Heimspiel gegen Paderborn : Hertha ist auf der Suche nach Halt

Bei Hertha BSC haben auch viele System- und Personalwechsel des neuen Trainers Ante Covic zur Verunsicherung beigetragen.

Auf geht's. Arne Maier ist wieder an Bord. Zumindest im Mannschaftstraining. Spielen könnte er kommende Woche.
Auf geht's. Arne Maier ist wieder an Bord. Zumindest im Mannschaftstraining. Spielen könnte er kommende Woche.Foto: Karmann/dpa

Nachdem das Gros der Mannschaft den Trainingsplatz nach der Vormittagseinheit am Mittwoch verlassen hatte, blieb nur noch ein Handvoll Spieler auf dem Rasen zurück. Sie hatten sich mit ein paar Bällen bewaffnet und legten eine kleine Zusatzschicht ein: Schusstraining. Mitten in dieser Gruppe war auch Arne Maier. Wochenlang war der umworbene Jungstar von Hertha BSC zuletzt vermisst worden. Nicht nur auf dem Trainingsplatz.

Dass sein Mitwirken im Mannschaftstraining als Hoffnungszeichen gewertet wird, sagt einiges über die fußballerischen Qualitäten des Spielers aus – und auch über die momentane sportlichen Kalamitäten des Vereins. Aus vier Bundesliga-Spielen haben die Berliner einen lausigen Punkt geholt, womit sie auf dem 18. und letzten Tabellenplatz stehen. Es gibt nicht wenige Hertha-Fans, die ein rasche Rückkehr Maiers herbeisehnen. Für das anstehende Heimspiel am kommenden Samstag gegen den frechen Aufsteiger Paderborn ist es allerdings zu früh.

Covic sucht noch immer eine feste Formation

Schon das letzte Viertel der vorigen Saison hatte Maier wegen eines Innenbandanrisses verpasst. Zur U-21-EM im Sommer schaffte er es aber noch und wurde mit dem deutschen Team erst im Finale gestoppt. Dadurch aber stieg Maier verspätet in die Saisonvorbereitung ein, kurz vor dem Bundesligaauftakt erlitt er dann eine Patellasehnenreizung. Realistisch ist, dass er beim darauffolgenden Spiel in Köln wieder zum Einsatz kommt.

Ohne Maier kommen Grujic und Duda nicht auf Touren

Herthas Trainer Ante Covic sucht noch immer nach einer Formation, die eine gewisse Balance aus Defensive und Offensive gewährleistet. Auch einen guten Mittelfeld-Mix hat Covic noch nicht gefunden. In der zurückliegenden Saison bildete der spielstarke Maier mit dem torgefährlichen Marko Grujic ein erfolgreiches Duo im Zentrum. Etwas vorgerückter agierte Ondrej Duda, dem elf Tore und sechs Torvorbereitungen gelangen, der Spitzenwert Herthas. Ohne Maier, so scheint es zu sein, kommen Grujic und Duda nicht auf Touren.

Ohnehin fehlt es der aktuellen Mannschaft an Halt. In jedem der vier bisherigen Bundesligaspiele hat Covic sich etwas Neues einfallen lassen, sowohl taktisch als auch personell. Und so hat er unfreiwillig beigetragen zur allgemeinen Verunsicherung. Davon zeugen zehn Gegentore in vier Spielen. Der neue Trainer hatte attraktiven und offensiven Fußball versprochen, und mehr Flexibilität. Doch weder das 4-3-3- noch das 3-5-2-System haben Punkte gebracht.

Covic brachte bereits 22 Spieler zum Einsatz

Zudem bastelte Covic jedes Mal sein Startformation um. Am radikalsten zuletzt beim 1:2 in Mainz, als Covic die halbe Startelf austauschte und Spieler wie Kapitän Vedad Ibisevic, Karim Rekik und Lukas Klünter auf die Ersatzbank setzte, die davor immer aufgelaufen waren. Und so gibt es nur fünf Spieler, die bisher immer in der Anfangself standen: Torwart Rune Jarstein, Niklas Stark, Grujic, Duda und Neuzugang Dodi Lukebakio. Unter dem Strich sind das zu wenige Spieler für ein stabiles Gerüst. „Die Jungs bieten sich unter der Woche an, darauf habe ich reagiert“, sagte Covic und begründete seine vielen Personalwechsel.

Insgesamt kamen in den vier Spielen unter ihm bereits 22 verschiedene Spieler zum Einsatz, nur Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter (23 Spieler) war wechselwilliger. Fakt ist, dass Herthas neuer Trainer rasch eine belastbare Formation finden muss, die in einem passenden System zu punkten beginnt. In den kommenden drei Bundesligaspielen gegen Paderborn, in Köln und dann gegen Düsseldorf müssen wohl mindestens zwei Siege her. Andernfalls werden die Zweifel und Sorgen zu groß. Ob mit oder ohne Arne Maier.

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