen nehmen den Männern nichts weg mit ihren guten Quoten bei der WM, sie gewinnen nur noch mehr Aufmerksamkeit für den Fußball. Ein Kommentar

Angekommen auf der großen Bühne. 1Kopfball von Alexandra Popp beim Kopfball im Spiel gegen Südafrika.
Angekommen auf der großen Bühne. 1Kopfball von Alexandra Popp beim Kopfball im Spiel gegen Südafrika.Foto: Jan Huebner/Imago

So viel Fußball-Weltmeisterschaft war noch nie. Zumindest nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Das Turnier von Frankreich entwickelt medial eine große Kraft, das dritte Turnierspiel der deutschen Mannschaft gegen Südafrika sahen fast sechs Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in der Spitze. Wo soll das noch hinführen, wenn es dann nach dem Vorrundengeplänkel bei dem an sich gefühlt fast jede Mannschaft weiterkommt auch um etwas geht?

Der Fußball, weiblich, kommt also endlich ganz groß an im Lande. Was an sich auch nicht überraschen müsste, denn in unserer Gesellschaft wird Gleichberechtigung immer mehr gelebt. Trotzdem wurde jetzt in vielen Publikationen (auch beim Tagesspiegel) breitflächig aufgerechnet, dass am Montag mehr Menschen die Fußballerinnen verfolgt haben (ARD, 18 Uhr, eben jene fast 6 Millionen) als die jungen Fußballer bei der U21-EM beim 3:1-Erfolg gegen Dänemark (nur 4,92 Millionen Fernsehzuschauer, obwohl die ARD-Sendezeit mit 21 Uhr besser war)

Gut, es gibt sie noch die alten Herren, denen das in Frankreich jetzt zu schnell geht. Wie etwa dem Kolumnisten in der „Bild“, der „gleiches Preisgeld“ für „deutlich unterschiedliche physische Leistungen“ für nicht angebracht hält. Heißt, logo: Frauen sollen im Sport weniger verdienen. Weil sie sich weniger anstrengen, oder was? Nein, die Frauen haben natürlich mehr verdient als sie verdienen.

Ein Handball-Länderspiel der Frauen wird es niemals zur besten Sendezeit ins öffentlich-rechtliche Fernsehen schaffen

Allerdings betrifft das die Fußballerinnen nicht in erster Reihe. Wer sich nun tatsächlich beschweren könnte ob nicht vorhandener Gleichberechtigung wären die weiblichen Vertreter von einer Sportart wie dem Handball. Der wurde von Frauen schon auf hohem Niveau betrieben, als der Fußball davon noch weit entfernt war. Doch ein Handball-Länderspiel der Frauen wird es niemals zur besten Sendezeit ins öffentlich-rechtliche Fernsehen schaffen. Ende 2017 war sogar WM in Deutschland - wer hat davon etwas bemerkt? Es ist eben kein Fußball. Der interessiert ja inzwischen auch schon, wenn die jüngeren Männer auflaufen, aktuell bei der U21-EM. Es wird bestimmt aber bald auch so sein, dass die jungen Frauen mit ihren U-Teams auch öffentlich-rechtliche Beachtung finden. Auf den entsprechenden Sportsendern ist das ja schon der Fall.   

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Der Fußball gewinnt also immer weiter an Boden. Die Frauen nehmen den Männern nichts weg mit ihren guten Quoten, sie gewinnen nur noch mehr Aufmerksamkeit für diesen Sport.

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