Sport : Gewalttäter Gesellschaft

Politiker sehen Hooliganismus als soziales Problem

Dagny Lüdemann

Berlin - Im Sportausschuss des Bundestages haben Politiker, Sicherheitsexperten und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwoch über die Bekämpfung von Gewalt, Rassismus und Diskriminierung im Fußball beraten.

Nachdem es in den vergangenen Monaten bei Fußballspielen in den Regionalligen und darunter mehrfach zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und rassistischen Beschimpfungen gekommen war, will das Bundesinnenministerium (BMI) die vorbeugenden Maßnahmen, die in der Ersten und Zweiten Bundesliga bereits angewandt werden, auf die unteren Spielklassen ausweiten. „Die Stadionverbote für die in der Kartei ,Gewalttäter Sport’ erfassten Hooligans gelten bisher nicht für Spiele unterhalb der Zweiten Liga“, sagte der Inspekteur der Bereitschaftspolizei der Länder, Jürgen Schubert. Außerdem gebe es Defizite bei den Ordnern, die anders als in der Bundesliga, nicht mit Unterstützung der Polizei ausgebildet werden.

DFB-Präsident Theo Zwanziger forderte mehr Fanprojekte in Ostdeutschland, da vor allem dort die Gewalt zugenommen habe. Die Ursachen für Krawalle seien aber nicht im Sport sondern im sozialen Bereich zu suchen. Bei den meisten der 80 000 Partien, die wöchentlich ausgetragen werden, passiere nichts.

Die Mitglieder des Sportausschusses waren sich einig, dass Gewaltprävention auch Aufgabe der Bildungs- und Familienpolitik sei. Auch der Bund wurde aufgefordert, sich finanziell zu beteiligen. „Man muss bei den Eltern und in der Schule ansetzen“, sagte Detlef Parr (FDP). Winfried Hermann (Grüne) schlug vor, die Toleranz durch Rituale vor den Fußballspielen zu fördern – ähnlich, wie das Singen der Nationalhymne. Auch die Profifußballer sollten sich deutlicher gegen Gewalt und Rassismus aussprechen und im Ernstfall vom Platz gehen und auf Punkte verzichten, um ein Zeichen zu setzen, sagte Bernd Heynemann (CDU). „Im Sport haben wir die Chance, Integration und Toleranz zu fördern“, sagte Theo Zwanziger. Das habe auch die WM im eigenen Land gezeigt.

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