Sport : Geschäft und Gericht

Friedhard Teuffel

Doping ist ein großes Geschäft, und deshalb muss man ihm einfach die Geschäftsgrundlage entziehen. Das haben sich auch die Direktoren der großen europäischen Leichtathletik-Meetings gedacht, als sie ihre neue Anti-Doping-Politik festgelegt haben. Wer als Betrüger auffliegt oder im handfesten Verdacht steht, darf nicht mehr starten und kann damit auch kein Geld mehr bei ihnen verdienen. In der Vergangenheit war es nämlich manchmal so: Einige Meeting-Direktoren luden verdächtige Sportler ein, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Die nahmen die Einladung gerne an, zumal sie wussten, dass es dort bisweilen mit den Kontrollen nicht so streng zuging wie bei einer Weltmeisterschaft.

Nun haben die Direktoren erkannt, dass Doping ihr eigenes Geschäft bald ganz zerstören könnte. Als Drohgebärde ist die Regelung sicher hilfreich, denn bei Olympia verdienen die Athleten zwar ihren Ruhm, bei den Meetings aber ihr Geld. Bleibt die Frage nach der Gerechtigkeit der neuen Linie. Ein Startverbot, also Berufsverbot, nach einem einmaligen Vergehen nimmt den Athleten schließlich die Chance auf eine Bewährung. Vor allem: Was ist mit den vielen ungeklärten Fällen, in denen es Indizien gibt, aber keine Beweise wie bei der Sprinterin Marion Jones? Die Meeting-Direktoren haben sich mit ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung einiges aufgebürdet: Sie werden von nun an selbst Strafrichter sein müssen und zu entscheiden haben, ob ein Verdacht ausreicht, um Athleten aus dem großen Geschäftsbetrieb auszuschließen.

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