Interview in der "Bild am Sonntag" : Özils Vater knöpft sich Bierhoff vor

Nach der öffentlichen Kritik an seinem Sohn meldet sich nun auch Mustafa Özil zu Wort. Zur Zukunft Mesuts im DFB-Team hat er eine klare Meinung.

Abschied? Der Vater von Mesut Özil rät ihm dazu.
Abschied? Der Vater von Mesut Özil rät ihm dazu.Foto: dpa

Die Özils sind nicht bekannt dafür, Männer der großen Worte zu sein. Mesut Özil äußert sich am liebsten gar nicht. Nur, wenn er nicht mehr anders kann - dann über die sozialen Netzwerke. Gebeutelt von der massiven Kritik in der Heimat wegen seiner Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, schrieb er beispielsweise bald nach der Niederlage gegen Südkorea, er brauche erst einmal Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Ein paar Tage später dann zeigte der 29-Jährige sich zusammen mit Freundin Amine Gülse am Meer: „Danke, dass du immer für mich da bist. Du bringst mich zum Lächeln, selbst wenn sich meine Welt auf den Kopf stellt“, schrieb er zu einem Selfie.

Für ihn da sein. Das hätte sich Mesut Özil wohl auch von Oliver Bierhoff erhofft, der zwar betont, in seinem Welt-Interview missverstanden worden zu sein, der aber auch nach mehrmaligem Gegenlesen nicht erkannte, dass die Kritik am deutschen Spielmacher ein Maß annahm, das mächtig Sprengkraft besitzt. Nicht umsonst muss er nun öffentlich zurückrudern und ein Interview erklären, dass schon die Erklärung an sich sein sollte.

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Bierhoffs Aussagen sind "eine Frechheit"

Völlig unmissverständlich äußert sich da Mustafa Özil, der Vater des deutschen Nationalspielers, in der "Bild am Sonntag". Dass er seinen Sohn als "schüchtern, fast scheu" beschreibt, passt ins Bild. Worte, die sein Vater im Interview wählt, wären Mesut Özil eher fern. "Eine Frechheit" seien die Aussagen von DFB-Manager Oliver Bierhoff gewesen, mit denen er seinem Sohn einen großen Teil der Verantwortung für das WM-Aus zuschob. Seiner Meinung nach wolle Bierhoff damit nur seine eigene Haut retten. Auf der anderen Seite spricht Mustafa Özil aber auch Klartext bezüglich des Treffens seines Sohnes und Ilkay Gündogans mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Es sei "keine so gute Idee", aber eben auch sicher kein politisches Statement seines Sohnes gewesen.


Für ihn sei es ausschließlich eine Geste der Höflichkeit gewesen, die Bitte eines Mannes wie Erdogan nicht abzulehnen. Es wundere ihn, dass ausgerechnet diese Aktion so heftig diskutiert wurde. "Es gibt so viele Verbindungen im Fußball, über die man debattieren kann", sagt Mustafa Özil der "Bild am Sonntag", "beim Foto von Mesut aber war der Aufschrei so groß, dass ich dachte: Was ist denn jetzt los?"

Özil ist gekränkt und beleidigt

Interessant wird es, als Mustafa Özil gefragt wird, warum sein Sohn, der sich sofort nach dem WM-Aus in den Urlaub verabschiedete, sich nicht äußert. "Er ist geknickt, enttäuscht und gekränkt. Und ja: auch beleidigt." Er könne nicht verstehen, wie ihn die eigenen Fans auspfeifen und als Sündenbock hinstellen können. Dann spielt Özil Senior auch noch auf das WM-Motto "#ZSMMN" an. "Es heißt immer, wenn wir gewinnen, gewinnen wir zusammen. Aber wenn wir verlieren, verlieren wir wegen Özil?"

Der 50-Jährige gibt seinem Sohn abschließend einen unmissverständlichen Rat. "Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich sagen: Dankeschön, aber das war's", sagt Mustafa Özil, um sofort hinterherzuschieben: "Dafür ist die Kränkung dann doch zu groß. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung." (mit dpa)

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