Herthas Abstiegskampf : Kraft gegen Rensing: Fernduell der Kronprinzen

Thomas Kraft bekennt sich zu Hertha BSC und will auch im Falle eines Abstiegs in die Zweite Liga in Berlin bleiben. Dabei galt er wie Kölns Michael Rensing einst als Torhüter der Zukunft.

Mach mal ruhig. Thomas Kraft hat wie Michael Rensing einst bei Bayern gespielt – am Samstag kämpfen beide Torhüter mit ihren Klubs gegen den Abstieg.
Mach mal ruhig. Thomas Kraft hat wie Michael Rensing einst bei Bayern gespielt – am Samstag kämpfen beide Torhüter mit ihren Klubs...Foto: AFP

Im Winter 2010 war die Angelegenheit eigentlich schon geklärt. Hertha BSC und der Torhüter, der einmal als eines der hoffnungsvollsten Talente des Landes gegolten hatte, waren sich im Prinzip einig. Dass es am Ende nichts mit ihrer Liaison wurde, hing mit teaminternen Gründen zusammen. Der Berliner Fußball-Bundesligist wollte seinen verletzten Stammtorhüter Maikel Aerts nicht demontieren, und weil Hertha sich nicht schnell genug zu einer Verpflichtung durchringen konnte, entschied sich Michael Rensing nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit dann doch für das Angebot des 1. FC Köln. Man kann nicht sagen, dass die Berliner unter dieser Entscheidung nachhaltig gelitten hätten. Sie holten stattdessen Thomas Kraft, einen jungen Torhüter mit glänzender Perspektive. Die Frage ist eher, ob Rensing vor anderthalb Jahren alles richtig gemacht hat. Sie wird an diesem Samstag beantwortet, wenn sich der Torhüter des 1. FC Köln mit Thomas Kraft und Hertha BSC ein Fernduell um den Verbleib in der Bundesliga liefert.

Das kleine Duell im großen gibt der Auseinandersetzung um den Relegationsplatz noch eine zusätzliche Note. Kraft, 23, und Rensing, 27, haben als Torhüter gewissermaßen parallele Leben geführt – bis in die Gegenwart hinein. Ihre Klubs überbieten sich in dieser Saison in geballter Unfähigkeit; die beiden Torhüter aber sind über jeden Zweifel erhaben. Sie haben zum Teil glänzend gehalten, sich auch als meinungsstarke Anführer in ihren ziemlich leblosen Mannschaften hervorgetan. Ohne Rensing wäre der Abstieg der Kölner vermutlich längst besiegelt, auch wenn er am Wochenende mit einem seiner seltenen Fehler die 1:4-Niederlage in Freiburg eingeleitet hat. Und egal wie die Sache an diesem Samstag ausgehen wird, Kölns Torhüter wird aller Wahrscheinlichkeit nach erstklassig bleiben. Dem SV Werder Bremen, der einen Nachfolger für Tim Wiese sucht, wird jedenfalls ein gesteigertes Interesse an Rensing nachgesagt.

Auch bei Hertha wissen sie natürlich, dass sich die Konkurrenz mit ihrem Torhüter beschäftigt. Allerdings hat sich das mittlerweile erledigt, denn Kraft erklärte auf der Hertha-Homepage, auch im Abstiegsfalle bleiben zu wollen: "Eines ist für mich sowieso klar: Ich fühle mich sehr wohl in Berlin, ich bleibe bei Hertha BSC und den super Fans – egal, was passiert! Darauf habe ich mich mit dem Verein geeinigt."

Michael Rensing, Krafts Gegner im Fernduell um den Klassenerhalt.
Michael Rensing, Krafts Gegner im Fernduell um den Klassenerhalt.Foto: dapd

Der Torhüter hat am Mittwoch (genauso wie Pierre-Michel Lasogga) wieder trainiert, nachdem er tags zuvor wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel aussetzen musste. Sein Einsatz am Samstag gegen Hoffenheim ist nicht in Gefahr. Kraft wird dann auf seinen Förderer Markus Babbel treffen, der seinen Wechsel vom FC Bayern München nach Berlin im vergangenen Sommer maßgeblich betrieben hatte und der sich immer ausnehmend positiv über den Torhüter geäußert hat. Michael Rensing hat gut 600 Kilometer weiter westlich ebenfalls ein Rendezvous mit seiner Vergangenheit. Er spielt mit den Kölnern gegen Bayern – den Verein also, in dem er Profi geworden ist. Es ist eine Vergangenheit, die er mit Kraft gemeinsam hat.

Beide haben schon in der Jugend für den Rekordmeister gespielt, beide stießen als Teenager zu den Profis und wurden zeitweise als Kronprinzen der bayrischen Torwartlegende Oliver Kahn geführt, Rensing mehr noch als Kraft. Weil Bayerns Manager Uli Hoeneß ganz vernarrt war in die Idee, den Nachfolger Kahns selbst heranzuziehen, war Rensing der Platz im Bayern-Tor quasi vertraglich garantiert. Legendär ist Hoeneß’ Aussage in Bezug auf das Erbe Kahns in der Nationalmannschaft: „Infrage kommen drei Torhüter: Adler, Neuer und Rensing. Enke und wie sie alle heißen kann man vergessen.“ Über Thomas Kraft hat er sich nie so geäußert. Im Gegenteil. Im Machtkampf mit Louis van Gaal attackierte Hoeneß den jungen Torhüter, um den holländischen Trainer zu treffen. Mit der Entscheidung van Gaals, Kraft in der Rückrunde der vorigen Saison zur Nummer eins zu machen, „ging die Scheiße los, auf gut Deutsch gesagt“.

Rensing und Kraft haben die hohen Erwartungen bei Bayern beide nicht erfüllt. Sie mussten den Verein erst verlassen, um aus Kahns Schatten herauszutreten und ihr sportliches Glück zu finden. In dieser Saison haben sie bewiesen, dass sie den Knacks in ihrer Karriere überwunden haben. Für einen von beiden aber kommt an diesem Samstag ein neuer hinzu.

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