Fußball-WM in Russland : Deutschlands Gegner ist entspannt

Die schwedische Mannschaft geht gelassen ins Spiel gegen Deutschland. Anders als das Team um Löw verspürt es keinen Druck aus der Heimat.

Corinna Cerruti
Die schwedische Nationalmannschaft gibt sich betont gelassen.
Die schwedische Nationalmannschaft gibt sich betont gelassen.Foto: Lucy Nicholson/Reuters

Während die Deutschen um den Einzug ins Achtelfinale bangen, ziehen die Schweden mit drei Punkten relativ entspannt in das Match. Auch wenn der 1:0-Auftaktsieg von Blågult (Blau-Gelb) – so der Spitzname der schwedischen Nationalmannschaft – gegen Südkorea spielerisch alles andere als überzeugend und am Ende sogar glücklich war, herrscht in Schweden eine Art beseelte Gelassenheit. Denn die erste WM-Teilnahme seit 2006 hatte viele im Land überrascht. Die schwedischen Medien begnügen sich mit Spielanalysen und möglichen deutschen Taktiken und Aufstellungen, wenn auch kleine Provokationen nicht ausbleiben.

Zu unterschätzen sei „Die Mannschaft“ trotz des schwachen Auftaktspiels gegen Mexiko nicht, finden Jocke und Andreas aus Umeå im Norden des Landes. Sie glauben, dass Deutschland das Match für sich entscheiden wird. „Die schwedischen Spieler sind zu passiv und schaffen es nicht in den Strafraum.“ Henrik aus Ronneby, einer Kleinstadt im Süden, blickt gespannt auf die Partie: „Es macht immer mehr Spaß gegen einen Nachbarn zu spielen. Ähnlich wie wenn wir gegen Dänemark oder Finnland antreten.“

Beseelte Gelassenheit

Wie in Deutschland ist auch in schwedischen Städten WM-Stimmung zu spüren – wenn auch nicht ganz so intensiv. Auch hier sind Cafes und Bars mit extra Bildschirmen und Leinwänden ausgestattet, das ein oder andere Public Viewing gibt es ebenfalls. Richtig voll wird es dort aber nur, wenn die eigenen Spieler den Rasen betreten – dann erklingt auch hier der Schlachtruf „Heja Sverige!“.

An diesem Wochenende gibt es so oder so Grund zum Feiern: Am Donnerstag war Sommersonnenwende – die Mittsommernacht, Schwedens zweitwichtigster Feiertag nach Weihnachten. Wie überall in Skandinavien zelebrieren die Menschen das Leben und den Sommer bei fast 24 Stunden Tageslicht. Offizieller Feiertag ist immer der Samstag danach, aber die Party startet schon am Freitag. Bis in den frühen Samstagmorgen wird getanzt und getrunken, so dass viele den Spieltag wohl eher ruhig angehen werden, sagt Henrik schmunzelnd. „Genau richtig, um abends Fußball zu schauen!“ Übrigens: Bei ihrer letzten WM waren die Schweden im Achtelfinale in Berlin chancenlos, verloren 0:2 – gegen Deutschland. Na dann: Skål!

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