Hockey-Frauen wollen Olympia-Ticket lösen : Wenn das EM-Gold nebensächlich wird

Die deutschen Hockey-Frauen möchten sich direkt für Olympia 2020 zu qualifizieren. Der EM-Titel wird dabei fast zur Nebensache.

Große Freunde. Nike Lorenz (l.) feiert mit Anne Schröder den Finaleinzug.
Große Freunde. Nike Lorenz (l.) feiert mit Anne Schröder den Finaleinzug.Foto: dpa

Deutschlands Hockey-Frauen greifen im EM-Finale in Antwerpen zwar nach ihrer dritten Goldmedaille - die weitaus größere Motivation stellt aber das mit dem Titel verbundene Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio dar. „Wenn nicht am Sonntag, wann dann. Wir werden sowas von heiß sein und so viel Energie und Feuer haben, das wird ein geiles Spiel“, sagte Nike Lorenz. Die Mannheimerin hatte am Freitagabend 48 Sekunden vor Schluss mit ihrem Strafeckentreffer für den 3:2-Sieg im Halbfinale gegen Spanien gesorgt.

Gegner im Endspiel an diesem Sonntag (16.00 Uhr/ARD) ist nun der Titelverteidiger Niederlande, der sein K.o.-Duell klar mit 8:0 gegen England gewonnen hatte. „Holland ist der Top-Favorit und hat viel Finalerfahrung, aber in der lokalen Presse wird von uns als Angstgegner gesprochen“, sagte Bundestrainer Xavier Reckinger. Schließlich ist der Weltmeister alles andere als souverän ins Turnier gestartet. In den ersten beiden Partien gegen Belgien und Spanien reichte es nur zu einem 1:1. Dank eines 14:0-Kantersieges über Aufsteiger Russland sicherte sich der Rekordchampion immerhin noch den zweiten Platz in der Gruppe A hinter Spanien.

Spielführerin Janne Müller-Wieland sieht daher eine realistische Chance, den Favoriten zu bezwingen: „Wir haben in letzter Zeit sehr, sehr knappe Spiele gegen die gehabt, und irgendwann wird man mal gewinnen. Und wenn das am Sonntag ist, dann passt das doch.“ Für die 311-malige Nationalspielerin hat das Olympiaticket oberste Priorität. „Dann hätten wir einen freien Herbst und keinen mentalen Stress“, meinte die 32-Jährige. Dem stimmte auch der Bundestrainer zu: „Das wäre für das ganze System, die Vorbereitung, die Bundesliga und die Spielerinnen eine Erleichterung.“

2013 wurden die DHB-Damen zuletzt Europameister, Müller-Wieland und Franzisca Hauke waren in Boom/Belgien damals schon dabei. „Es hängt alles davon ab, wie wir jetzt wieder runterkommen und dann haben wir eine Chance“, sagt Reckinger. Sollte sein Team verlieren, müsste es sich, genau wie die DHB-Herren nach ihrem Halbfinal-Aus gegen Belgien, in zwei Olympia-Qualifikationsspielen Anfang November in Mönchengladbach durchsetzen. (dpa)

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