Sport : Ich rette meinen Verein

Was hilft im Abstiegskampf der Bundesliga? Aberglaube, Erfahrung oder frisches Obst? Hier verraten Spieler, Fans und Betreuer ihre Rezepte für den Klassenerhalt

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Borussia Mönchengladbach, Platz 18

Fred Hagedorn, Fan

Ich rette meinen Verein, weil ich ihm überall hin folge. Seit 1975 bin ich Fan von Borussia Mönchengladbach und fahre von Potsdam aus zu jedem Heim- und Auswärtsspiel meines Klubs. Keine Wege sind mir zu weit, keine Umstände zu schwer, um immer bei der Borussia zu sein. 1995 bin ich in einem voll besetzen Golf zum Europapokalspiel nach Kratowo in Mazedonien gefahren. Das war eines meiner schönsten Erlebnisse. Der Gang in die Zweite Liga in der Saison 98/99 brachte dann das genaue Gegenteil. Etwas Schlimmeres, Deprimierenderes als den Abstieg gibt es nicht. Damit sich das nicht wiederholt, würde ich um die halbe Welt fahren.

VfL Bochum, Platz 17

Dirk Michalowski, Fanbeauftragter

Der VfL hält die Liga, weil wir von den Vereinen der unteren Tabellenhälfte die meiste Erfahrung im Abstiegskampf haben – man kann in unserem Fall ja schon von Routine sprechen. Bochum spielt seit dem ersten Spieltag gegen den Abstieg, das ist ein klarer Vorteil für uns. Als Fanbeauftragter kann ich im Dialog mit den anderen Anhängern dafür sorgen, dass wir immer hinter der Mannschaft stehen.

Eintracht Frankfurt, Platz 16

Dr. Christoph Seeger, Mannschaftsarzt

Bei uns gibt es momentan einige Problemfälle – im Moment sind Ioannis Amanatidis, Markus Pröll, der Kapitän Jermaine Jones und Marko Rehmer angeschlagen. Vor dem Abstieg habe ich trotzdem keine Angst, denn unsere Mannschaft ist stark genug, um sich in der Bundesliga zu halten. Ich habe immer ein Auge auf die Jungs, meine Praxis ist Tag und Nacht für die Spieler geöffnet, wenn es sein muss. Sie können mich auch jederzeit anrufen – mein Handy ist auf Nonstop-Empfang. Selbstverständlich achten wir darauf, dass unsere Spieler fit und gesund bleiben. In der Kabine steht beispielsweise immer frisches Obst bereit. Es gibt Äpfel, Bananen, Kiwis, weil Vitamine der beste Schutz vor Erkältungsviren sind. Bei Eintracht Frankfurt herrscht Ruhe, wir arbeiten unaufgeregt. Wer im Abstiegskampf nervös wird, der hat schlechte Karten.

Arminia Bielefeld, Platz 15

Artur Wichniarek, Spieler

Durch meine jahrelange Bundesliga-Erfahrung kann ich helfen, den Abstieg zu verhindern. Aber die Lage ist für uns im Moment sehr gefährlich. Vor der Winterpause sah es mit 23 Punkten ja eigentlich ganz gut aus. Jetzt haben wir realisiert, dass wir mitten im Abstiegskampf sind. Es geht nicht mehr darum, schönen Fußball zu spielen – wir müssen kämpfen, kämpfen, kämpfen. Angst, wieder in die Zweite Liga zu fallen, habe ich nicht – ich bleibe optimistisch. Mein Vertrag gilt bis 2008, auch für die Zweite Liga. Darüber, was danach ist, denke ich nicht nach. Mit 30 Jahren bin ich ja noch jung.

FSV Mainz 05, Platz 14

Christian Heidel, Manager

Wir sind aus der großen Talsohle der Hinserie gestärkt hervorgegangen. Mainz ist die erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde. Bei uns stimmt das Umfeld – hier bewahren alle Ruhe. Das unterscheidet uns von Vereinen wie Dortmund. Persönlich kann ich durch meine Erfahrung zum Klassenerhalt beitragen. Ich bin seit 1991 in Mainz und habe mit dem Verein schon oft gegen den Abstieg gespielt, auch in der Zweiten Liga. Im Vergleich dazu ist der Kampf in der Bundesliga wie ein Kindergeburtstag.

Alemannia Aachen, Platz 13

Michael Förster, Zeugwart

Ich bin überzeugt, dass Alemannia Aachen nicht absteigt, weil ich als Zeugwart nicht nur für den ordnungsgemäßen Ablauf des Spiel- und Trainingbetriebs sorge, sondern auch gute Laune ins Team bringe. Ich bin immer gut drauf, egal was los ist – und diese positive Stimmung soll die Mannschaft antreiben und so Punkt um Punkt den Klassenerhalt sichern. Seit 16 Jahren arbeite ich für den Verein, fiebere bei jedem Spiel mit. In Aachen muss man eben ein bisschen verrückt sein. Solche Unikate braucht die erste Liga ja auch.

Hamburger SV, Platz 12

Rafael van der Vaart, Spieler

Wir haben zuletzt zwar vier Mal in Folge gewonnen, aber letztlich doch noch gar nichts erreicht. Unser Ziel muss es sein, so schnell wie möglich in die Nähe der 40-Punkte-Marke zu kommen. Was ich dazu beitragen kann? Ich will weiterhin probieren, die Mannschaft mitzureißen, und auch noch ein paar Tore beisteuern. Aber mir ist klar: Alleine kann ich nichts bewirken. Auf Schalke zum Beispiel bei unserem 2:0-Sieg ist der Ivica Olic, mein Sturmpartner, gelaufen wie ein Wahnsinniger, davon habe auch ich profitiert. Aber jetzt ist für mich erst einmal wichtig, dass ich meine rechte Wade wieder in Ordnung bringe. Die habe ich mir am vorigen Wochenende auf Schalke gezerrt. Eigentlich benutze ich ja nur den linken Fuß, aber ab und zu kann ich den rechten auch ganz gut gebrauchen.

Energie Cottbus, Platz 11

Steffen Baumgart, Spieler

Zum Klassenerhalt kann ich immer beitragen – auch als Einwechselspieler. Ich bringe meine Kraft ein, wenn sie gefragt ist, gebe auch mein Bestes, wenn ich nur zehn Minuten spiele. Gerade bei Energie muss jeder an seine Leistungsgrenze gehen. Am besten noch ein bisschen darüber hinaus. Kraft geben mir auch die traditionellen Umfragen vor Saisonbeginn. In Deutschland ist es meistens so, dass genau die Mannschaften in der Liga bleiben, die von allen sogenannten Experten als erste Abstiegskandidaten gehandelt wurden. So war es bei uns. Zu wissen, dass Energie diesbezüglich gar nicht absteigen kann, ist ein Riesenvorteil für mich und die Mannschaft.

Borussia Dortmund, Platz 10

Norbert Dickel, Stadionsprecher

Ich habe vor, kein einziges Heimspiel mehr zu versäumen. Am vergangenen Sonntag konnte ich zum ersten Mal seit 16 Jahren wegen 39 Grad Fiebers nicht als Stadionsprecher dabei sein. Dass ich die Partie meiner Mannschaft allein zu Hause verfolgen musste, war schlimm genug. Dass Dortmund dann auch noch gegen Cottbus verloren hat, war für mich die Hölle. Zusammen mit der einmaligen Fangemeinde in der Südtribüne werde ich den Abstieg verhindern, weil wir eine super Stimmung erzeugen, die die Mannschaft von Sieg zu Sieg treiben wird.

VfL Wolfsburg, Platz 9

Matze, Fan

Ich bin seit 23 Jahren Fan des VfL Wolfsburg. In dieser Zeit habe ich zwei Aufstiege erlebt – und noch keinen einzigen Abstieg. Allein deshalb wird der VfL Wolfsburg in diesem Jahr auf jeden Fall die Klasse halten. Der VfL kann nicht absteigen, weil er noch nie abgestiegen ist, seitdem ich Fan bin. Ich fahre zu jedem Heim- und Auswärtsspiel meines Klubs. Meine Leidenschaft begann, als mein Vater mich zu einem Spiel mitgeschleppt hat. In der Fanszene in Wolfsburg bin ich gut bekannt. Allerdings will ich meinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. Aus Aberglaube, verstehen Sie? Sonst könnte der VfL ja vielleicht doch noch absteigen.

Umfrage: Katrin Schulze, Dagny Lüdemann, Karsten Doneck, Matthias Koch und Ingo Schmidt-Tychsen.

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