• Hertha BSC: Pal Dardai im Interview: „Wer mit dem Konkurrenzkampf nicht klarkommt, hat hier nichts zu suchen“

"Wenn es nicht läuft, gehe ich in den Nachwuchs zurück!"

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Hertha BSC: Pal Dardai im Interview : „Wer mit dem Konkurrenzkampf nicht klarkommt, hat hier nichts zu suchen“

Wo sehen Sie noch Steigerungspotenzial für das neue Jahr?

Wenn wir das Niveau, das wir jetzt erreicht haben, halten, wird es immer einfacher. Nehmen Sie das Spiel in Nürnberg. Da haben wir uns in der ersten Halbzeit zwei hundertprozentige Torchancen herausgespielt. Das waren keine Käseaktionen. Das war eine gezielte Vorbereitung durch Ballzirkulation, Tempoverschärfung, Spielverlagerung. Wir müssen dahin kommen, dass wir von solchen Chancen vier oder fünf in einer Halbzeit haben. Das andere ist, dass es in der Rückrunde mehr Konkurrenzkampf geben wird.

Pal Dardai (links) als Spieler mit Lucien Favre.
Pal Dardai (links) als Spieler mit Lucien Favre.Foto: Imago

Ist das gut oder schlecht?

Das ist gut. Wenn jemand damit nicht klarkommt, muss er mir das ehrlich sagen. Ich bin nicht nur der Trainer, sondern auch der Mensch Pal, ich kann das verstehen. Aber dann muss der Spieler mit dem Manager reden, weil er hier nichts zu suchen hat. Ein gesunder, guter Konkurrenzkampf – das ist das Beste. Jeder Spieler brennt, ist konzentriert und total auf seine Aufgabe fixiert. Die schwierigste Aufgabe haben wir eigentlich hinter uns: eine Struktur und ein System zu finden, eine Philosophie zu implementieren. Jetzt muss jeder Spieler um seine Position in diesem System kämpfen, weil es für sie noch andere ähnlich gute Spieler gibt. Auch auf der Bank. Ich weiß, dass das hart ist. Ich habe das selbst erlebt. Bei Falko Götz habe ich sieben Monate nicht gespielt. Natürlich ist für mich damals vieles schiefgelaufen, aber für die Mannschaft nicht. Ich habe nicht den Affen gemacht, sondern immer mitgemacht. Ein guter Sportler trainiert hart, und wenn seine Chance kommt, ist er da.

Hatte der Spieler Pal Dardai irgendwelche Eigenschaften, mit denen der Trainer Pal Dardai Probleme gehabt hätte?

Bestimmt hätte ich mit meiner Art mal Ärger bekommen. Ich bin kein einfacher Mensch, aber ich versuche immer, korrekt zu sein. Mir kann jeder seine Meinung sagen. Man muss nur ehrlich sein. Wenn die Spieler meinen: Pal, das war ein Scheiß-Training, werde ich nie beleidigt sein. Ich werde beim nächsten Mal versuchen, ein gutes Training zu machen. Es ist nicht meine Absicht, ein schlechtes Training zu machen oder die Mannschaft mit einer falschen Taktik aufs Feld zu schicken. Ich will nur gewinnen. Das wissen die Spieler, das spüren sie. Ich habe gute Jungs; ich habe einen guten Trainerstab, dem ich tausende Fragen stellen kann. Die ganze Woche über diskutieren wir, bis wir die richtige Lösung gefunden haben. Vor dem Darmstadt-Spiel war es extrem schwierig, ein passendes Konzept zu finden.

Wieso?

Bei Darmstadt ist viel Zufall im Spiel. Langer Ball und wird schon. Wie willst du dagegen pressen? Wie willst du dein eigenes Spiel aufziehen? Ich habe alle möglichen Leute gefragt, Ideen gesammelt, und am Schluss versuchst du, deine Gedanken zu ordnen und einen Spielplan daraus zu entwickeln. Am Abend vor dem Spiel gegen Darmstadt war ich mit Michael Preetz in Mainz. Im Auto habe ich ihm gesagt: „Micha, ich habe immer noch keinen Plan. Das ärgert mich.“ In der Nacht ist mir dann noch was eingefallen, und am Ende hat es ja auch gut ausgesehen, was die Mannschaft gemacht hat.

Kommen Ihnen gute Ideen manchmal im Schlaf?

Ich träume so etwas nicht, ich kann nicht abschalten, wenn ich nicht fertig bin mit meinen Gedanken. Zwei Tage vor einem Spiel will ich eigentlich wissen, was los ist. In diesem Jahr hat es ein, zwei Spiele gegeben, wo das nicht der Fall war. Ich will den perfekten Plan, von dem ich weiß: Damit helfe ich meiner Mannschaft. Das ist meine Verantwortung. Mit Rainer Widmayer kann man immer gut diskutieren, das funktioniert. Ich rede auch ständig mit meinen Vater, der sich unsere Spiele anschaut. Zu viele Meinungen darfst du aber auch nicht einholen. Das verwirrt dich nur. Ich will mich nicht manipulieren lassen.

Sie sind ein sehr authentischer und ehrlicher Mensch, aber eins nehmen wir Ihnen nicht ab: Wenn es irgendwann mit Hertha nicht mehr laufen sollte ...

... gehe ich in den Nachwuchs zurück!

Genau das glauben wir Ihnen nicht.

Niemand glaubt mir das, aber genau so wird es sein! Und dann werden Sie mir ein Essen ausgeben müssen, weil Sie danebengelegen haben. Wissen Sie, was mir das bedeutet, Trainer bei Hertha zu sein, für Hertha zu arbeiten? Ich kenne den Verein und diese Kabine seit gefühlt hundert Jahren. Wenn ich nach Hause komme, mache ich die Tür zu, dann bin ich wieder Familienvater, rede nur noch Ungarisch und bin in meiner eigenen Welt. Wirklich, ich bin ein komischer Mensch. Wenn man mir bei Hertha sagt, es geht nicht mehr – ob das in sechs Wochen ist oder in sechs Jahren –, dann sage ich: Dankeschön, und alles ist gut. Ich gehe im Kabinentrakt einfach eine Etage höher. Mein Schreibtisch steht immer noch in der Nachwuchsabteilung.

Steht in Ihrem Vertrag wenigstens, dass Sie dann wieder ungarischer Nationaltrainer werden dürfen?

Nein, das ist auch nicht meine Absicht. Ich wollte eigentlich immer erst Hertha-Trainer und dann irgendwann Nationaltrainer werden. Jetzt habe ich den Spieß umgedreht. Mit der Nationalmannschaft beschäftige ich mich nicht mehr. Ich bin froh, dass ich im richtigen Moment da war und helfen konnte. Das war schön. Gott sei Dank hat Bernd Storck gute Arbeit geleistet und die Qualifikation für die EM geschafft. Jetzt muss der Verband auch etwas damit anfangen. Die wissen noch gar nicht, wie schön das wird im Sommer.

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