Hertha BSC und Pal Dardai trennen sich : Der richtige Schritt zur richtigen Zeit

Die Zeit von Pal Dardai als Cheftrainer bei Hertha endet im Sommer. Auch wenn die Entscheidung viele Fans irritiert, so ist sie dennoch richtig. Ein Kommentar.

Abgang mit Anlauf. Pal Dardai hat Hertha wieder ruhigere Zeiten verschafft. Jetzt ist seine eigene zumindest als Cheftrainer abgelaufen.
Abgang mit Anlauf. Pal Dardai hat Hertha wieder ruhigere Zeiten verschafft. Jetzt ist seine eigene zumindest als Cheftrainer...Foto: Paul Zinken/dpa

Jetzt also doch. Was sich seit ein paar Tagen angedeutet hatte, viele Fans aber nicht wahrhaben wollten, weil er doch eigentlich einer der ihren war, passiert: Pal Dardai wird in der kommenden Saison nicht mehr die Profimannschaft von Hertha BSC trainieren. Die Klubverantwortlichen konnten nicht anders, als die einst so gut funktionierende Beziehung mit dem Coach zu beenden - auch wenn offiziell von einer einvernehmlichen Lösung die Rede ist.

Fünf Niederlagen in Folgen hat der Berliner Bundesligist zuletzt kassiert, die Mannschaft wirkte zuweilen lethargisch, ja manchmal sogar willenlos, und sie lief ihren eigenen Zielen ein ganzes Stück weit hinterher.

Genau das war letztlich das Problem: Unter Pal Dardai hat sich Hertha nach Jahren der Instabilität wieder stabilisiert - aber eben nicht weiterentwickelt. Das jedoch hat Manager Michael Preetz erwartet. Dass die Berliner auch mal attraktiv spielen und nicht nur ergebnisorientiert. Dass sie mehr Fans begeistern. Dass sie mittelfristig um einen Platz kämpfen, der in den Europapokal führt.

Doch was anfangs nach der perfekten Ehe aussah, hat sich zunehmend abgenutzt. Dardai war damals vor viereinhalb Jahren der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Kaum einer hatte dem Ungarn zugetraut, dass er das Profigeschäft genauso gut beherrscht wie den Nachwuchsbereich, in dem er zu der Zeit noch tätig war. Aber Hertha brauchte genau so einen Typen, der den Verein in- und auswendig kennt, der ihn lebt, ja liebt.

"Ich kann mir nicht vorstellen, jemals irgendwo anders tätig zu sein als bei Hertha", hat Dardai immer wieder gesagt, der in Deutschland nie für einen anderen Verein gearbeitet hat - nicht als Spieler, nicht als Trainer. Und das wird wohl auch künftig so bleiben, wenn Dardai wirklich wie angekündigt in den Nachwuchs zurückkehrt. Kein Wunder, dass so einer auch bei den Fans gut angekommen ist, bis zuletzt.

Hertha ist unter Dardai ein bisschen bodenständiger geworden

Mit Dardais bodenständiger, ehrlicher und mitunter auch aufbrausender Art ist Hertha selbst ein bisschen bodenständiger geworden. Wenig ist mehr da von dem überheblichen Klub, der immer mal wieder größer sein wollte als er eigentlich ist. Doch inzwischen hat sich das Phänomen beinahe umgekehrt: Die Mannschaft hat sich vielleicht sogar kleiner gemacht als sie ist. Sie kann unglaublich erfrischenden Fußball spielen und alle großen Teams schlagen, wie den FC Bayern in dieser Saison

Und dann schafft sie es nicht, ihr Potenzial gegen vermeintlich schwächere Mannschaften abzurufen - und legt wieder einmal eine der fast schon traditionell schwachen Rückrunden hin.

Insofern war es jetzt womöglich genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit. Der Moment, um Schluss zu machen. In dieser Saison kann es für Hertha weder weit nach vorne noch nach hinten gehen. Die Diskussionen um Dardai, die sicher auch die Mannschaft berührt haben, sind vorbei.

Jetzt kann der Verein in Ruhe weiterarbeiten, sich in Ruhe um einen Nachfolger kümmern und in Ruhe einen Abgang ihres Trainers bei den Profis vorbereiten, den der verdient hat. Immerhin war seit Jürgen Röber, der Hertha seinerzeit wieder nach oben geführt hatte und 2002 gehen musste, keiner mehr länger Chefcoach bei Hertha.

Pal Dardai zeichnet aus, dass er immer Realist geblieben ist. Er hat selbst gesagt, dass man spätestens nach sechs Niederlagen in Serie als Bundesliga-Trainer weg vom Fenster ist. Damit hat er Recht behalten.

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