Halbgarer Hoeneß-Rücktritt : Liebe braucht kein Amt

Am Donnerstag wird Uli Hoeneß beim FC Bayern mitteilen, dass er nicht Präsident bleiben wird. Doch so ganz geht er wohl kaum. Ein Kommentar.

Das waren noch heile Zeiten. Uli Hoeneß im Jahr 2017 bei einer Mitgliederversammlung der Bayern.
Das waren noch heile Zeiten. Uli Hoeneß im Jahr 2017 bei einer Mitgliederversammlung der Bayern.Foto: Matthias Balk/dpa

Es gibt keinen guten Zeitpunkt, um abzutreten. Ein Abschied von den Dingen, die wir mit Leidenschaft und Liebe machen, fällt uns Menschen immer schwer. Es sei denn, so ein Amt wird zur Belastung, physisch und psychisch. Aber dann ist ja die Liebe oft schon weg.

Letzteres ist bei Uli Hoeneß sicher nicht der Fall, was seinen FC Bayern München betrifft. Aber sicher hat seine Hingabe zum Lebenswerk gelitten. Die heftige Kritik an seiner Person auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr hat ihn tief getroffen. Insofern ist sein Abgang, sind der Rücktritt vom Präsidentenamt und Rückzug von der Spitze des Aufsichtsrats, konsequent. Aber: Es ist Uli Hoeneß. Und der geht niemals so ganz - vom FC Bayern weg.

Es ist ein Abgang mit Eitelkeit, durch die Vordertür über den Roten Teppich und mit dem Weg zurück durch die offene Hintertür. Natürlich bleibt Hoeneß den Bayern erhalten (als Mitglied des Aufsichtsrates) und natürlich wird sein Wort weiter Gewicht haben. Vielleicht weniger nach innen (da wird sich der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge schon wehren), aber nach außen. Die Fans hat Hoeneß im Spätherbst seiner Präsidentenlaufbahn auf seine Seite gebracht. Bei der Versammlung im November 2018 gab es Sprechchöre für den im November 2019 scheidenden Präsidenten. 

Würdigungen für das Lebenswerk Hoeneß gibt es derzeit zur Genüge. Und natürlich werden auch prägnante Bilder ausgebuddelt. Vom verschossenen Elfer 1976 im EM-Finale des Spielers Hoeneß gegen Tschechien (hat den Titel gekostet, konnte Hoeneß nicht wiedergutmachen) über die voreilige Entlassung von Trainer Jupp Heynckes (hat Hoeneß später wieder gut gemacht) bis zum Vip-Tribünenverbot für Paul Breitner im vergangen Jahr (will Hoeneß nicht wiedergutmachen).

Ohne den Mann mit dem gewaltigen Fußball-Geschäftssinn würde der FC Bayern noch im Olympiastadion spielen, wäre die Bundesliga hunderte Meilen weit hinter England und Spanien einzuordnen, so sind es nur einige Meilen Abstand. Dass sich dieser Abstand nicht so einfach verkürzen lässt, hat Hoeneß inzwischen akzeptieren müssen. Die Bayern haben mit ihrer diffusen Verpflichtungspolitik vor der Saison gezeigt, dass sie bei den ganz ganz Großen nicht mitspielen können. Es muss ihn ärgern, dass er sein Werk nicht so richtig rund bekommt beim Verlassen der großen Ämter, die Champions League kann Bayern wohl so schnell nicht gewinnen.

Abgesehen davon: Mit 67 Jahren kann ein Mensch auch schon mal kürzer treten und die schönen Dinge des Lebens genießen. Für Uli Hoeneß sind das wohl vor allem Spiele des FC Bayern. Insofern geht er natürlich nicht.

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