HSV bleibt zweitklassig : Ein Nicht-Aufstieg mit Ansage

Der Hamburger SV muss den Aufstieg nach einer desaströsen Rückrunde abhaken. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie offensichtlich. Ein Kommentar.

Louis Richter
Hamburgs Pierre Michel Lasogga nach der Niederlage in Paderborn.
Hamburgs Pierre Michel Lasogga nach der Niederlage in Paderborn.Foto: imago images / Team 2

Es soll Spiele geben, die den Verlauf einer ganzen Saison verändern können. Große Siege, die das Vertrauen in das eigene Können bestätigen und der Ausgangspunkt einer erfolgreichen Serie sein können. Als die Mannschaft des HSV am 10. März 2019 um 15.30 Uhr im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli mit den eigenen Fans den 4:0-Derbysieg feierte, wirkte es kurz so, als ob der einstige Dino sich endlich gefunden hätte.

Sieben Punkte Vorsprung auf Platz vier hatte die Mannschaft von Hannes Wolf nach dem Sieg, und das, obwohl sie auch bis dato keine allzu glamouröse Saison spielte. Aber auch das half nicht. Im Gegenteil: Seit dem Sieg auf dem Kiez ist der HSV sieglos, den Höhepunkt bildete die 1:4-Klatsche beim SC Paderborn, dem direkten Konkurrenten um den Aufstieg.

Die Mission Bundesliga-Rückkehr des HSV lebte von Anfang an und über weite Strecken von eingefahrenen Ergebnissen, nicht allerdings von überzeugendem Fußball. Da waren die krachenden Heimniederlagen gegen Kiel (0:3), Regensburg (0:5) oder Ingolstadt (0:3). Da waren die Arbeitssiege in Magdeburg oder gegen Fürth oder das Heim-Remis gegen Aue.

Trotz des Trainerwechsels von Christian Titz zu Hannes Wolf hat Hamburg es nie geschafft, ein Offensiv-Konzept zu entwickeln, das Spiel für Spiel abgerufen werden kann und mit dem man die Gegner auch an einem schlechten Tag bezwingen kann, so wie es der 1. FC Köln immer wieder getan hat. Hinzu kommt ein, nicht erst in der Nachbetrachtung, blauäugig zusammengestellter Kader.

Die Mannschaft des HSV ist die jüngste im deutschen Profifußball. Die Dreierkette, die Wolf am Sonntag in Paderborn aufbot, ist im Schnitt 23 Jahre alt. Nun ist das nicht unbedingt ein Indiz für schwankende Leistungen oder flatternde Nerven, schließlich gibt es auch Führungsspieler in diesem Alter. Im Falle von David Bates, Rick van Drongelen und Leo Lacroix war eine gewisse Nervosität im Spiel aber bereits in der Hinrunde zu erkennen - reagiert wurde darauf nicht.

Führungsspieler fielen aus

Spieler wie Lewis Holtby, Aaron Hunt oder Pierre-Michel Lasogga, die das Team hätten führen sollen, waren entweder verletzt oder der Rolle nicht auf Dauer gewachsen. Lewis Holtby wurde gar suspendiert, nachdem er vor dem wichtigen Spiel bei Union Berlin darum gebeten hatte, nicht mitreisen zu müssen.

Neuzugänge wie Khaled Narey oder Berkay Özcan sind definitiv talentierte Fußballer, aber keine Garanten für den Aufstieg. Das Talent Jann-Fiete Arp fand nie in die Saison, die mitunter fragwürdige Rotation von Hannes Wolf, der Spieler auch nach einem guten Spiel mitunter wieder auf die Bank setzte, tat sein Übriges. So kommt es, dass der HSV in der Rückrunde bislang nur 16 Punkte holte und damit auch auf dem 16. Platz der Rückrundentabelle steht.

Unterm Strich bleibt eine wenig spektakuläre Erkenntnis: Der HSV konnte das Potenzial, das in der Mannschaft steckt, bei weitem nicht ausschöpfen. Auch, weil die Unruhen, die diesen Verein fast schon chronisch umgeben, weiter nicht in den Griff bekommen werden konnten. Der Kader gibt bei objektiver Betrachtung nicht viel mehr her, als den vierten Platz in der Zweiten Liga.

Natürlich werfen einige Fans der Vereinsführung nun auch vor, dass der Klub Trainer Hannes Wolf hätte früher entlassen müssen. Mit Trainerwechseln hat es der HSV in der jüngeren Vergangenheit aber auch immer wieder probiert, zeitweise sogar in einem reaktionären Maße. Geholfen hat das allerdings auch nicht.

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