Hertha BSC und der 1. FC Köln : Immer Ärger mit dem Videobeweis

Die Diskussion um den Videobeweis geht auch an diesem Spieltag weiter. „Das ganze Ding ist ein Witz“, sagte Per Skjelbred von Hertha BSC.

Wie jetzt? Das Handspiel von Herthas Karim Rekik im Strafraum sahen die meisten Beteiligten nicht.
Wie jetzt? Das Handspiel von Herthas Karim Rekik im Strafraum sahen die meisten Beteiligten nicht.Foto: dpa

René Rohde, der Linienrichter, erwies sich als bissiger Zweikämpfer. Er stellte seinen Fuß vor den Ball, einmal, zweimal, und hinderte Thorgan Hazard, den Offensivspieler von Borussia Mönchengladbach, damit wirksam an der Fortsetzung des Spiels. Die Ausführung des Eckballs verzögerte sich. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte: Es würde überhaupt keine Ecke für die Gäste geben – sondern Elfmeter. Zur Überraschung aller Beteiligter. „Es gab nicht einen auf dem Platz, der reklamiert hat“, sagte Michael Preetz, der Manager von Hertha BSC, nach der 2:4-Niederlage der Berliner gegen Borussia Mönchengladbach.

Nicht einmal Lars Stindl, der das Ganze gewissermaßen ausgelöst hatte. Es war sein Schuss gewesen, den Herthas Verteidiger Karim Rekik im Strafraum geblockt hatte. Der Ball flog ins Toraus. „Ich habe mich geärgert, dass der Ball nicht rein gegangen ist und mich auf eine Ecke eingestellt“, sagte Stindl.

Dass weder Gladbachs Kapitän noch sonst jemand ein möglicherweise strafbares Handspiel Rekiks wahrgenommen hatte, reichte natürlich, um hinterher die Diskussion über Sinn und Unsinn des Videoassistenten aufs Neue zu befeuern. „Das ganze Ding ist ein Witz“, sagte Herthas Mittelfeldspieler Per Skjelbred. „Aber leider ist es so: Technologie 2017. Und 2018 wird es noch schlimmer sein.“

Rekik fand die gemeinsame Entscheidung von Schiedsrichter Bastian Dankert auf dem Platz und Videoassistent Tobias Stieler im Kölner Keller „ein bisschen lächerlich“. Skjelbred fragte: „Was soll der Junge machen? Der Schuss kommt aus zwei Metern. Karim dreht sich ein bisschen weg, das ist eine natürliche Reaktion.“ Und auch für Sebastian Langkamp war es „ein diskutabler Handelfmeter“.

Hätte der Videoassistent also überhaupt intervenieren dürfen? Diese Frage ist inzwischen ein Klassiker – sie stellte sich am Samstagabend aber gar nicht. Es war Dankert selbst gewesen, der in Köln bei Stieler um Hilfe ersucht hatte. Im Unterschied zu den 48 304 Menschen auf den Rängen und den 22 auf dem Platz hatte der Schiedsrichter nämlich sehr wohl ein Handspiel gesehen. Er war sich nur nicht sicher, ob es als absichtlich und damit strafbar zu bewerten war. Da Rekiks Arm sich in Kopfhöhe befand, war die Elfmeterentscheidung zumindest schlüssig.

Trotz Technik: Fehler wird es immer geben

Was aber wäre gewesen, wenn Dankert nichts gesehen hätte? Wäre die Entscheidung auf Eckball dann so klar falsch gewesen, dass der Videoassistent von sich aus hätte eingreifen dürfen? Auch an der Klärung solcher Details wird sich die Akzeptanz des Publikums für den Videobeweis letztlich entscheiden. Gladbachs Trainer Dieter Hecking outete sich zum wiederholten Male als Befürworter und mahnte erneut Geduld an: „Man muss auch daran arbeiten dürfen.“

Ein Problem aber bleibt: Selbst mit Videobeweis wird es keine hundertprozentige Gerechtigkeit geben. Der Assistent darf zwar die technischen Hilfsmittel nutzen, ist aber auch nur ein Mensch – und damit fehlbar. So wie beim Spiel in Mainz, als Schiedsrichter Felix Brych aus Köln das Okay für seine Elfmeterentscheidung gegen Köln erhielt. „Auf dem Platz war es für mich ein klarer Elfmeter“, sagte Brych, nachdem der Mainzer Pablo de Blasis von zwei Kölnern in die Zange genommen worden war. Der Videoassistent sah das erstaunlicherweise genauso, während Brych nach Ansicht der Fernsehbilder seinen Irrtum zugeben musste: „Ich kann keinen Kontakt erkennen.“

Vielleicht tröstet es die Kölner: Ohne Videobeweis hätte es den Elfmeter auch gegeben.

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