Gewalt im Amateurfußball : Berliner Schiedsrichter fordern Veränderungen

Beim Berliner Verbandstag sollen Veränderungen beschlossen werden, die Schiedsrichter künftig besser schützen. Ideen gibt es viele.

Die Berliner Schiedsrichter hoffen auf ein deutliches Zeichen beim Verbandstag.
Die Berliner Schiedsrichter hoffen auf ein deutliches Zeichen beim Verbandstag.Foto: dpa

Geht es nach den Berliner Schiedsrichtern, stehen bald weitreichende Änderungen an. Durch ihren Streik vor drei Wochen haben sie bereits deutlich auf die Gewaltausbrüche gegen sie reagiert. Nun wollen sie sich auf dem Verbandstag am Samstag für bessere Rahmenbedingungen einsetzen, damit es nicht noch einmal zum Ausfall eines gesamten Spieltags in Berlin kommt.

„Ich erhoffe mir, dass ein klares Zeichen gesetzt wird, die Schiedsrichter zu schützen“, sagt Jörg Wehling, der Vorsitzende des BFV-Schiedsrichterausschusses. Bereits Anfang Oktober hatten er und seine Kollegen in einer Sondersitzung Forderungen erarbeitet. Diese sollen nun teilweise als Anträge auf dem Arbeitsverbandstag eingebracht werden.

Die Schiedsrichter fordern harte Konsequenzen

Einer dieser Anträge sieht vor, dass die Schiedsrichter bei jedem Spiel zwei Ordner zur Seite gestellt bekommen. Außerdem sollen diese Ordner sich 15 Minuten vor Spielbeginn beim Schiedsrichter vorgestellt haben müssen. Wehling weiß, dass „wir den Vereinen damit eine ganz schöne Last auflegen“. Doch gerade Vorfälle wie beim Spiel des BSV Al-Dersimspor im September, als der Schiedsrichter attackiert worden ist, machten Veränderungen, glaubt Wehling.

Per Dringlichkeitsantrag soll zudem darüber abgestimmt werden, ob es auch Strafen gegen Trainer und Betreuer geben soll – analog zum Strafenkatalog für Spieler. So soll nach der fünften Gelben Karte eine automatische Sperre von einem Spiel folgen, ebenso, wenn der Teamoffizielle neben der Gelben auch die Rote Karte sieht.

Bisher ist für Teamoffizielle bei einem Innenraumverweis jeglicher Art nur ein Ordnungsgeld von 30 Euro vorgesehen. Der Dringlichkeitsantrag wird deshalb nötig, da die Antragsfrist schon verstrichen war, als der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sich damit beschäftigte – und die Thematik so auch wichtig für den BFV wurde. Wenn beide Anträge mehrheitlich angenommen werden, würden sie ab der kommenden Saison umgesetzt werden.

Der BFV hat nun einen Masterplan

Wehling zufolge haben die Anträge hohe Priorität. Sollten sie abgelehnt werden, wäre es ein deutliches Zeichen, wie es um die Stellung der Schiedsrichter bestellt sei. „Solidarität mit den Schiedsrichtern ist von allen Seiten da. Nur, sobald Konsequenzen plötzlich einen selbst betreffen, ziehen bisher nicht alle mit“, betont Wehling.

Vom BFV heißt es, dass das „Echo auf die Spielpause überwiegend positiv“ gewesen sei. Um das Problem auch nachhaltig anzugehen, hat das Präsidium um Bernd Schultz am vergangenen Sonntag den Masterplan 2020 gegen Gewalt auf Berlins Sportplätzen beschlossen. Mit diesem könne er „sehr gut leben“, sagt Wehling. Der Masterplan sieht unter anderem verpflichtende Regelschulungen für erste Männer-Mannschaften sowie die Teams der A- bis C-Junioren in den Verbandsligen vor. Nur wer diese besuche, dürfe am Spielbetrieb teilnehmen, lautet die Forderung.

Neben Geldstrafen sollen demnächst auch Punktabzüge bis zu Suspendierungen ganzer Mannschaften als Sanktion möglich sein. Letzterer Punkt sei sogar schon in der Satzung verankert, sagt Wehling. „Er müsste vom Verband nur mal durchgesetzt werden. Es gibt mittlerweile insgesamt 40 Vereine, die keinen einzigen Schiedsrichter stellen“, sagt er. Vorbild könnte der Hessische Fußballverband sein – dort wurden Vereinen für die laufende Saison schon insgesamt 500 Punkte abgezogen.

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