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Hertha verliert 1:3 bei Werder : Dardai: "Mental waren wir nicht frisch"

Die Berliner kassieren in Bremen ihre erste Saisonniederlage. Zu allem Unglück verletzt sich auch noch Torwart Jarstein.

Das war es dann. Bremens Kruse bejubelt sein Tor zum 3:1.
Das war es dann. Bremens Kruse bejubelt sein Tor zum 3:1.Foto: dpa

Niklas Stark versuchte es mit stillem Protest, so wie es auch die Ultras in den ersten 18 Minuten und 30 Sekunden getan hatte. Der Innenverteidiger saß auf dem Rasen, er bemühte sich, ein möglichst empörtes Gesicht zu machen, und suchte den Blickkontakt mit dem Schiedsrichter. Aber Guido Winkmann ignorierte das nonverbale Hilfeersuchen des Verteidigers von Hertha BSC einfach. Der Treffer zählte, ein Foul im Luftduell hatte der Schiedsrichter nicht erkannt. Milos Veljkovic vom SV Werder Bremen war einfach robuster in den Zweikampf gegangen – und hatte den Ball kurz vor der Pause zum 2:0 für die Bremer ins Tor geköpft. So kam es für die Berliner wie zuletzt fast immer im Weserstadion: Es ist für sie dort nichts zu holen. Zehn Mal haben sie es seit ihrem letzten Sieg 2006 nun versucht, zehn Mal vergebens. Am Dienstagabend endete ihr Versuch mit einer 1:3 (0:2)-Niederlage.

 „In der ersten Halbzeit hatten wir keinen Zugriff“, sagte Fabian Lustenberger, der den verletzten Marko Grujic im defensiven Mittelfeld ersetzte, weil Karim Rekik nach seiner Verletzungspause wieder in die Innenverteidigung zurückkehrte. Lustenberger war an der ersten entscheidenden Situation, dem 1:0 der Bremer, maßgeblich beteiligt, wenn auch eher unfreiwillig. Nach einem Freistoß des Startelfdebütanten Nuri Sahin sprang der Ball vom Oberschenkel des Schweizers an die Latte. Rune Jarstein griff beherzt zu, doch Lustenberger trat noch einmal reflexartig nach und kickte den Ball aus den Händen seines Torhüters. Martin Harnik staubte mit der Hacke ab.

 Dardai zu Kohfeldt: "Jetzt bist du der Bayern-Jäger"

Das Kuddelmuddel war fast sinnbildlich für den Auftritt der Berliner vor der Pause. Sie wollten viel, doch es gelang wenig. „Das war ein Zweikampfspiel, an dem wir in der ersten Halbzeit nicht teilgenommen haben“, sagte Trainer Pal Dardai. „Mit Werders zielstrebigem Ballbesitz sind wir nicht klargekommen, mental waren wir nicht frisch.“ Von dem, was die Mannschaft zuletzt ausgezeichnet hatte, war wenig zu sehen. Javairo Dilrosun konnte sich gegen Theodor Gebre Selassie selten behaupten, Ondrej Duda war weitgehend unsichtbar, und auch Palko Dardai, der sein Startelfdebüt in der Fußball-Bundesliga bestreiten durfte, fiel kaum af. Die Berliner haderten zwar immer wieder mit der Zweikampfbewertung des Schiedsrichters, insgesamt aber war Werder von Beginn an das dominierende und bessere Team.

Nach einer knappen halben Stunde wechselten Dilrosun und Dardai die Seiten – es änderte sich nichts. Kurz darauf stellte Hertha auf ein 4-3-3 um, mit Lustenberger als alleinigem Sechser – auch das ohne Wirkung. Es passte zu diesem gebrauchten Abend, dass Torhüter Jarstein zur zweiten Hälfte wegen einer Oberschenkelprellung nicht auf den Platz zurückkehrte. Insgesamt aber trat Hertha nun mit mehr Überzeugung auf. So wie Javairo Dilrosun in der 53. Minute. Der Holländer setzte sich auf der linken Seite durch, war schon fast an der Torauslinie und trat den Ball aus dieser unmöglichen Position zwischen Pfosten und Torhüter Jiri Pavlenka ins Tor.

 Werder, noch ohne Heimsieg in dieser Saison, wirkte durch den Anschlusstreffer ein wenig angefasst, Dardai brachte Davie Selke, einen weiteren Stürmer. Doch der frühere Bremer war kaum auf dem Platz, da kam, was noch gefehlt hatte: ein Elfmeter gegen Hertha – der fünfte im fünften Spiel dieser Saison. „Das ist der Wahnsinn“, sagte Lustenberger – und Rekord in der Geschichte der Bundesliga. Max Kruse verwandelte nach dem Foul von Marvin Plattenhardt gegen Gebre Selassie zum 3:1 und veranlasste die Werder-Fans dazu, vom Europapokal zu singen. Während Hertha die erste Saisonniederlage kassierte, rückten die noch ungeschlagenen Bremer auf Platz zwei vor. „Vielleicht war das zu viel Lob für uns“, sagte Pal Dardai in der Pressekonferenz und wandte sich dann an seinen Bremer Kollegen Florian Kohfeldt: „Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du der Bayern-Jäger.“

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