"Sie können mich einen Schwarzen nennen. Wir nennen Euch ja auch Weiße."

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Fußballer Gerald Asamoah : "Nicht alle Rassisten werfen Bananen"
Oliver Fritsch

Trifft Sie der alltägliche Rassismus als Prominenter nicht so hart oder ist es gar umgekehrt? Sie schreiben, dass sie im Jahr 2000, als Sie noch kein Nationalspieler waren, mit Ihrem Bruder aus einer Billardkneipe rausgeworfen wurden.

Da muss man unterscheiden: Als Fußballer, als Nationalspieler kam ich schon mal in eine Disko rein, wo andere Schwarze draußen bleiben mussten – oder ich früher auch. Das hab ich beispielsweise bei meinen Geschwistern, meiner Frau oder Freunden beobachtet. Dafür kann einen Fußballer in einem Stadion die geplante und organisierte Verachtung einer ganzen Gruppe treffen. Das tut sehr weh.

Welche subtilere Formen gibt es?

Einige, nicht alle Rassisten werfen Bananen. Man merkt die Einstellung mancher Leute daran, wie sie reden oder einen in der U-Bahn anblicken. Mein Freund Otto Addo hat mir oft erzählt, dass er als Einziger in der 1. Klasse der Bahn oder grundlos im Kaufhaus von Ladendetektiven kontrolliert wurde. Aber ich will nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Gegenüber Einzelnen habe ich mir Reaktionen abgewöhnt. Das trifft mich nur, wenn meine Frau oder Kinder dabei sind. Und in Fürth habe ich noch nichts Schlechtes erlebt.

Ein Einzelner beleidigte sie einmal auf dem Spielfeld: Roman Weidenfeller, der Sie Ihren Angaben zufolge "schwarzes Schwein" genannt haben soll. Er bestritt Ihre Version.

Und ich bleibe bei meiner. Ich würde jedoch nie sagen, dass Weidenfeller ein Rassist ist. Denn ich weiß, dass auf dem Platz schon mal etwas rausrutscht, gerade in einem Derby. Ich kann ihm nur sagen: Im Leben macht man Fehler, dazu sollte man stehen. Es traf mich damals zusätzlich, dass ich als Lügner dastand. Für mich ist das Kapitel abgehakt.

Über den Streit mit Kevin Großkreutz im Pokalspiel im Jahr 2012 schreiben Sie nichts.

Er wollte mich nach dem Siegtor der Dortmunder demütigen. Das gefiel mir nicht, aber damit konnte ich leben, denn Rivalität gehört zum Fußball.

Warum haben Sie geschwiegen? Großkreutz war dem Rassismusvorwurf ausgesetzt.

Was er damals sagte, habe ich schlicht nicht verstanden. Daher will ich mich nicht dazu äußern.

Haben Sie auch positive Diskriminierung erlebt, etwa Bevorzugung oder besondere Gunst?

Im Restaurant werde ich schon mal mit besonderer Aufmerksamkeit bedient. Das kann aber daran liegen, dass ich ein bekannter Fußballer bin.

In St. Pauli waren Sie Publikumsliebling, obwohl Sie noch gar nicht für den Verein spielten.

St. Pauli hat geile Fans. Mich haben die Sprechchöre stets sehr motiviert.

Sie erzählen auch eine Anekdote aus Ghana, als Sie mit der Nationalmannschaft trainierten. Darin beklagen Sie, dass die afrikanischen Spieler den Fußball zu locker nähmen.

Denen fehlte es an Disziplin, Ordnung und Ernst. Ich hab das auch erst in Deutschland gelernt, Pünktlichkeit zum Beispiel hat mir auch Mirko Slomka, mein Jugendtrainer, beigebracht. Ich musste oft Geldstrafen zahlen. Zurecht, denn wer zum Training zu spät, kommt auch bei der entscheidenden Flanke zu spät.

Gehen Sie in den neuen Tarantino, Django?

Hab ich von gehört, da rächt sich ein Schwarzer an weißen Sklavenhaltern. Muss ich mir anschauen.

Heißt es eigentlich Schwarzer?

Manche bevorzugen Farbiger. Aber Sie können mich einen Schwarzen nennen. Wir nennen Euch ja auch Weiße, obwohl Ihr nicht weiß seid.

Quelle: Zeit Online

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