Fußballfans gegen DFB und DFL : Der Protest kehrt ins Stadion zurück

Die organisierten Fans in Deutschland wollen nicht mehr mit DFB und DFL über ihre Anliegen diskutieren. Sie haben ohnehin bessere Optionen. Ein Kommentar.

Klare Botschaft. Auch Herthas Fans sind gegen Montagsspiele - was sie am Montagabend beim Pokalspiel in Braunschweig feurig kundtaten.
Klare Botschaft. Auch Herthas Fans sind gegen Montagsspiele - was sie am Montagabend beim Pokalspiel in Braunschweig feurig...Foto: Peter Steffen/dpa

Echte Fußballfans sind gegen vieles. Gegen Montagsspiele, gegen Investorenklubs, gegen Kollektivstrafen. Gegen die Kommerzialisierung ihres Lieblingssports sowieso.

Vor rund einem Jahr trat die organisierte Szene deshalb in einen Dialog mit denjenigen, die aus ihrer Sicht verantwortlich für den Zustand ihrer Sportart sind: DFB und DFL. Annäherung statt Konfrontation, lautete das Credo. Doch am Pokalwochenende schallte wieder „Fußball-Mafia DFB!“ durch die Fankurven – und am Dienstag kündigten die Fanvertreter den Dialog auf. Es dränge sich der Eindruck auf, „dass der Fußballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen.“

Konkret missfallen der organisierten Szene, dass nun auch in der Dritten Liga Montagsspiele stattfinden. Auch die Regionalliga-Reform („in einem Hauruckmanöver zu einem Glücksspiel umfunktioniert“) oder fehlende Transparenz in Sachen Sportgerichtsbarkeit, stoßen auf Verärgerung. Dass die Fans nun den Dialog abbrechen, sollte DFB und DFL zu denken geben. Offenbar läuft auch abseits der Nationalelf einiges schief.

Nur: Wenn sich die Fans so sehr um die Zukunft des Fußballs und ihre Belange sorgen, liegt es an ihnen, ihre Interessen bei den von ihnen gewählten Vereinsvertretern auch einzufordern. Beispielsweise besteht die DFL aus den 36 Vertretern der Ersten und Zweiten Liga. 32 dieser 36 Klubverantwortlichen sind der Vereinsbasis Rechenschaft schuldig – nur die Investorenklubs Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und RB Leipzig können autonom handeln. In 32 Fällen kann also die Basis mit einfachem Wahlrecht Kontrolle ausüben. Wer dieses Recht besitzt, sollte davon auch Gebrauch machen.

Mehr Demokratie wagen, der Satz von Willy Brandt, gilt auch für den deutschen Fußball und seine Fans.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!