Sport : Heiliger Spieltag

Der Ligapokal könnte die Winterpause füllen

Mathias Klappenbach Katrin Schulze

Berlin - Etwa 34 000 Menschen sind derzeit in den Fußballklubs der Ersten und Zweiten Liga zumindest als Aushilfe beschäftigt. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Einige von ihnen könnten sich bald noch etwas hinzuverdienen – falls sie einen Weihnachtszuschlag bekommen.

Das Wachstum im Profifußball soll aber nicht nur auf der Beschäftigungsebene vorangetrieben werden. Aus diesem Grund sucht der Geschäftsführer Spielbetrieb der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Holger Hieronymus, nach neuen Wegen. So sagte er der „Frankfurter Rundschau“, dass der zweite Weihnachtsfeiertag als Spieltag – etwa für den Ligapokal – überlegenswert sei. Profifußball an Weihnachten ist in Deutschland bisher eine ungewöhnliche Vorstellung, aber neben einer Aufstockung der Bundesliga oder der Abschaffung der Winterpause wird dieses Gedankenspiel immer wieder zur öffentlichen Diskussion gestellt.

Herthas Manager Dieter Hoeneß, der auch Vertreter des Ligaverbandes beim DFB ist, überraschte der Vorschlag von Hieronymus. „Der Ligapokal hat sich sowohl sportlich als auch wirtschaftlich bewährt“, sagte Hoeneß. „Ich begrüße, dass man sich Gedanken über die Optimierung macht, halte aber Veränderungen nur der Veränderung wegen für falsch.“ Zudem sei Weihnachten heilig. Die Reform des Ligapokals, der bislang eher als unbedeutendes Vorbereitungsturnier wahrgenommenen wird, bezieht sich jedoch nicht nur auf den Termin. Auch ein neuer Modus mit mehr als sechs Teilnehmern und sogar die Austragung im Ausland sind t denkbar.

Die Wachstumschancen der Deutschen Fußball-Liga, die gestern im „Bundesliga Report 2007“ bekannt gegeben hat, dass der Umsatz 1,5 Milliarden Euro beträgt, sind im Inland begrenzt. Hier liegt der Bekanntheitsgrad der Bundesliga bei 99 Prozent. In der Auslandsvermarktung hingegen besteht großer Nachholbedarf. Die großen europäischen Ligen – wie vor allem die Premier League aus England – haben einen riesigen Vorsprung. In Japan und China ist dieser kaum mehr einzuholen, deshalb denkt die DFL an Märkte wie Indien oder die USA, wo die Fußballbegeisterung wächst. Deshalb hat sie vor einer Woche eine Kooperation mit der Major League Soccer vereinbart. Dass Spiele des Ligapokals vielleicht schon 2008 in den USA stattfinden werden, ist unwahrscheinlich. Realistischer erscheint, dass sich ein Bundesligist dort auf die Saison vorbereitet, heißt es in Ligakreisen.

Die Gedankenspiele der DFL dienen dazu, überhaupt eine Reformdiskussion anzustoßen. Konkret ist sogar ein Weihnachtsspieltag und eine Aufwertung des Ligapokals schwierig, weil er in Konkurrenz zum DFB-Pokal treten könnte. „Der Stellenwert des DFB-Pokals ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Daran wird auch der Ligapokal – in welcher Form auch immer – nichts ändern“, sagt DFB-Kommunikationsdirektor Harald Stenger. „Veränderungen des Ligapokals müssen erst in einem Spitzentreffen zwischen DFB und DFL erörtert werden.“

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