Hilfe von der DGUV : "Irgendwie kriege ich das jetzt schon hin"

Ein Skiunfall 2010 stellt das Leben des damaligen Sportstudenten Marcus Kietzer von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf, jetzt läuft er mit Exoskelett.

Jana Rudolf
Ein Leben lang Stütze. Marcus Kietzer bekam ein Exoskelett gesponsert.
Ein Leben lang Stütze. Marcus Kietzer bekam ein Exoskelett gesponsert.Foto: promo

Aufgeben war für ihn noch nie eine Option. Während seines Studiums geht es für Marcus Kietzer zum Skifahren nach Saalbach-Hinterglemm. Im wässrigen Schnee verliert er an einem Nachmittag die Kontrolle und rast mit knapp 50 Kilometern die Stunde gegen einen Holzpfeiler. „Früher hatte ich mir immer gesagt, dass ich bei einem Unfall lieber sterben würde, als ein Leben lang querschnittgelähmt zu sein“, erzählt der 30-Jährige heute: „Aber direkt nach dem Unfall dachte ich dann: Irgendwie kriege ich das jetzt schon hin.“ Und wie er das hinbekam.
Die gesetzliche Unfallversicherung übernahm die Kosten für die Reha, weil der Unfall im Rahmen seines Studiums passierte. Der Rehasport wurde für Marcus Kietzer die Brücke zurück ins Leben. Im Unfallkrankenhaus Tübingen entdeckte er Rollstuhlbasketball für sich, mit seinem Talent schaffte er es bis in die Nationalmannschaft und zählte zu den weltbesten Spielern seiner Behinderungsklasse.
Erst im vergangenen Jahr beendete er seine Karriere, Marcus Kietzer will nun mehr Zeit mit seinen Freunden verbringen, ein Haus bauen mit seiner Frau. Pläne, bei denen der aktive Sport nicht mehr mithalten konnte. Kietzer wechselte die Seiten. Heute arbeitet er an drei Tagen pro Woche als Sporttherapeut – und gilt dabei als ein faszinierendes Vorbild für jeden Patienten.
Vor zwei Jahren spendierte ihm die Unfallkasse Thüringen ein so genanntes Exoskelett – eine äußere Stützstruktur, die Querschnittgelähmten das aufrechte Gehen ermöglicht. Bei Kietzer klappte es auf Anhieb so gut, dass er nun für Demonstrationsläufe in Krankenhäuser kommt und über seine Erfahrungen zum Thema Inklusion referiert. „Wir selbst sind die Botschafter unserer Behinderung“, sagt er: „Wir sollten uns über unsere Vorbildfunktion bewusst sein.“
Marcus Kietzer, der optimistische Kämpfer, hat mit seiner Willenskraft viel erreicht hat. „Warum sollte ich mir Grenzen setzen?“ fragt er und lächelt: „Funktioniert doch alles.“

Jana Rudolf, 20 Jahre alt, ist Nachwuchsreporterin der Paralympics Zeitung.

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