• Höchster Bundesliga-Sieg jährt sich: Wie Hertha BSC den BVB vor 50 Jahren 9:1 besiegte

Höchster Bundesliga-Sieg jährt sich : Wie Hertha BSC den BVB vor 50 Jahren 9:1 besiegte

Am 18. April jährt sich der höchste Sieg in der Bundesliga-Geschichte von Hertha BSC zum 50. Mal. Die Umstände des 9:1 gegen Borussia Dortmund waren besondere.

Franz Brungs erzielt das 5:0 für Hertha BSC – vor nur knapp 23.000 Zuschauern im Olympiastadion.
Franz Brungs erzielt das 5:0 für Hertha BSC – vor nur knapp 23.000 Zuschauern im Olympiastadion.Foto: Imago

Borussia Dortmund hat einiges vor in den kommenden Wochen. Anfang Mai, direkt nach Ende der Bundesligasaison 1969/70, steht eine Reise nach Mexiko an. Im Vorfeld der Fußball-WM ist unter anderem ein Testspiel gegen die Nationalmannschaft des Gastgebers vorgesehen.

Die Vorbereitungen machen sich bereits rund um das Spiel am 18. April 1970 bei Hertha BSC bemerkbar. „Ich weiß noch, dass die Dortmunder eine Reise geplant hatten und es daher eine Impfung gab“, erinnert sich Herthas Stürmer Lorenz Horr.

Dortmund reist fieber- und verletzungsgeplagt nach Berlin

Nach einer Pockenimpfung bekommen mehrere BVB-Spieler Fieber. Andere fallen wegen Verletzungen ohnehin aus. „Wenn Hertha BSC dieses Spiel gegen uns nicht gewinnt, dann ist die Mannschaft wirklich müde“, verbreitet Dortmunds Trainer Hermann Lindemann im Vorfeld des 32. Spieltags Pessimismus in Vollendung.

Hertha ist nicht müde! Schon nach 30 Sekunden fällt das erste Tor, fünf weitere folgen bis zur Pause, der Endstand lautet 9:1. „Warum sollten wir die Dortmunder schonen und nicht alle Chancen wahrnehmen? Uns schenkt auch keiner etwas“, sagt Verteidiger Bernd Patzke nach Spielende. Herthas höchster Sieg in der Bundesliga jährt sich an diesem Samstag zum 50. Mal.

Die „Fußball-Woche“ lobt das „flüssige Direktspiel, gewürzt mit sehenswerten Feinheiten des Zusammenwirkens“. Es wird jedoch auch auf den gebrauchten Tag des Gegners hingewiesen, stellvertretend dafür eine kleine Beobachtung zum letzten Hertha-Tor: „Die Borussen sahen zu.“

Rekordmann im Rekordspiel. Herthas Wolfgang Gayer traf viermal.
Rekordmann im Rekordspiel. Herthas Wolfgang Gayer traf viermal.Foto: Werek/Imago

Der Tagesspiegel schreibt: „So schwach wie Dortmund hat im Olympiastadion außer Tasmania 1900 noch nie eine Bundesligamannschaft gespielt.“ Gegen Dortmund sind nur knapp 23.000 Fans im Olympiastadion, viel weniger als sonst. Der Durchschnitt liegt bei mehr als 40.000, das ist mit Abstand der Bestwert in der Liga.

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Aber obwohl der Vierte auf den Fünften trifft, fehlt der ganz große sportliche Reiz, denn der Uefa-Pokal wird erst ein Jahr später eingeführt. Diejenigen, die sich für den Stadionbesuch entschieden haben, liegen dennoch richtig. Oder wie es Offensivspieler Arno Steffenhagen ausdrückt: „Heute werden die Zuschauer wohl mit uns zufrieden gewesen sein.“

Es ist vor allem das Spiel von Horr und Wolfgang Gayer, die im „Kicker“ die Traumnote eins bekommen. „Herthas Bester der schlanke Gayer“, notiert die „FuWo“ und schwärmt: „Seiner technischen Brillanz hatten die Dortmunder nichts entgegenzusetzen.“ Horr macht die Tore eins und drei, Gayer ist für Tor zwei, vier, sechs und sieben verantwortlich. Die weiteren Treffer erzielen Franz Brungs, Tasso Wild und Hermann Bredenfeld sowie Jürgen Boduszek für Dortmund.

Heimauftritte von Hertha BSC stehen für beste Unterhaltung

Herthas Heimauftritte stehen damals oft für beste Unterhaltung, nur drei Beispiele aus der Zeit zwischen September 1969 und Januar 1971: 1:0 beim Bundesliga-Zuschauerrekord mit offiziell 88.075 Besuchern gegen den 1. FC Köln, Gayer trifft. 4:2 gegen den Deutschen Meister Borussia Mönchengladbach, Horr erzielt ein Tor. 3:3 gegen den FC Bayern, Gayer und Horr schießen die Hertha-Tore.

Bei dieser Vielzahl an Höhepunkten hat es der Rekord gegen Dortmund in der Rückschau der Beteiligten nicht leicht. „Ein Spiel gegen eine ersatzgeschwächte Mannschaft darf man nicht zu hoch bewerten“, sagt Horr.

Aufgrund des besonderen Ergebnisses denke er aber noch öfter daran, „wenn ich Borussia Dortmund im Fernsehen sehe“. Mittelfeldspieler Gayer sagt: „Das war auch für mich ein Rekordspiel. Ich war zwar torgefährlich, vier Stück habe ich allerdings nie wieder gemacht.“

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