Internationaler Frauentag : Hebt uns nicht künstlich auf einen Sockel!

In der Sportredaktion ist der Frauenanteil gering. Trotzdem muss niemand um seine Rechte kämpfen, weil wir ein Team sind. Ein Alltagsbericht.

Kirsten Weimershaus
Kalenderblatt und Blumen zum 8. März, Frauentag.
8. März, Frauentag.Foto: dpa

Mein Arbeitsplatz ist in der Sportredaktion und der Frauenanteil ist hier gering. Das Gute ist aber, dass ich hier nicht um meine Rechte kämpfen muss. Ich bin keine Spielerfrau, sondern Mitglied des Teams, das von einer Frau geführt wird. Wir haben eine Ressortleiterin.

Es ist doch so: Im Sport selbst ist der Frauentag kein Anlass, die sportlichen Disziplinen ausnahmsweise anders zu werten. Verschiedene Anforderungen gibt es leider immer noch: Siebenkampf bei den Frauen, aber Zehnkampf bei den Männern. Oder bei einem Tennis-Grand-Slam-Turnier: Zwei Gewinnsätze bei Frauen, drei bei Männern. Das ist natürlich ein Unsinn, der irgendwann verschwinden wird.

Kuchen, Blümchen, Sekt

Vielleicht konnte man den Frauentag tatsächlich nur so „feiern“, wie die damaligen Kolleginnen es mir nach der Wende erklärten. Er lohnt sich nur auf der Arbeit mit Kuchen, Blümchen und Sekt.

Ich bin mir nicht sicher, ob es viele Frauenbewegungen gab, die ausgerechnet an diesem Tag auf die Straße gegangen sind. Aber es wurde endlich mal Zeit, dass die BerlinerInnen, die die Tabelle mit den wenigsten Feiertagen anführen, einen Feiertag mehr bekommen. Nur hätte es genauso gut ein x-beliebiger Tag sein können. 8. März? Internationaler Frauentag! Von mir aus. Der Tag bedeutet mir eher wenig.

Wenn ich mir einen Feiertag aussuchen könnte, würde meine Wahl auf einen Tag in der Mitte des Jahres fallen. Ich fände es besser, einen Tag ohne geschichtlichen Hintergrund als Feiertag zu wählen. Es wäre einfach nur ein schöner Tag, Laissez-faire. Die wenigsten wissen doch um die Bedeutung eines Feiertages.

Mein Sportklub ist ein reiner Frauenklub - es läuft gut

Hebt uns ansonsten bitte nicht künstlich auf einen Sockel, auch im Sport nicht. Wir sind keine Minderheit, sondern die Mehrheit in der Gesellschaft. Mein Sportklub ist ein reiner Frauenklub und das läuft ganz gut.

Frauentag, Muttertag, Valentinstag: Ich brauche keine Tage, an denen auf Frauenrechte gepocht werden muss, an dem der Mutter besonders gedankt werden oder die Frauen Blumen geschenkt bekommen sollen. Frauenrechte können im ganzen Jahr stattfinden, auch im Sport.

Blumen übers ganze Jahr verteilt zu bekommen hat für jeden – ob Frau oder Mann – eine größere Bedeutung, als sie an einem speziellen Tag zu bekommen. Ich jedenfalls feiere den Feiertag nicht und bleibe bei meiner Einstellung: Frauenrechte schön und gut, aber bitte nicht nur auf einen Tag reduziert. Gibt ja auch keinen internationalen Männertag. Die Rechte der Männer müssen scheinbar nicht gewürdigt werden, sie sind ja allgegenwärtig und immer da.

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