2000 wurde bei ihr Brustkrebs festgestellt – mit 32

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Im Griff des Dopings : DDR-Kanutin Spiegelberg könnte als Erste Opferrente erhalten
Ex-Kanutin Kerstin Spiegelberg.
Ex-Kanutin Kerstin Spiegelberg.Foto: promo

Dass es kein Entkommen gibt, musste sie jedoch schmerzhaft erfahren. Im Jahr 2000 wurde bei ihr Brustkrebs festgestellt, sie war damals 32 Jahre alt. Es gibt in der Tat Fälle, in denen auch jüngere Frauen an Brustkrebs erkranken. Meistens sind sie deutlich älter. Für Werner Franke steht der Zusammenhang fest: „Anabolika tragen zum Wachstum von Tumoren bei.“ Franke ist nicht nur der prominenteste Anti-Doping-Aktivist in Deutschland, er ist auch eine Kapazität in der Wissenschaft, am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Für Spiegelbergs Gerichtsverfahren hat er ein 200 Seiten starkes Gutachten geschrieben, das zweifelsfrei darlegen soll, dass die Krebserkrankung auf die Anabolikavergabe zurückzuführen ist.

Die Ämter behaupten, es habe kein Zwangsdoping in der DDR gegeben

„Ein solch umfangreiches und starkes Gutachten habe ich noch nicht gesehen und das wird auch der Richter noch nicht gesehen haben“, sagt Rechtsanwalt Sven Leistikow, der Kerstin Spiegelberg vertritt. Vor der Gerichtsverhandlung ist er überaus zuversichtlich: „Die Chancen stehen einmalig gut, weil wir uns über einige Hürden hinweggesetzt haben.“ Die größte Hürde war, überhaupt vor einem Gericht angehört zu werden. „Wir scheitern regelmäßig daran, dass die Ämter behaupten, es habe kein Zwangsdoping in der DDR gegeben“, sagt Leistikow, „aber es gab in der DDR einen Staatsplan Doping mit höchster Geheimhaltungsstufe.“ Die Gegenpartei vor Gericht ist nun das Landesamt für Gesundheit und Soziales, sie müsste die Opferrente bewilligen. Die Höhe der Rente würde sich nach Spiegelbergs Gehalt richten.

Spiegelberg ist schon staatlich anerkanntes Dopingopfer, eine Einmalzahlung als Entschädigung hat sie auch bekommen. Aber sie fürchtet sich davor, ihren Beruf als Physiotherapeutin nicht mehr ausüben zu können, weil ihr Körper einfach nicht mehr mitmacht, sie braucht eine Absicherung. Spiegelberg hat viel investiert in den Sport, zurückbekommen hat sie große Schmerzen, und sie hat keine glänzenden Olympiamedaillen gewonnen, über die sie sich damals freuen konnte und mit denen sie sich heute trösten könnte. Ihren beiden Kindern versucht sie, das Thema Doping auf verständliche Weise zu vermitteln und hat ihnen kürzlich eine Hörspielkassette geschenkt: „Die drei Fragezeichen – Dopingmixer“.

Auf den Gerichtstermin wartet sie nun gespannt. „Ich will es endlich hinter mir haben, weil es mich immer noch belastet.“ Sie weiß, dass sie das Verfahren nicht nur für sich führt. Wenn sie mit dem Anspruch durchkommt, könnten ihr andere Dopingopfer folgen. „Ich habe das Glück, dass ich eine Rechtsschutzversicherung habe. Es ist auch ein Kampf für die anderen, die sich das nicht leisten können“, sagt sie. „Es werden auch immer noch Menschen da sein, die Folgen haben, ohne dass sie es wissen.“

Die unfreiwillige Dopingvergangenheit begegnet ihr immer wieder. Ein Orthopäde fragte sie einmal: „Sind das bei Ihnen nicht Dopingknochen? Ihre Muskelansätze sind so stark ausgeprägt.“ Sie erlebt Doping als endlose Geschichte. Für eine Veranstaltung im Drachenbootfahren muss Kerstin Spiegelberg an einem Doping-Präventionskurs teilnehmen. Einen der Kursleiter kennt sie. Sie weiß von ihm, dass er früher selbst aktiv gedopt hat, wissen will er davon nichts mehr. Für den Kurs soll sie zwölf Euro zahlen.

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