• Interview mit einer Streakläuferin: „Ich mache das, bis ich beim Laufen tot umfalle“

Interview mit einer Streakläuferin : „Ich mache das, bis ich beim Laufen tot umfalle“

Elke Weisener ist seit 2008 insgesamt 31.491 Kilometer gelaufen. Hier erzählt sie, wie sie zum Streakrunning kam - und was sie immer wieder motiviert.

Elke Weisener läuft seit 2008 pro Tag mindestens eine Meile. Oft auch mehr.
Elke Weisener läuft seit 2008 pro Tag mindestens eine Meile. Oft auch mehr.Foto: privat

Elke Weisener ist die beste deutsche Streakrunnerin. Beim Streakrunning geht es darum, täglich mindestens eine Meile (rund 1,6 Kilometer) am Stück zu laufen. Wer es einmal nicht schafft, muss wieder von vorne anfangen. Weisener, 65 Jahre alt, ist bislang 4291 Mal (Stand: Dienstag) täglich mindestens eine Meile gelaufen. Der beste Streakrunner derzeit ist der US-Amerikaner Jon Sutherland, 69. Er ist seit dem 26. Mai 1969, also seit 18658 Tagen unterwegs. Er legte in dieser Zeit rund 320.000 Kilometer zurück, was circa der achtmaligen Erdumrundung gleichkommt.

Frau Weisener, waren Sie heute schon laufen?
Oh ja, natürlich. In der Regel verbinde ich das mit meiner Arbeit. Das sind dann hin und zurück jeweils etwas über zwei Kilometer am Stück.

Und damit mehr als die Meile, also die rund 1,6 Kilometer, die man täglich beim Streakrunning am Stück laufen muss.
Deutlich mehr. Mein Schnitt beim Streakrunning liegt sogar bei 7,34 Kilometer am Tag.

Seit wann machen Sie das?
Ich habe damit am 24. September 2008 begonnen.

Und Sie waren seitdem jeden Tag ohne Unterbrechung mindestens eine Meile laufen?
Ja. Insgesamt bin ich … warten Sie, ich muss auf meine Excel-Datei schauen … ich bin seit dem 24. September 2008 bis heute (Stand: Dienstag, 23. Juni 2020, d. Red.) 31.491 Kilometer gelaufen. Nicht schlecht, oder?

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Das kann man wohl sagen. Aber Sie müssen doch mal krank gewesen sein.

Man hat schon mal einen Schnupfen. Aber ich hatte in all den Jahren nie Fieber. Dann würde ich auch nicht laufen. Jedenfalls habe ich wohl ein gutes Immunsystem. Vermutlich kommt das vom vielen Laufen.

Und verletzt waren Sie auch nie?
Doch schon einige Male. Erst neulich ist mir morgens ein Schrank auf den Fuß gefallen. Das tat ganz schön weh. Dann habe ich lange gewartet und bin, als es einigermaßen ging und schon dunkel war, wieder raus zum Laufen. Ich bin da schon recht eisern.

Immer weiter. Laufen kann ein sehr sozialer Sport sein, findet Elke Weisener.
Immer weiter. Laufen kann ein sehr sozialer Sport sein, findet Elke Weisener.Foto: imago images/POP-EYE

Wo laufen Sie denn?
Am liebsten bei mir in der Nähe. Ich wohne in Falkensee, da gibt es wunderbare Laufstrecken, den Spandauer Forst, die Döberitzer Heide. Das ist toll.

Aber es würde ja keiner mitbekommen, wenn Sie mal einen Tag nicht laufen würden, oder?
Nein, vermutlich nicht. Aber ich mache das ja nicht für andere, sondern für mich. Und ich will mich nicht selbst betrügen.

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Wie sind Sie überhaupt zum Streakrunning gekommen?
Ich habe beim Bieler 100-Kilometerlauf in der Schweiz mitgemacht und dort eine Laufkollegin getroffen, die mir davon erzählt hat.

Macht das viele Laufen nicht ein bisschen einsam?
Überhaupt nicht. Vor allem laufe ich auch viel in Lauftreffs. Laufen kann ein sehr sozialer Sport sein. Außerdem begleitet mich auf kurzen Strecken auch regelmäßig mein Dackel. Aber er ist inzwischen schon acht Jahre alt und macht immer schneller schlapp. 

Wie schaffen Sie es, sich jedes Mal aufzuraffen?
Das Geheimnis ist, dass ich fast immer Lust darauf habe. Und wenn das mal nicht der Fall ist, stelle ich mir immer vor, wie es gleich ist, wenn ich vom Laufen kommen, unter der Dusche stehe. Das ist immer ein tolles Gefühl nach dem Sport.

Haben Sie einen Tipp für Sportmuffel?
Am besten nie lange überlegen. Aufstehen und loslaufen, einfach machen.

Wie lange wollen Sie das eigentlich noch machen?
Bis ich beim Laufen tot umfalle.

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