• Heimspiel gegen Olympiakos Piräus: Warum Alba Berlin in der Euroleague auf einen Zweitligisten trifft

Heimspiel gegen Olympiakos Piräus : Warum Alba Berlin in der Euroleague auf einen Zweitligisten trifft

Mit Piräus hat Alba in der Euroleague einen Zweitligisten zu Gast. Das liegt an einer Erzfeindschaft und den Wirren des internationalen Basketballs.

Leonard Brandbeck
Seite an Seite: Bei der Euroleague und ihrem Präsidenten Jordi Bertomeu (links) fühlen sich Olympiakos Piräus und Vassilis Spanoulis (rechts) wohl.
Seite an Seite: Bei der Euroleague und ihrem Präsidenten Jordi Bertomeu (links) fühlen sich Olympiakos Piräus und Vassilis...Foto: Juan Carlos Hidalgo/dpa

Die Euroleague preist sich selbst als einen „weltweiten Leader des Sport- und Unterhaltungsgeschäfts“. Die Euroleague vertritt den Anspruch, die „Elite des europäischen Basketballs“ zusammenzuführen. Die Euroleague hat einen nationalen Zweitligisten an Bord, der in seiner Spielklasse derzeit auf dem letzten Platz liegt.

Von außen betrachtet passt das nicht so recht zusammen. Doch Olympiakos Piräus, Alba Berlins Gegner am Donnerstag in der Arena am Ostbahnhof (20 Uhr/Magentasport), schippert in Griechenlands zweitklassiger A2 Basket League derzeit durch die hellenische Provinz. Zumindest auf dem Papier.

Alba Berlins letzte Ergebnisse in BBL und Euroleague

  • Euroleague, 7. Spieltag: Maccabi Tel Aviv – Alba Berlin 104:78
  • BBL, 7. Spieltag: Bayern München – Alba Berlin 84:80
  • Euroleague, 8. Spieltag: Panathinaikos Athen – Alba Berlin 105:106 n.V.
  • BBL, 8. Spieltag: Ludwigsburg – Alba Berlin 81:77
  • Euroleague, 9. Spieltag: Alba Berlin – Roter Stern Belgrad 93:80

In der Realität hat das Zweitligateam wenig mit Albas Euroleague-Gegner zu tun. Das hängt mit Olympiakos’ Erzfeinden von Panathinaikos Athen zusammen, aber auch mit den Wirren griechischer und europäischer Basketball-Politik. Doch der Reihe nach.

Das Athener Stadtduell zwischen den beiden erfolgreichsten griechischen Klubs Olympiakos und Panathinaikos ist wohl mit das giftigste im europäischen Basketball. Das „Derby der ewigen Feinde“ wird es deshalb genannt, oder auch die „Mutter aller Schlachten“. Sticheleien, Provokationen und Auseinandersetzungen zwischen beiden Klubs hat es schon immer gegeben, doch im vergangenen Februar eskalierte die Situation.

Mit 25:40 lag Olympiakos damals zur Halbzeit im Pokalhalbfinale gegen Panathinaikos zurück. Schuld daran aus Sicht von Piräus: die Schiedsrichter. Also weigerte sich das Team, das Spiel zu beenden, und blieb einfach in der Kabine.

Das Derby zwischen Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus eskaliert

Seit jeher fühlt sich Olympiakos als ursprünglich einmal kleinerer Vorort-Klub der Mittelschicht und Arbeiterklasse von Seiten der Liga und des Verbandes gegenüber dem alten Stadtadel von Panathinaikos benachteiligt. Der Klub zog deshalb drastische Konsequenzen und kündigte an, erst wieder gegen Panathinaikos zu spielen, wenn internationale Schiedsrichter das Derby pfeifen würden. Es blieb nicht bei der Ankündigung. Piräus boykottierte zunächst das Rückspiel in der Liga und erschien dann auch nicht zum Derby in den Play-offs.

Zu diesem Zeitpunkt hielt der Fall längst die griechische Basketballwelt in Atem. Auf einmal wurde über einen roten Damenslip und ein totes Huhn diskutiert, die jeweils auf die Ersatzbank von Olympiakos gelegt wurden, als das Team nicht zu den Spielen erschien. Auch Liga und Verband wollten sich von Olympiakos nicht auf der Nase herumtanzen lassen und drohten dem Team mit einer Strafversetzung in die Zweite Liga.

Legende: Olympiakos’ Aufbauspieler Vassilis Spanoulis dürfte die Konzentration auf die Euroleague mit seinen inzwischen 37 Jahren entgegenkommen.
Legende: Olympiakos’ Aufbauspieler Vassilis Spanoulis dürfte die Konzentration auf die Euroleague mit seinen inzwischen 37 Jahren...Foto: Mikhail Aleksandrow/Imago

Olympiakos zog vor Gericht und forderte gar, dass sich die griechische Politik in die Angelegenheit einschalten müsse. Es nutzte nichts. Auch die Liga beließ es nicht bei Ankündigungen und schickte Olympiakos tatsächlich in die Zweite Liga.

Ein internationaler Spitzenklub, der nicht mal mehr national in seiner höchsten Spielklasse vertreten ist? Eigentlich eine Katastrophe. Für Piräus jedoch nicht unbedingt. Das liegt an der Euroleague.

Olympiakos Piräus hofft auf die Euroleague

Die strebt immer weiter danach, eine eigenständige Liga zu werden. Für ihre Qualifikationskriterien sind sportliche Erfolge deshalb zweitrangig. Den Stamm der Teilnehmer bilden elf Klubs mit einer sogenannten A-Lizenz. Sie haben einen festen Platz, ganz unabhängig davon, wie es für sie auf nationaler Ebene läuft.

Zu diesen Klubs gehört auch Olympiakos. Die Teilnahme an einem sportlich attraktiven Wettbewerb hatte der Klub also sicher. Da lässt sich auch der nationale Zwangsabstieg verschmerzen – oder sogar bewusst in Kauf nehmen, wie man munkelt, um der Doppelbelastung zu entgehen, über die so viele Teams klagen, seitdem in der Euroleague 18 Klubs in Hin– und Rückspielen aufeinandertreffen.

Die nächsten Spiele von Alba Berlin

  • Donnerstag, 21.11.: Olympiakos Piräus (H – Euroleague)
  • Samstag, 23.11.: Oldenburg (H – BBL)
  • Dienstag, 26.11.: Bonn (A – BBL)
  • Donnerstag, 28.11.: Zalgiris Kaunas (H – Euroleague)
  • Freitag, 06.12.: Fenerbahce Istanbul (A – Euroleague)

Am Donnerstagabend kommt nun also Olympiakos’ Edeltruppe mit Stars wie der griechischen Spielmacherlegende Vassilis Spanoulis oder dem serbischen Topcenter Nikola Milutinov nach Berlin. Sie spielen nur in der Euroleague, haben trotz der geringeren Belastung jedoch wie Alba erst drei Spiele gewonnen.

In Griechenlands Zweiter Liga probiert sich derweil ein Nachwuchsteam. Fünf Siege aus sechs Spielen hat es dort geholt, ist aber trotzdem Tabellenletzter. Vorsichtshalber hat man Olympiakos in Griechenland als Gruß in die Zweite Liga auch gleich noch einen Punktabzug mitgeschickt.

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