Sport : Im Unruhestand

Henry Maske will nach dem Kampf gegen Virgil Hill weiterboxen – vielleicht

Hartmut Scherzer[München]

Hotel Vierjahreszeiten München, Saal Cherubin. Henry Maske, im dunkelgrauen Maßanzug mit blütenweißem Hemd und olivfarbener Krawatte wirkte in der Mitte des Neun-Herren-Podiums wie der Vorstandsvorsitzende von McDonald’s bei der Bekanntgabe der Gewinnprognose. Und nicht wie einer, der sich in gut zwei Wochen mit 43 Jahren noch einmal im Ring prügeln wird. Aber genau das war das Thema der Pressekonferenz.

Virgil Hill, in Jeans, schwarzem T-Shirt und mit schwarzer Baseballmütze, sah eher aus wie ein Verkäufer in einem der Fast-Food-Restaurants in Leverkusen, die Maske betreibt. Auch Hill ist 43 Jahre alt. Am 31. März treffen sich die beiden im Ring der Münchner Olympiahalle wieder, zehn Jahre und knapp vier Monate nach ihrem letzten Boxduell. Einschaltquote beim erneut übertragenden Sender RTL damals: 17,52 Millionen Zuschauer. Hill gewann umstritten nach Punkten, 2:1 hatten die drei Kampfrichter für ihn gestimmt. Maske will jetzt späte Revanche. Hill hat seitdem weitergeboxt (elf Kämpfe) und ist aktueller Weltmeister des Verbandes World Boxing Association (WBA) im Cruisergewicht. Maske genoss während dieser Zeit den Ring-Ruhestand. Soweit die historischen Fakten.

Die wichtigste Mitteilung dieses Tages: Henry Maske kann zwar gewinnen, aber nicht Weltmeister werden. Das steht nun endgültig fest. Hill versuchte, die verworrene Situation seiner Titelorganisation WBA nach zähen Verhandlungen zu aufzuklären. „Mein Titel steht nicht auf dem Spiel. Es geht um keine Weltmeisterschaft“, sagte Hill. „Ich habe eine Ausnahmegenehmigung, nach über einem Jahr ohne Kampf und Titelverteidigung gegen Henry zu boxen. Der Titel wird mir deswegen nicht aberkannt.“ Und wenn er verliert? Auch dann, behauptete Hill breit grinsend, sei er weiterhin Weltmeister.

„Das glauben Hills Anwälte“, widerspricht Werner Heinz, Veranstalter und Maskes Manager. Nach seinen Informationen von der WBA verliere Hill bei einem Kampf über 12 Runden im Fall einer Niederlage automatisch seinen Titel, ohne dass der Gürtel allerdings an Maske übergehe. Der Titel sei dann vakant. „Es wäre zwar toll, aber nach zehn Jahren kann ich keinen Anspruch auf einen Titelkampf geltend machen. Das ist auch nicht das Wesentliche. Ich will nachweisen, dass ich noch in der Weltspitze mithalten kann“, sagte Maske.

Sein früherer Trainer Manfred Wolke, der seinen einstigen Schüler und Champion seit Jahresbeginn wieder in Frankfurt an der Oder trainiert, traut ihm das zu: „Anfangs war ich sehr vorsichtig. Aber Henry hat mit der gleichen Beharrlichkeit, Intensität und physischen Bereitschaft wie früher gearbeitet. Ich glaube, dass er dies auch umsetzen wird.“

Anders als 1996 legte sich Henry Maske, man höre und staune, diesmal nicht unwiderruflich fest, dass das Comeback nach einer Dekade auch sein endgültig letzter Kampf sein werde. Nach der diesbezüglichen Frage überlegte Henry Maske lange, bis er antwortete: „Der nächste Kampf ist entscheidend. Über alles andere danach denke ich nicht nach.“

Das passt zu seinem ganz persönlichen Motto: „Man verfolgt einen Traum, den kein anderer versteht.“ Popstar Sarah Connor wird in München das Lied für den Fight singen. Titel: „The impossible dream.“ Der unmögliche Traum.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar