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Hannover gegen Herha BSC : Hertha verliert sich im Gebolze

Mit einem demütigenden 1:3 verliert Hertha bei Gastgeber Hannover. Den 0:3-Rückstand können die Berliner nicht mehr aufholen.

Fassungslos: Davie Selke zeigt sich enttäuscht nach dem 0:3, das die Berliner in der zweiten Halbzeit nur zu einem 1:3 umwandeln konnte.
Fassungslos: Davie Selke zeigt sich enttäuscht nach dem 0:3, das die Berliner in der zweiten Halbzeit nur zu einem 1:3 umwandeln...Foto: dpa

Für gewöhnlich ist Karim Rekik nicht auf den Mund gefallen, am späten Samstagnachmittag fehlten ihm allerdings die Worte. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", sprach der Innenverteidiger in Diensten von Hertha BSC, Schweißtropfen rannen über seine Stirn. Drei Kopfschüttler und eine dramaturgische Kunstpause später ging es schließlich weiter im Text. "Die erste Halbzeit – richtig schlecht", sagte Rekik. "Die waren aggressiv und von der ersten Minute an bereit", ergänzte der Niederländer, nächste Kunstpause. "Und wir waren es nicht."

Schleppender Start

Nach einer der schwächsten Vorstellungen in dieser Saison kassierte Hertha BSC am vorletzten Bundesliga-Spieltag eine verdiente 1:3 (0:3)-Niederlage bei Hannover 96, die gleichbedeutend war mit dem Ende aller theoretischer Europapokal-Ambitionen der Berliner. „Ich weiß auch nicht, welches psychologische Problem meine Spieler haben“, sagte Trainer Pal Dardai. „Aber immer, wenn wir die Chance haben aufzuschließen, gibt es so eine Leistung.“

Sein Hannoveraner Kollege, André Breitenreiter, konnte da deutlich zufriedener sein. „Wir sind froh, dass wir das Thema Klassenerhalt von selbst gelöst haben und nicht mehr auf andere angewiesen sind“, sagte er. Durch den Erfolg gegen Hertha hat der Aufsteiger mindestens ein weiteres Jahr in Deutschlands höchster Spielklasse gebucht.

Eine Woche nach dem schmeichelhaften 2:2 im Heimspiel gegen den FC Augsburg veränderte Dardai seine Startformation lediglich auf einer Position: Fabian Lustenberger besetzte die Planstelle von Innenverteidiger Niklas Stark, der kurzfristig mit muskulären Problemen passen musste. Abgesehen von dieser Personalie begannen die Gäste ähnlich unkonzentriert wie eben gegen Augsburg; es dauerte keine vier Minuten, ehe Rune Jarstein im Berliner Tor zum ersten Mal hinter sich greifen musste. Niclas Füllkrug bediente Martin Harnik, der den Ball nach feiner Mitnahme zum 1:0 versenkte. Hertha antwortete seinerseits: Davie Selke setzte eine Flanke von Vladimir Darida aus zentraler Position knapp neben das Tor. Es sollte allerdings für lange Zeit der letzte nennenswerte Vorstoß der Gäste bleiben.

Auf der anderen Seite schluderten, schlampten und schwammen die Berliner, wie man es unter der Verantwortung von Dardai selten gesehen hat. Hannover erspielte sich eine Chance nach der anderen: Zunächst verpasste Füllkrug eine scharfe Hereingabe knapp, wenig später setzte er den Ball ans Lattenkreuz und läutete damit die beste Phase der Gastgeber ein: Kurz vor der Pause bediente Pirmin Schwegler per Freistoß Publikumsliebling Salif Sané, der in seinem letzten Heimspiel für Hannover aus fünf Metern mühelos zum 2:0 einköpfte.

Hannover spielt lockerer

Und während die Wiederholung des zweiten Tores noch über die Stadion-Monitore lief, fiel bereits der dritte Treffer: Karim Rekik leistete sich in der Vorwärtsbewegung einen Ballverlust, der kapitale Folgen haben sollte. Timo Hübers schickte den bis dato glücklosen Füllkrug auf die Reise – und diesmal schlug der Schuss des Stürmers aus spitzem Winkel zum 3:0 im Berliner Tor ein.

Nach dem Seitenwechsel bemühten sich die Gäste, ihr Spiel nach vorn zu intensivieren – oder überhaupt ein Offensivspiel zu Stande zu bringen. Dardai brachte nach 52 Minuten einen zweiten Stürmer in Person von Vedad Ibisevic. Wirklich gefährlich wurden Berliner allerdings selten, obwohl Hannovers Gegenwehr angesichts des Drei-Tore-Polsters nun merklich nachließ; die 96er gingen längst nicht mehr so aggressiv auf den Gegner wie noch in Hälfte eins und ließen Hertha weitestgehend gewähren.

So kam Hertha zu einigen guten Chancen. Darida steckte an der Strafraumgrenze zu Selke durch, der aus zehn Metern zum 1:3 vollendete. Weitere Gelegenheiten folgten, Tore blieben aber aus. "Nächste Woche", sagte Dardai abschließend, "müssen wir ein ganz anderes Gesicht zeigen." Dann finalisieren die Berliner die Saison 2017/18 im Olympiastadion gegen RB Leipzig.

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