Fußball-WM der Frauen in Frankreich : Eine echte Turnierfrauschaft

In der Vorrunde hat die deutsche Elf einige Schwächen offenbart. Trotzdem ist der WM-Titel allemal drin, weil die Richtung stimmt. Ein Kommentar.

Da geht's lang. Kapitänin Alexandra Popp weist den Weg, die Spitze ist das Ziel.
Da geht's lang. Kapitänin Alexandra Popp weist den Weg, die Spitze ist das Ziel.Foto: Pascal Guyot/AFP

Neun Punkte, sechs Tore, null Gegentore, Gruppensieger. Das ist die perfekte Bilanz der deutschen Fußballerinnen nach den ersten drei WM-Spielen in Frankreich. Makellos werden derlei Bilanzen auch genannt. Insofern gehen die Glückwünsche hinaus an die Bundestrainerin. Die heißt Martina Voss-Tecklenburg und weiß trotz der tollen Ergebnisse genau, dass ihr Team längst noch nicht am Limit spielt. In der Abwehr taten sich teils große Lücken auf, nicht selten begünstigt durch individuelle Schwächen. Im Aufbauspiel mangelte es häufig an mutigen, ballsicheren Spielerinnen, die auch in Gefahrenzonen vernünftige Lösungen finden. Und im Sturm bewies Kapitänin Alexandra Popp, dass sie vor allem gut nach hinten arbeiten kann.

Reicht das für den WM-Titel, den einige Spielerinnen als Ziel ausgegeben haben?

Die Antwort darauf muss vielleicht mit Popp beginnen. Ihr gelang beim 4:0 gegen Südafrika ihr erstes Turniertor, den Jubel zelebrierte sie mit den Ersatzspielerinnen. Das deutet auf zweierlei hin. Einmal, dass die Stürmerin sich genauso steigern kann wie das gesamte Team. Zweitens, dass ein gesunder Spirit herrscht. Der Zusammenhalt, den speziell Voss-Tecklenburg im Trainingslager in Grassau so intensiv thematisierte, scheint real. Die Breite stimmt, das zeigen die guten Leistungen der jungen Spielerinnen wie Klara Bühl, 18, die weit mehr als nur Ergänzungen sind. Erfolgsversprechend sahen gegen Südafrika auch Eckbälle und Freistöße aus, die im weiteren Turnierverlauf noch den Ausschlag zwischen Sieg und Ausscheiden geben könnten. Am Donnerstag entscheidet sich, welcher Gruppendritte im Achtelfinale wartet. Nigeria, Schottland, Argentinien und Brasilien stehen zur Auswahl, allesamt schlagbare Gegner.

Aus all diesen Dingen speisen die deutschen Fans berechtigte Hoffnungen. Der Weg zum WM-Pokal, auf dem das deutsche Team bis zum Finale praktischerweise nicht auf Topfavorit USA träfe, ist zwar immer noch weit. Es wirkt aber so, als könne Voss-Tecklenburgs Equipe bis dahin noch weiter reifen. Wie eine echte Turnierfrauschaft eben.

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