• Geisterspiele trotz Coronavirus?: Der Profifußball muss in seinem Interesse handeln

Geisterspiele trotz Coronavirus? : Der Profifußball muss in seinem Interesse handeln

Warum nehmen sich die nimmersatten Bundesliga-Klubs so wichtig, fragen derzeit viele. Die einfache Antwort: Es ist ihr gutes Recht. Ein Kommentar.

Hier bin ich. Ob auch Geister das Coronavirus übertragen, ist abschließend noch nicht geklärt.
Hier bin ich. Ob auch Geister das Coronavirus übertragen, ist abschließend noch nicht geklärt.Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa

Der Ball muss wieder rollen, finden die einen. Völlig verantwortungslos und egoistisch, sagen die anderen. Der deutsche Profifußball, der sich gern als letzter Kitt einer auseinanderdriftenden Gesellschaft sieht, spaltet gerade. In Gestalt der Deutschen Fußball-Liga (DFL) plant er eifrig, wie sich ein Saisonabbruch vermeiden lässt.

Kurz gesagt: Der Profifußball denkt an Profifußball, notfalls ohne Zuschauer, mit umfangreichen Virentests und unter einer Sonderbehandlung für die Erste und Zweite Liga sondergleichen.

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Rein virologisch seien Geisterspiele möglich, hat der Virologe Alexander Kekulé im ZDF-Sportstudio gesagt, „aber nur, wenn man eine Art spezielle Blase für die Fußballspieler schafft“. Wenn sie speziell abgesichert würden und sich regelmäßig gegen das Virus testen dürften, solche Maßnahmen nannte Kekulé.

Aber darf das sein, so viel Egoismus? Darf die Branche Scheuklappen aufsetzen? Darf sie weiter galoppieren, während links und rechts von ihr vieles stillsteht – und das Coronavirus Menschenleben raubt? Darf sie uneingeschränkt und ansatzlos testen, wenn die Kapazitäten möglicherweise knapp werden?

Es sind, gesamtgesellschaftlich betrachtet, keine einfachen Fragen. Und doch kann sie der Profifußball als Unternehmer klar beantworten: Ja, natürlich muss er sich trotz (oder gerade wegen) der Coronavirus-Krise darum kümmern, wie es weitergeht, welche Möglichkeiten ihm offen stehen – wie der Ball endlich wieder rollen kann.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ist gerade "ein bisschen stolz".
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert ist gerade "ein bisschen stolz".Foto: Arne Dedert/dpa

Die DFL und ihr Geschäftsführer Christian Seifert, sie stehen in der Verantwortung, für eine Branche, die zuweilen zwar völlig abgehoben und weltfremd wirkt, aber ein Produkt erstellt, das in normalen Zeiten stark nachgefragt wird.

Wie jedes andere Unternehmen muss also auch die DFL für den Fortbestand der Produktion sorgen, unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis, das lotet sie gerade aus. Alles andere wäre naiv. Wie hoch der Preis ist, wenn es nicht weitergeht, das muss sie auch berechnen. Weil es die Mitglieder, jene 36 Profiklubs der Ersten und Zweiten Liga, von ihr erwarten.

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Was die Gesellschaft nun vom Profifußball erwartet, kann der DFL im Moment ziemlich egal sein. Ihr Geschäft heißt Fußball; dafür steht sie ein, für über 350 Millionen Euro TV-Gelder, die wegfallen würden, wenn der Ball in den Kabinen bleibt. Seifert und seine Mitstreiter handeln entsprechend, nicht im gesellschaftlichen Interesse, sondern im eigenen.

Wer das für moralisch verwerflich hält, sollte nach der Krise den TV-Fußball boykottieren. Auf dem örtlichen Sportplatz wird schließlich auch Fußball geboten – zu fairen Preisen und ehrlicher Arbeit.

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