Handball-Bundesliga : Füchse Berlin: Neue Beine, neue Steine

Vor dem Pflichtspielstart am 18. August müssen die Füchse Berlin fünf Zugänge einbauen und integrieren - die ersten Eindrücke stimmen positiv.

Im Mittelpunkt. Auf Füchse-Coach Petkovic wartet viel Arbeit.
Im Mittelpunkt. Auf Füchse-Coach Petkovic wartet viel Arbeit.Foto: dpa

Ganz zum Schluss durfte sich sogar der Hallensprecher in die Torschützenliste eintragen. Fabian Wiede spielte den Ball zu Markus Assemacher und gab absichtlich seine Verteidigungsposition auf, sodass der Hallensprecher der Füchse Berlin freie Bahn hatte. Assemacher ist im Kosmos des Handball-Bundesligisten gemeinhin als Stimme des Vereins bekannt, jedenfalls bei Heimspielen. Am Freitag vergangener Woche schlüpfte er allerdings in die ungewohnte Rolle des Gegenspielers und lief für die Verbandsliga-Handballer des HC Neuruppin auf, denen die Füchse zu Testspielzwecken einen Besuch abstatteten.

Das Spiel endete – erwartungsgemäß klar – 46:11 für den Bundesligisten, Assemacher erzielte den letzten Treffer des Tages, das Publikum johlte und hinterher verdingten sich Profis wie Amateure gleichermaßen am Bratwurst- respektive Bierstand vor der Halle. Wer den Berliner Handballern dabei in die Augen blickte, kam schnell zu der Erkenntnis, dass sie durchaus dankbar waren für diese abendliche Abwechslung, für diese bessere Trainingseinheit mit Ball.

Eine Woche trainierten die Füchse fast ohne Ball

Zuvor hatte Trainer Velimir Petkovic seine Untergebenen eine Woche am Stück versammelt, um die Grundlagen für den Pflichtspielstart am 18. August im DHB-Pokal beim Oranienburger HC zu legen. Im brandenburgischen Bad Saarow absolvierten die Füchse zum ersten Mal ein ausgewiesenes Athletik-Trainingslager, in dem der Ball so gut wie gar nicht zum Einsatz kam. Diese Entscheidung war eine Lehre aus der erfolgreichen, aber eben auch von Verletzungen geplagten Saison 2017/18, in der Petkovic phasenweise mit zehn, elf Spielern auskommen musste, also mit so wenigen, dass es kaum zum Wechseln reichte. So weit soll es in der neuen Bundesliga-Spielzeit, die für die Berliner am 23. August mit dem Auswärtsspiel bei Petkovics Ex-Klub Frisch Auf Göppingen beginnt, unter keinen Umständen kommen.

„Wir haben wirklich gut gearbeitet“, sagt Sportkoordinator Volker Zerbe, „und wir hatten ja auch viel zu tun.“ Insgesamt muss Petkovic fünf neue Spieler in seinen Kader einbauen, lediglich Simon Ernst muss es nach zwei Kreuzbandrissen binnen eines Jahres im Moment noch ruhiger angehen lassen. „Ich glaube, dass wir eine sehr spannende Mannschaft zusammengestellt haben, mit der wir viel erreichen können“, sagt Zerbe. Eine konkrete Zielsetzung haben sie im Verein allerdings noch nicht ausgegeben.

Gerade zu Beginn des alljährlichen Sommerlochs hatten die Füchse mit zwei beachtlichen Transfers aufhorchen lassen: der Tunesier Wael Jallouz kam vom FC Barcelona nach Berlin, obendrein sicherte Manager Bob Hanning die Dienste eines der größten Talente in der an Talenten nicht gerade armen ersten dänischen Liga: Nationalspieler Jacob Holm. In den Testspielen gegen unterklassige Gegner wussten sich die beiden Rückraumspieler schon recht ansehnlich in Szene zu setzen, wenngleich die Herausforderungen einer langen Bundesliga-Saison samt Europapokal-Teilnahme selbstverständlich ganz andere sein werden. Zudem stand Malte Semisch (vormals TSV Hannover-Burgdorf) erstmals im Berliner Trikot zwischen den Pfosten. Der 25-Jährige soll in naher Zukunft Vereinslegende Petr Stochl ersetzen, der seine Karriere im Sommer beendet hat.

Kreisläufer Marsenic ist eine gewaltige Erscheinung

Den – im Wortsinn – gewaltigsten Eindruck aller Neuzugänge hat bislang zweifellos Mijajlo Marsenic hinterlassen. Der neue Kreisläufer, geboren in Belgrad und 2017 Champions-League-Sieger mit dem mazedonischen Topklub Vardar Skopje, ist eine imposante physische Erscheinung, 2,02 Meter groß und 120 Kilogramm schwer. Mit diesen Gardemaßen ist der 26 Jahre alte Serbe prädestiniert für die Position neben Abwehrchef Jakov Gojun. In der vergangenen Saison hat sich Coach Velimir Petkovic ja immer wieder einen Spaß daraus gemacht, von seinen Defensivspielern eine „Berliner Mauer“ zu fordern. Nun hat er gewissermaßen den nächsten Baustein – oder besser gesagt: Ziegelstein – für dieses Unterfangen bekommen.

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