Sport : Hertha verliert gegen Tremmel

Cottbus siegt 1:0 im Olympiastadion – der ehemalige Berliner Torwart hält überragend

Stefan Hermanns

Berlin - Die Fans des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC schmetterten ihrer Mannschaft bereits eine Viertelstunde vor dem Anpfiff des Bundesliga-Spiels gegen Energie Cottbus Forderungen entgegen: „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ Im Normalfall rufen Zuschauer so etwas frühestens nach einer Stunde – wenn sie merken, dass ihr Team sich nicht müht. Die Berliner aber befanden sich bereits vor dem Heimspiel gestern vor 51 831 Zuschauern nicht mehr im Normalzustand. Fünf Spiele hintereinander hatte Hertha in der Bundesliga nicht gewonnen. Die 0:1-Niederlage gegen Cottbus verschärft die Krise bei Hertha. Von acht Duellen in der Bundesliga hat Energie fünf gegen Hertha gewonnen. Cottbus rückt damit auf den neunten Tabellenplatz vor, die Berliner verharren auf dem achten Rang mit drei Punkten Vorsprung auf Energie.

Die Berliner begannen das Spiel mit Tempo: Der nach seiner Gelb-Sperre in die Mannschaft zurückgekehrte Berliner Torjäger Marko Pantelic scheiterte nach sieben Minuten aus kurzer Distanz an Torwart Gerhard Tremmel, auch an einen Schuss von Pal Dardai drei Minuten zuvor brachte der Torhüter seine Fingerspitzen. Der 28 Jahre alte Tremmel bestritt sein erstes Bundesliga-Spiel für Cottbus, weil Tomislav Piplica verletzt ist. Vor der Saison war er von Hertha zu Energie gewechselt. Tremmel hielt überragend. „Das war eine Achterbahn der Gefühle“, sagte er nach dem Spiel.

Nachdem die etwa fünfzehnminütige Drangphase der Berliner vorüber war, entwickelte sich eine interessante Partie mit Chancen für beide Mannschaften. Bei Hertha sollte Kevin-Prince Boateng aus dem Mittelfeld heraus das Spiel lenken. Der 20-Jährige stand zum ersten Mal seit dem 16. Dezember 2006 in der Startelf der Berliner, eine Operation am Meniskus hatte ihn zu der Pause gezwungen. Boateng gefiel teils mit Tricks, in anderen Szenen fand er nicht die richtige Balance zwischen Kunst und Handwerk und verlor Bälle leichtfertig.

Cottbus spielte zielstrebig: Wenn Energie nach vorne kam, wurde es meistens auch gefährlich. In der 27. Minute schoss Timo Rost knapp am Tor der Hertha vorbei, der Kopfball von Vragel da Silva kurze Zeit später flog ebenfalls nicht weit daneben. Danach wurde Hertha wieder stärker: Der Brasilianer Gilberto umdribbelte gleich drei Abwehrspieler von Energie, bevor er den Ball aus zehn Metern direkt in die Arme von Tremmel drosch. Kurz vor der Halbzeit hätte Schiedrichter Jochen Drees einen Elfmeter für Hertha pfeifen müssen, nachdem Kevin McKenna im Strafraum am Trikot von Marko Pantelic gezerrt hatte. Drees übersah später auch noch einen Kopfstoß von Zoltan Szelesi gegen Kevin-Prince Boateng, der einen Platzverweis hätte nach sich ziehen können.

Zwei Minuten nach dem Seitenwechsel ging Energie in Führung. Sergiu Radu musste den Ball nur noch an Herthas Torwart Christian Fiedler vorbei schieben, nachdem sich Francis Kioyo ihm den Ball von der linken Seite aus direkt auf den Fuß gespielt hatte. Die Grätsche des Berliner Innenverteidigers Josip Simunic ging ins Leere. In der Folgezeit erhöhte Hertha den Druck auf Cottbus. Immer wieder scheiterten die Berliner an Tremmel. Einen Weitschuss von Kevin-Prince Boateng lenkte er ebenso ins Toraus, wie Kopfbälle von Christian Gimenez und Pantelic. Nur Herthas Ashkan Dejagah brachte den Ball ins Tor – wegen Handspiels aber wurde der Treffer nicht gegeben. Die Berliner protestierten heftig. Schon beim 0:2 im Hinspiel hatte sich Hertha benachteiligt gefühlt. Neben der mäßigen Leistung des Schiedsrichters wird es bei Hertha in den kommenden Tagen allerdings auch einige andere Gesprächsthemen geben.

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